Ein Kursrückgang von fast elf Prozent in dreißig Tagen klingt nach Warnsignal. Bei TSMC ist es eher das Gegenteil. Mein Eindruck: Die aktuelle „Kapazitätsklemme“ ist kein Zeichen von Schwäche, sondern der Beweis dafür, dass der taiwanesische Chipriese seinen technologischen Vorsprung gerade ausbaut, statt ihn zu verlieren.

Der 1,4-Nanometer-Vorstoß

Das stärkste Argument für diese These liefert TSMCs Roadmap. Der Konzern hat den Bau seiner ersten 1,4-Nanometer-Fabrik in Taichung beschleunigt. Die Fertigstellung ist für die erste Jahreshälfte 2027 geplant, die Massenproduktion soll Mitte 2028 starten.

Konkurrent Samsung peilt vergleichbare Fertigungsknoten erst für 2029 an. TSMC könnte den Abstand damit auf ein volles Jahr ausbauen und sich die margenstärksten Aufträge für die nächste Generation von KI- und Mobilhardware sichern. Ein technisches Detail untermauert das: Beim 256-Mbit-SRAM auf dem A14-Prozess (1,4 Nanometer) erreicht TSMC bereits eine Ausbeute von 90 Prozent. Das ist ein Reifegrad, den die Konkurrenz noch nicht vorweisen kann.

Wenn Erfolg zum Problem wird

TSMC leidet gerade an seinem eigenen Erfolg. Die Nachfrage nach modernsten Chips ist so hoch, dass selbst Schwergewichte wie Apple und Google nach Alternativen suchen. Apple führt erste Gespräche mit Intel als Zweitquelle. Google verhandelt mit Samsung über Speicherkomponenten für seinen „Icefish“-Prozessor.

Entscheidend ist aber: Bei den Kernkomponenten im 1,4-Nanometer-Bereich bleibt TSMC für beide Kunden alternativlos. Das ist keine schleichende Marktanteilsverwässerung, sondern das Gegenteil. Die Auftragsbücher laufen über. Für mich ist das ein Beleg für eine Preissetzungsmacht, die man am Markt selten findet – die Nachfrage nach Präzision übersteigt schlicht das Angebot.

Zulieferer wollen mitverdienen

Auch bei den eigenen Zulieferern zeigt sich, wie begehrt TSMCs Position ist. Lithografie-Ausrüster ASML drängt Berichten zufolge auf eine Preiserhöhung von zehn Prozent bei seinen DUV-Systemen. TSMC leistet Widerstand – und kann das als wichtigster ASML-Kunde auch durchsetzen.

Um die technologische Führung zu halten, hat der Konzern seine Investitionsplanung für 2026 um 15 Prozent angehoben. Damit landet das Capex-Budget bei 60 bis 64 Milliarden US-Dollar. Solche Summen belasten kurzfristig die Stimmung, keine Frage. Aber ein Gewinnwachstum von 77 Prozent im zweiten Quartal zeigt: Das Unternehmen kann sich diese Investitionsoffensive leisten – und jeden Rivalen finanziell überbieten.

Was der Kurs gerade erzählt

Bei 352,00 Euro notiert die Aktie zwar 16,29 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 420,50 Euro. Der langfristige Trend bleibt aber intakt: Der Kurs liegt 15,91 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 303,69 Euro. Ein RSI von 45,3 signalisiert zudem, dass die Aktie nicht überkauft ist – für Anleger mit Blick auf den KI-Zyklus könnte das ein günstigerer Einstiegspunkt sein als noch vor wenigen Wochen.

Die Konsens-Kursziele der Analysten liegen bei 468,25 Euro, ein Aufwärtspotenzial von 33 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Hinzu kommt eine für September 2026 erwartete Quartalsdividende von 1,1136 US-Dollar je Aktie.

Unterm Strich sehe ich die aktuelle Schwächephase nicht als Anfang vom Ende der TSMC-Dominanz. Sie ist eher ein Symptom eines Monopolisten, der an die Grenzen seiner eigenen Kapazität stößt – und genau deshalb seine Preise diktieren kann. Wer auf die Persistenz des KI-Booms bis 2030 setzt, kommt an diesem Namen kaum vorbei.