TSMC baut in Taiwan eine neue Festung für die KI-Zukunft. Während der Chip-Riese seine Fertigung im Süden der Insel massiv ausweitet, meldet das Unternehmen zugleich Umsatzrekorde. An der Börse zeigt sich die Aktie davon aber unbeeindruckt.

Neue Fabriken für die Chip-Verpackung

Die Provinzregierung von Chiayi hat am Sonntag den zweiten Bauabschnitt eines 90 Hektar großen Areals im Chiayi Science Park bestätigt. TSMC übernimmt dort die Führung beim Ausbau. Geplant sind zwei zusätzliche Anlagen für fortschrittliches Chip-Packaging, manche Berichte sprechen sogar von drei neuen Werken.

Die komplette Infrastruktur soll bis 2031 stehen. Auch Abwasseranlagen und Wasserspeicher sind bereits im Bau.

Advanced Packaging klingt technisch, ist aber der Flaschenhals der gesamten KI-Chip-Produktion. Dabei werden mehrere Hochleistungschips zu einer Einheit verbunden. Das steigert Geschwindigkeit und Effizienz komplexer KI-Anwendungen erheblich.

Eine erste Anlage im Chiayi Science Park läuft bereits in Massenproduktion. Ein zweites Werk steht kurz vor dem Start. Sobald beide Standorte voll ausgelastet sind, rechnet TSMC mit einem jährlichen Produktionswert von über 300 Milliarden Taiwan-Dollar. Das entspricht rund 9,35 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich sollen mehr als 9.000 neue Jobs entstehen.

Rekordumsätze bestätigen den Boom

Der Ausbau kommt nicht von ungefähr. TSMC meldete im Juni den höchsten Monatsumsatz der Firmengeschichte: 442,68 Milliarden Taiwan-Dollar, umgerechnet etwa 13,80 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Plus von 67,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Auch das zweite Quartal 2026 markiert einen neuen Höchstwert. Die konsolidierten Umsätze erreichten 1,27 Billionen Taiwan-Dollar, etwa 39,63 Milliarden US-Dollar. Das sind fast 12 Prozent mehr als im Quartal davor. Für das erste Halbjahr 2026 summieren sich die Erlöse auf 2,40 Billionen Taiwan-Dollar, ein Anstieg von 35,6 Prozent zum Vorjahr.

Diese Zahlen zeigen ein Unternehmen, das vom KI-Boom nicht nur profitiert, sondern ihn mitgestaltet. Die Investitionsausgaben für 2026 sollen sich am oberen Ende der Spanne von 52 bis 56 Milliarden US-Dollar bewegen.

Aktie unter Druck trotz starker Fundamentaldaten

An der Börse zeigt sich ein anderes Bild als in den Bilanzen. Die TSMC-Aktie notiert aktuell bei 380 Euro, nach einem Schlusskurs von 383 Euro am Freitag. Auf Wochensicht verlor das Papier fast 4 Prozent, liegt aber immer noch fast 94 Prozent über dem Stand vor zwölf Monaten.

Zum Rekordhoch von 420,50 Euro vom 1. Juli fehlen inzwischen fast 10 Prozent. Der RSI von 49,5 signalisiert dabei weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand — die Aktie konsolidiert nach einem außergewöhnlichen Lauf. Die annualisierte Volatilität von knapp 55 Prozent zeigt, wie nervös der Markt bei diesem Titel derzeit reagiert.

Die Marktkapitalisierung liegt bei knapp 1.972 Milliarden Euro. Damit bleibt TSMC einer der wertvollsten Konzerne der Welt, auch wenn die jüngste Schwäche einen Dämpfer setzt.

Diese Woche wird zeigen, wie das Management die aktuelle Lage einschätzt. TSMC lädt zur Telefonkonferenz zum zweiten Quartal, bei der auch der Ausblick für das Gesamtjahr zur Sprache kommen dürfte. Sollte der Konzern seine Umsatz- und Investitionsprognose weiter anheben, dürfte das die Debatte um die derzeitige Kursschwäche neu befeuern.