Freitag war ein guter Tag für TSMC-Aktionäre. Die Aktie schloss bei 395,00 Euro, ein Plus von 3,67 Prozent an einem einzigen Handelstag. Der Sprung fällt zusammen mit einer wichtigen politischen Entscheidung aus Taipeh, die den US-Ausbau des Chipherstellers absichert.

Taiwan genehmigt weitere Milliarden für Arizona

Taiwans Wirtschaftsministerium hat am Freitag eine Kapitalspritze von 20 Milliarden Dollar für die Arizona-Tochter von TSMC freigegeben. Es ist bereits die sechste Tranche für das US-Projekt. Damit summiert sich das genehmigte Investitionsvolumen für die amerikanischen Werke auf 44 Milliarden Dollar.

Das Geld fließt in neue Fabriken für 12-Zoll-Wafer und in moderne Packaging-Anlagen. TSMC treibt damit seine Strategie voran, die Fertigung geografisch breiter aufzustellen. Taiwanesische Regierungsvertreter betonten diese Woche dennoch, dass die fortschrittlichste Produktion auf der Insel bleibt. Bei CoWoS-Packaging und der 2-Nanometer-Fertigung habe Taiwan aktuell keine ernsthafte Konkurrenz.

Goldman Sachs erhöht Kursziel deutlich

Analysten reagieren auf die operativen Fortschritte mit optimistischeren Schätzungen. Goldman Sachs hob das Kursziel von 2.750 auf 3.000 taiwanesische Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. Die Bank rechnet mit Umsatzwachstum von 39 Prozent im Jahr 2026, gefolgt von 32 Prozent 2027 und 28 Prozent 2028 — jeweils in Dollar gerechnet.

Für 2027 haben die Analysten ihre Schätzung für die Investitionsausgaben auf rund 78 Milliarden Dollar angehoben. Der Grund: die anziehende Nachfrage nach KI-Infrastruktur. TSMC plant zudem, die Preise für seine fortschrittlichsten Fertigungsprozesse um 5 bis 10 Prozent anzuheben. Das soll die Margen stabil halten, die laut Goldman bis 2028 zwischen 66,9 und 67,3 Prozent liegen sollen.

2-Nanometer-Ausbau nimmt Fahrt auf

TSMC verfolgt intern klare Kapazitätsziele. Bis Ende 2027 will der Konzern monatlich 200.000 Wafer der 3-Nanometer-Technologie fertigen. Bei 2-Nanometer-Chips sind 140.000 Wafer pro Monat das Ziel, bei CoWoS-Packaging 280.000 Einheiten.

Der Hochlauf der 2-Nanometer-Generation soll deutlich schneller verlaufen als beim Start der 3-Nanometer-Fertigung. Für Großkunden wie Nvidia und Apple bleibt dieser Technologievorsprung ein entscheidender Faktor. Manche Wettbewerber prüfen zwar Alternativen für einzelne Chipmodelle — an TSMCs Spitzenposition ändert das bislang wenig.

Charttechnik zeigt Erholung nach volatiler Woche

Die Aktie bleibt trotz eines Rücksetzers in der Wochenmitte klar im Aufwärtstrend. Sie notiert aktuell 8,78 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 363,12 Euro und sogar 36,35 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Zum 52-Wochen-Hoch von 420,50 Euro, erreicht Anfang Juli, fehlen noch gut 6 Prozent.

Der breitere Halbleitersektor stabilisierte sich am Freitag nach einem harten Ausverkauf zu Wochenbeginn. Auslöser waren Sorgen über Verwässerungseffekte und verschobene Cloud-Kapazitäten bei den großen Hyperscalern. Auf Jahressicht steht die TSMC-Aktie nun mit knapp 45 Prozent im Plus, binnen zwölf Monaten hat sie sich nahezu verdoppelt.

Im Blick der Anleger steht als Nächstes die Quartalskonferenz für das zweite Quartal, die für Juli angesetzt ist. Dort dürfte sich zeigen, wie sich die Bruttomarge tatsächlich entwickelt und wie weit die Kosten der Auslandsproduktion inzwischen gesunken sind.