Liebe Leserinnen und Leser,
4.750 Dollar – auf diesen Rekordwert kletterte der Goldpreis am Dienstag, während gleichzeitig die Aktienmärkte rund um den Globus abstürzten. Der Grund? Donald Trump hat seine Drohkulisse rund um Grönland dramatisch verschärft und Europa mit massiven Strafzöllen überzogen. Was wie ein geopolitisches Säbelrasseln klingt, entpuppt sich als handfester Schock für Anleger: Der DAX verlor ein Prozent, die Wall Street rutschte noch deutlicher ab – und ausgerechnet in diesem Chaos präsentiert Netflix einen spektakulären Strategiewechsel bei seiner Warner-Übernahme. Während sich Investoren in Gold und Silber flüchten, zeigt sich an anderer Stelle, dass manche Unternehmen selbst im Sturm ihre Chancen wittern.
Grönland-Poker eskaliert: Wenn Zolldrohungen Märkte in Panik versetzen
Was zunächst wie eine weitere Trump’sche Provokation klang, entwickelte sich am Wochenende zur veritablen Krise: Der US-Präsident fordert nicht nur weiterhin die Kontrolle über Grönland, sondern droht mehreren europäischen NATO-Staaten – darunter Deutschland, Frankreich und Dänemark – mit Strafzöllen von zunächst zehn Prozent ab dem 1. Februar, steigend auf 25 Prozent bis Juli. Die Begründung: Europa müsse einem Deal über Grönland zustimmen. Dänemark und die EU wiesen das umgehend zurück und kündigten ihrerseits Gegenmaßnahmen an, darunter Zölle auf US-Waren im Wert von 93 Milliarden Euro.
Die Reaktion der Märkte fiel eindeutig aus: Anleger flüchteten aus Aktien und suchten Schutz in Edelmetallen. Gold durchbrach erstmals die Marke von 4.700 Dollar, Silber erreichte ebenfalls neue Höchststände. Selbst der Dollar, normalerweise ein sicherer Hafen, geriet unter Druck und verlor fast ein Prozent. Gleichzeitig stiegen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen um sechs Basispunkte auf 4,29 Prozent – ein Zeichen dafür, dass Investoren auch hier Risiken wittern. Der Volatilitätsindex des DAX verzeichnete den stärksten Anstieg seit August 2025, was die Nervosität der Marktteilnehmer unterstreicht.
Besonders brisant: Trump trifft sich diese Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit „verschiedenen Parteien“, um über Grönland zu sprechen. Gleichzeitig plant die EU für Donnerstag ein Krisengespräch. Ob sich die Lage entspannt oder weiter eskaliert, ist völlig offen – doch die Märkte haben bereits eingepreist, dass die transatlantischen Beziehungen auf einem neuen Tiefpunkt angelangt sind.
Netflix dreht auf Vollgas: 83 Milliarden Dollar – jetzt komplett in bar
Mitten im Börsenchaos verkündete Netflix eine bemerkenswerte Wendung: Der Streaming-Riese will seine geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery nun vollständig in bar abwickeln. Statt eines Mix aus Aktien und Bargeld erhalten die Warner-Aktionäre künftig 27,75 Dollar pro Aktie – ausschließlich in Cash. Inklusive Schulden summiert sich das Gesamtvolumen auf rund 83 Milliarden Dollar, was den Deal zu einem der größten in der Unterhaltungsbranche macht.
Die Umstellung auf eine reine Bargeldzahlung hat mehrere Vorteile: Sie gibt den Warner-Aktionären Planungssicherheit, beschleunigt den Abstimmungsprozess und unterstreicht Netflixs finanzielle Stärke. Das Unternehmen finanziert die Übernahme aus eigenen Mitteln, Kreditlinien und zugesagten Finanzierungen – ein Signal, dass man trotz hoher Investitionen eine gesunde Bilanz wahren will. Für Warner-Aktionäre bedeutet das: Sie können bereits im April 2026 über den Deal abstimmen, deutlich früher als ursprünglich geplant.
Doch Netflix steht nicht allein im Ring: Paramount Skydance bietet 108 Milliarden Dollar für den gesamten Warner-Konzern, inklusive der TV-Sender wie CNN. Paramount zog deshalb vor Gericht und fordert mehr Transparenz über die Entscheidung des Warner-Managements, Netflixs Angebot zu bevorzugen. Hinter Paramount steht die Familie von Tech-Milliardär Larry Ellison, einem bekannten Trump-Unterstützer – was dem Bieterkampf eine zusätzliche politische Dimension verleiht. Die Netflix-Aktie reagierte verhalten und legte vorbörslich nur leicht zu, während Warner und Paramount unter dem allgemeinen Marktdruck litten.
Intel überrascht: Analysten drehen bullish – Aktie steigt gegen den Trend
Während die meisten Tech-Werte am Dienstag unter die Räder kamen, scherte Intel aus: Die Aktie legte rund sieben Prozent zu und kletterte auf 50,15 Dollar – ein Plus von 36 Prozent seit Jahresbeginn. Verantwortlich für den Aufschwung sind positive Analystenkommentare, die dem lange gebeutelten Chipkonzern neues Leben einhauchen.
Die britische Bank HSBC hob ihre Einstufung von „Reduce“ auf „Hold“ an und verdoppelte das Kursziel von 26 auf 50 Dollar. Analyst Frank Lee begründete den Schritt mit der steigenden Nachfrage nach Server-CPUs, angetrieben durch die Entwicklung von KI-Systemen. Auch Seaport Global Securities zeigte sich optimistischer: Analyst Jay Goldberg verwies auf starke Signale bei PC-Produkten und einen verbesserten Ausblick für Intels Foundry-Geschäft. Seine Einschätzung: Intel dürfte 2026 sowohl im Enterprise- als auch im Consumer-Bereich Marktanteile zurückgewinnen.
Die Kehrtwende kommt nicht von ungefähr. Intel hatte in den vergangenen Jahren massiv an Boden gegenüber Konkurrenten wie AMD und Nvidia verloren, insbesondere im lukrativen KI-Chip-Segment. Doch die jüngsten Entwicklungen – darunter Partnerschaften und Fortschritte bei der Fertigung – scheinen Früchte zu tragen. Für Anleger, die auf eine Trendwende gesetzt haben, zahlt sich die Geduld nun aus. Ob Intel den Schwung halten kann, wird sich spätestens bei den nächsten Quartalszahlen zeigen.
Allianz verkauft Indien-Beteiligung für 2,1 Milliarden Euro – und investiert in KI
Der Münchner Versicherungsriese Allianz hat den Verkauf von 23 Prozent seiner Anteile an den indischen Joint Ventures mit Bajaj abgeschlossen. Die Transaktion bringt einen Bruttoerlös von etwa 2,1 Milliarden Euro ein – etwas weniger als die ursprünglich erwarteten 2,6 Milliarden Euro, was auf Wechselkursschwankungen zurückzuführen ist. Im ersten Quartal 2026 wird der Deal der Allianz einen nicht-operativen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro bescheren.
Besonders bemerkenswert ist die Auswirkung auf die Kapitalstärke: Die für Versicherer wichtige Solvency-II-Quote steigt um etwa fünf Prozentpunkte. Das freigewordene Kapital will die Allianz in neue Wachstumsinitiativen investieren. Parallel zum Verkauf strebt der Konzern ein neues Joint Venture mit Jio Financial Services an, um weiterhin im indischen Markt präsent zu bleiben.
Gleichzeitig treibt die Allianz ihre digitale Transformation voran: Der Konzern hat eine globale Kooperation mit dem KI-Spezialisten Anthropic bekannt gegeben. Im Fokus steht die Automatisierung von Prozessen wie der Schadenbearbeitung durch sogenannte „Agentic AI“. Diese KI-Lösung soll komplette Workflows von der Dokumentenerfassung bis zur Auszahlung selbständig abwickeln können – ein Versprechen erheblicher Effizienzsteigerungen. Die Allianz-Aktie reagierte allerdings verhalten und verlor im XETRA-Handel zeitweise 1,61 Prozent auf 373,20 Euro, belastet durch ein technisches Verkaufssignal und die allgemeine Marktschwäche.
Amazon spürt Zolldruck: CEO warnt vor steigenden Preisen
Während Trump mit neuen Zöllen droht, meldete sich Amazon-Chef Andy Jassy vom Weltwirtschaftsforum in Davos zu Wort – und seine Botschaft war unmissverständlich: Die Preise auf der E-Commerce-Plattform beginnen zu steigen. Verantwortlich seien die Kostensteigerungen durch US-Zölle, die viele Verkäufer an die Kunden weitergeben. Amazon hatte zwar frühzeitig Lagerbestände aufgebaut, doch diese Puffer seien im Herbst aufgebraucht gewesen.
Jassy erklärte, dass einige Verkäufer die höheren Kosten absorbieren, um die Nachfrage anzukurbeln, während andere sie vollständig weitergeben. Die Konsumenten seien insgesamt noch resilient, zeigten sich aber bei hochpreisigen Käufen zurückhaltender. Die Amazon-Aktie reagierte mit einem vorbörslichen Minus von 2,38 Prozent auf 233,33 Dollar – ein Zeichen, dass Investoren die Warnung ernst nehmen.
Parallel dazu sicherte sich Amazon strategisch wichtige Rohstoffe: AWS schloss einen zweijährigen Liefervertrag mit dem Bergbaukonzern Rio Tinto über Kupfer aus dem Nuton-Projekt in Arizona, einer der ersten neuen Kupferquellen in den USA seit mehr als einem Jahrzehnt. Das Metall wird für den Bau und Betrieb von Rechenzentren benötigt. Im Gegenzug stellt Amazon Cloud-Computing- und Datenanalyseleistungen bereit. Auch wenn die gelieferten Mengen nur einen kleinen Teil des enormen Kupferbedarfs abdecken, unterstreicht der Deal Amazons Bestreben, sich frühzeitig kritische Rohstoffe für das KI-Wachstum zu sichern.
Was diese Woche noch wichtig wird
Die Märkte bleiben in Alarmbereitschaft: Am Mittwoch spricht Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos – eine Rede, die für neue Impulse oder weitere Eskalation sorgen könnte. Am Donnerstag trifft sich die EU zu ihrem Krisengespräch über die Grönland-Zölle. Parallel dazu läuft die Berichtssaison weiter: Netflix legt nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen vor, gefolgt von Johnson & Johnson, 3M, GE Aerospace und Intel später in der Woche. Auch Apple steht am 29. Januar mit seinen Ergebnissen an – ein Termin, den viele Anleger angesichts der jüngsten Kursschwäche mit Spannung erwarten.
Eines ist klar: Die Kombination aus geopolitischen Spannungen, Zolldrohungen und Unternehmensnachrichten hält die Börsen in Atem. Wer jetzt investiert ist, braucht starke Nerven – und einen klaren Blick dafür, welche Unternehmen auch im Sturm ihre Strategie durchziehen.
Bis morgen,
Andreas Sommer


