Trump-Zollchaos erschüttert Weltmärkte

Nach dem Stopp der Notstandszölle verhängt Trump neue Abgaben, was zu Marktturbulenzen und diplomatischen Verwerfungen führt. Die Unsicherheit belastet Währungen und Rohstoffpreise.

Trump-Zollchaos erschüttert Weltmärkte
Kurz & knapp:
  • Supreme Court stoppt ursprüngliche Notstandszölle
  • Neue Zölle nach altem Handelsgesetz in Kraft
  • Wall Street und Dollar reagieren nervös
  • Handelsabkommen mit Partnern in Gefahr

Die globalen Finanzmärkte befinden sich im Ausnahmezustand. Nach der Zurückweisung von Donald Trumps Notstandszöllen durch den Supreme Court herrscht beispiellose Unsicherheit über die künftige Handelspolitik der USA – mit weitreichenden Folgen für Währungen, Rohstoffe und Investorenvertrauen weltweit.

Juristisches Debakel löst neue Zollwelle aus

Der Supreme Court urteilte am Freitag, dass Trump seine Befugnisse überschritten hatte, als er Zölle unter dem International Emergency Economic Powers Act verhängte. Die Reaktion des Präsidenten folgte auf dem Fuß: Binnen Stunden kündigte er neue Abgaben nach Section 122 des Trade Act von 1974 an – einem bis dahin ungenutzten Gesetz. Die neuen Zölle traten am Dienstag um Mitternacht in Kraft, allerdings zunächst mit 10% statt der angekündigten 15%.

Das Weiße Haus begründet die Maßnahme mit einer „großen und ernsthaften“ Zahlungsbilanzproblematik der USA, die sich aus einem jährlichen Handelsbilanzdefizit von 1,2 Billionen Dollar und einem Leistungsbilanzdefizit von 4% des BIP speist. Doch diese Argumentation stößt auf breite Skepsis: Gita Gopinath, ehemalige erste stellvertretende geschäftsführende Direktorin des IWF, widersprach deutlich. „Wir können uns alle darauf einigen, dass die USA keine Zahlungsbilanzkrise erleben“, erklärte sie gegenüber Reuters. Eine solche Krise läge vor, wenn ein Land exorbitante Anstiege der internationalen Kreditkosten erleben und den Zugang zu Finanzmärkten verlieren würde.

Pikant: Trumps eigenes Justizministerium hatte in früheren Gerichtsunterlagen argumentiert, Section 122 sei das falsche Instrument für handelspolitische Notlagen. Diese Selbstwidersprüche machen die neuen Zölle anfällig für weitere juristische Anfechtungen. Neal Katyal, der die Kläger gegen die IEEPA-Zölle vor dem Supreme Court vertreten hatte, sieht einfache Erfolgsaussichten: „Wenn der Präsident ein Gesetz nutzt, von dem sein eigenes Justizministerium sagt, er könne es nicht nutzen, ist das ziemlich leicht anzufechten.“

Handelspartner in der Warteschleife

Trump warnte am Montag eindringlich vor einem Rückzug von kürzlich ausgehandelten Handelsabkommen: „Jedes Land, das ‚Spielchen‘ mit der lächerlichen Supreme-Court-Entscheidung spielen will, wird mit einem viel höheren Zoll konfrontiert werden.“ Die Drohgebärde zeigte Wirkung – aber nicht die gewünschte.

Das Europäische Parlament verschob die Abstimmung über das Handelsabkommen mit den USA auf unbestimmte Zeit. Japan forderte Garantien, dass seine Behandlung unter dem neuen Zollregime nicht ungünstiger ausfalle als im vergangenen Jahr vereinbart. Taiwan sucht nach Bestätigung, dass die bereits ausgehandelten vorteilhaften Bedingungen unverändert bleiben. China rief Washington auf, alle Zollmaßnahmen zu streichen.

Die Wall Street reagierte nervös: Der Dow Jones Industrial Average fiel um 1,65%, der S&P 500 um 1,02%. Der Dollar schwächelte gegenüber Euro und Yen. „Wir befinden uns wieder in einem sehr unsicheren Umfeld“, kommentierte Ray Attrill, Chef-Währungsstratege bei der National Australia Bank. „Es geht um die Unsicherheit darüber, wie die künftige Handelslandschaft aussehen wird – genau zu einem Zeitpunkt, wo die meisten Länder Handelsabkommen unterzeichnet hatten oder kurz davor standen.“

Goldpreis unter Druck trotz Unsicherheit

Der Goldpreis gab am Dienstag nach einer viertägigen Gewinnserie nach und fiel um 1,5% auf 5.150,38 Dollar je Unze, nachdem er zuvor ein Drei-Wochen-Hoch erreicht hatte. Der stärkere Dollar machte das in Greenback gehandelte Edelmetall für Investoren mit anderen Währungen teurer.

„Wir hatten gestern eine bedeutende Rally. Jetzt erleben wir eine kleine Verdauung“, erklärte Ilya Spivak, Leiter Globale Makroökonomie bei Tastylive. Bemerkenswert sei, dass sich die Panik von der Wall Street nicht auf die asiatischen Märkte ausgeweitet habe. Silber verlor 3,1% auf 85,50 Dollar, Platin gab 2,9% nach auf 2.092,31 Dollar.

Die Fed-Politik bleibt ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor: Gouverneur Christopher Waller signalisierte Bereitschaft, die Zinsen im März unverändert zu lassen, sollten die Februar-Arbeitsmarktdaten eine Stabilisierung zeigen. Die Märkte preisen derzeit drei Zinssenkungen um je 25 Basispunkte für 2026 ein – doch die erhöhte Inflation durch Zölle könnte diese Erwartungen zunichtemachen.

Asiatische Börsen finden Halt

Nach der Wall-Street-Schwäche stabilisierten sich die asiatischen Märkte am Dienstag weitgehend. Der japanische Nikkei 225 und der chinesische CSI 300 legten nach den Feiertagen jeweils über 1% zu, als sie die Nachricht von den niedrigeren US-Zöllen verarbeiteten. Hersteller in der KI-Lieferkette trieben die Benchmarks in Taiwan und Südkorea auf neue Höchststände und verhalf MSCI’s breitem Index asiatisch-pazifischer Aktien außerhalb Japans zu einem neuen Rekord.

Doch die Ruhe könnte trügerisch sein. Eine „Weltuntergangs-Analyse“ von Citrini Research, die diese Woche veröffentlicht wurde und die potenziellen Verwüstungen durch KI auf die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren skizziert, hatte am Montag zu Verkäufen in den USA beigetragen.

Zusätzlich eskalieren die geopolitischen Spannungen: Das US-Außenministerium zog nicht-essentielles Personal und deren Angehörige aus der Botschaft in Beirut ab – ein Zeichen wachsender Sorge über einen möglichen Militärkonflikt mit dem Iran. Während Trump sich als friedensstiftender Präsident inszeniert, scheint die USA am Rande einer offenen Konfrontation mit Teheran über dessen Atomprogramm zu stehen.

Indonesien kämpft gegen Vertrauensverlust

Fernab von Washington zeigt Indonesien exemplarisch, wie politische Unsicherheit Investoren vertreiben kann. Die Rupiah notiert nahe historischer Tiefstände, seit Präsident Prabowo Subianto im Januar seinen Neffen zum stellvertretenden Zentralbankchef ernannte. Der Hauptaktienindex liegt 2026 über 3% im Minus – die schlechteste Performance in der Region.

„Ad-hoc-Politik schützt den Markt nicht, sie macht ihn unkalkulierbar“, kritisierte Fauzan Luthsa, Berater bei Ormit Kelola Nusantara in Jakarta. Nach der Warnung von MSCI, der Markt riskiere eine Herabstufung auf Frontier-Status, traten fünf hochrangige Börsen- und Regulierungsbeamte an einem Nachmittag zurück. Die Rendite zehnjähriger indonesischer Staatsanleihen stieg 2026 um 34 Basispunkte auf 6,458%.

„Was die Märkte am meisten interessiert, ist beobachtbares Verhalten: die Kommunikation, der politische Rahmen und konkrete Handlungen“, mahnte Alessia Berardi, Leiterin Globale Makroökonomie am Amundi Investment Institute. Das gilt nicht nur für Jakarta – sondern zunehmend auch für Washington.

Über Felix Baarz 1857 Artikel
Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.