Trumps neue Zölle erschüttern Welthandel: Japan, Gold und globale Märkte reagieren

Internationale Märkte reagieren empfindlich auf erwartete US-Handelsbeschränkungen, während Japan Bedenken äußert und Goldpreise neue Höchststände erreichen.

Trumps neue Zölle erschüttern Welthandel: Japan, Gold und globale Märkte reagieren
Kurz & knapp:
  • Hohe Importabgaben als Verhandlungsbasis eingesetzt
  • Notenbank Japans warnt vor Wirtschaftsrisiken
  • Edelmetallkurse auf Rekordhoch als Reaktion
  • Internationale Partner entwickeln Gegenpositionen

Die von US-Präsident Donald Trump für den heutigen 2. April 2025 angekündigten umfassenden Zölle sorgen weltweit für Nervosität an den Finanzmärkten und Besorgnis bei Handelspartnern. Bereits im Vorfeld als „Liberation Day“ von Trump bezeichnet, stehen die Ankündigungen kurz bevor, während Notenbanker, Analysten und betroffene Länder die potenziellen Auswirkungen bewerten. Bank of Japan-Gouverneur Kazuo Ueda warnte heute vor erheblichen Folgen für den globalen Handel und das Wirtschaftswachstum durch die neuen US-Handelshürden.

Maximale Zollsätze als Verhandlungstaktik

US-Finanzminister Scott Bessent deutete an, dass Trump zunächst die höchstmöglichen Zollsätze verhängen wird. Diese sollen als Obergrenze dienen, wobei betroffene Länder die Möglichkeit haben, durch Erfüllung amerikanischer Forderungen oder Senkung ihrer eigenen Zölle auf US-Waren die Belastungen zu reduzieren. Besonders im Fokus stehen die sogenannten „Dirty 15“ – Länder mit hohen Handelsüberschüssen gegenüber den USA, darunter China, Japan, Deutschland, Mexiko und Kanada.

Laut Medienberichten erwägt die Trump-Administration, universelle Zölle von etwa 20% auf nahezu alle Importe zu erheben. Zusätzlich sollen ab heute 25-prozentige Zölle auf Automobileinfuhren in Kraft treten. Weitere Sektoren wie Halbleiter, Pharmazeutika und bestimmte Rohstoffe könnten ebenfalls ins Visier genommen werden.

Japan befürchtet weitreichende Folgen

Die Bank of Japan zeigt sich besonders besorgt über die bevorstehenden handelspolitischen Maßnahmen. „Je nach Umfang und Größenordnung der US-Zölle könnten diese erhebliche Auswirkungen auf die Handelsaktivitäten jedes Landes haben“, erklärte Notenbankchef Ueda vor dem japanischen Parlament. Die japanische Wirtschaft, stark abhängig vom US-Handel, dürfte ein Hauptziel der Trumpschen Zollpolitik werden.

Ueda verwies zudem auf die Unsicherheit bezüglich der Inflationswirkung: Kurzfristig dürften die Zölle die US-Inflation antreiben, langfristig könnten sie jedoch durch Dämpfung des Wirtschaftswachstums preissenkend wirken. Diese Entwicklungen werden die Zinsentscheidungen der BOJ beeinflussen, die für Mai eine weitere Zinserhöhung in Erwägung zieht.

Globale Wirtschaftsbeziehungen unter Druck

Die Ankündigung fällt in eine Zeit, in der die globalen Produktionsaktivitäten bereits nachlassen. Von Japan bis Großbritannien und den USA zeigten Umfragen einen Rückgang der Fabrikaktivitäten im März, während Unternehmen sich auf die neuen US-Handelsbeschränkungen vorbereiten.

Besonders hart könnte es Thailand treffen. Thailändische Regierungsvertreter schätzen den potenziellen Schaden auf 7 bis 8 Milliarden US-Dollar, wenn die USA ihre Zölle angleichen würden. Halbleiterexporte aus Thailand könnten mit 25% Zoll belegt werden. Das Land versucht, US-Zölle zu vermeiden, indem es Importe von Mais, Sojabohnen, Rohöl und Ethan erhöht, um sein Handelsüberschuss mit den USA zu verringern.

Finanzmärkte suchen sichere Häfen

Die Unsicherheit über Trumps handelspolitische Pläne hat bereits deutliche Spuren an den Finanzmärkten hinterlassen. Gold erreichte gestern mit 3.148,88 US-Dollar ein neues Allzeithoch und setzt seinen Aufwärtstrend heute mit einem Anstieg um 0,7% auf 3.131,25 US-Dollar fort. „Der Hauptgrund für diese aufeinanderfolgenden Rekordstände war der Kauf sicherer Häfen, und die geopolitische Unsicherheit, die dies untermauert, zeigt keine Anzeichen einer Abschwächung“, erklärte Philip Newman, Geschäftsführer von Metals Focus.

Analysten prognostizieren weiteres Aufwärtspotenzial für das Edelmetall. „Der Markt könnte in einem optimistischen Szenario in den nächsten 9 Monaten die Marke von 3.400 US-Dollar pro Unze testen“, sagte Aakash Doshi, globaler Leiter der Goldstrategie bei State Street Global Advisors. Eine Kombination aus starker Nachfrage durch Zentralbanken, erwarteten Zinssenkungen der Federal Reserve, geopolitischer Instabilität im Nahen Osten und Europa sowie verstärkten Zuflüssen in goldgedeckte ETFs treibt die Rallye an.

Währungsmärkte in Alarmbereitschaft

Der US-Dollar hielt sich am Mittwoch stabil, nachdem er im März mit einem Rückgang von 3,1% den größten monatlichen Verlust seit November 2022 verzeichnete. Der Euro notierte bei 1,0792 Dollar, während das Pfund Sterling bei 1,2924 Dollar stagnierte. Der australische Dollar blieb bei 0,62785 Dollar unverändert, während der neuseeländische Dollar leicht um 0,11% auf 0,5707 Dollar zulegte.

„Die Märkte werden vor der Ankündigung nervös sein“, sagte Carol Kong, Währungsstrategin bei der Commonwealth Bank of Australia. „Die Stimmung wird von weiteren Zollschlagzeilen bestimmt werden, und das wiederum wird die Währungsbewegungen vor der großen Ankündigung beeinflussen.“

Internationale Reaktionen und Strategien

Trotz der drohenden Handelsspannungen lehnen einige betroffene Länder Vergeltungsmaßnahmen ab. Australiens Premierminister Anthony Albanese erklärte, seine Regierung werde keine Gegenmaßnahmen ergreifen, aber dennoch „für australische Interessen einstehen“. Besonders besorgt zeigt sich Australien um seine Rindfleischexporte im Wert von 4 Milliarden australischen Dollar in die USA, die durch die Zollpolitik gefährdet sein könnten.

Gleichzeitig betonte Albanese, dass Australien bei drei Schlüsselbereichen keine Kompromisse eingehen werde: dem Pharmaceutical Benefits Scheme, den Biosicherheitsbestimmungen und dem Media Bargaining Code, der US-Technologiegiganten wie Google und Meta verpflichtet, australische Medienunternehmen für die Nutzung ihrer Inhalte zu vergüten.

Kanadas Premierminister Mark Carney und die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum haben bereits über Kanadas Plan gesprochen, „gegen ungerechtfertigte Handelsmaßnahmen“ der Vereinigten Staaten vorzugehen. Mexiko steht derweil vor wirtschaftlichen Herausforderungen: Das Finanzministerium senkte seine Wachstumsprognose für 2025 auf 1,5% bis 2,3%, nach einer zuvor optimistischeren Schätzung von 2,0% bis 3,0%.

Ausblick: Zölle als Katalysator für globale Wirtschaftsverschiebungen

Die geplanten US-Zölle werden voraussichtlich nicht nur kurzfristige Marktturbulenzen verursachen, sondern könnten langfristige strukturelle Veränderungen in der globalen Wirtschaft anstoßen. Während die Märkte auf Trumps Ankündigung warten, haben Unternehmen weltweit bereits begonnen, ihre Lieferketten anzupassen und alternative Strategien zu entwickeln.

Die Auswirkungen der Zölle werden ein zentrales Thema bei den bevorstehenden Frühjahrstagungen des IWF und der G20 später in diesem Monat in Washington sein. Bank of Japan-Chef Ueda signalisierte bereits, dass er mit seinen G20-Kollegen über die Folgen der höheren US-Zölle für die Weltwirtschaft diskutieren möchte.

Während die globalen Finanzmärkte und Handelspartner auf die konkreten Details der Zollmaßnahmen warten, bleibt die zentrale Frage, ob Trumps „Liberation Day“ die versprochene Befreiung für die US-Wirtschaft bringen wird oder ob die protektionistischen Maßnahmen letztlich zu einer weiteren Fragmentierung der globalen Handelsbeziehungen führen werden.

Über Felix Baarz 25 Artikel
Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.