TSMC will an der Preisschraube drehen — und die Chipbranche reagiert nervös. Ein Bericht der japanischen Finanzzeitung „Nikkei“ sorgte am Dienstag für kräftige Kursausschläge bei Halbleiterwerten rund um den Globus. Der weltgrößte Auftragsfertiger verhandelt demnach mit seinen Kunden über Preiserhöhungen von bis zu zehn Prozent für das kommende Jahr.
Die US-Börsen reagierten prompt. Der Nasdaq 100 zog im frühen Handel um mehr als ein Prozent an, Chip-Werte wie AMD, Intel und Micron legten teils zweistellig zu. Die an der NYSE gehandelten TSMC-Hinterlegungsscheine kletterten um mehr als drei Prozent, während die Aktie am Heimatmarkt in Taipeh den Handel bereits mit einem Plus von 3,88 Prozent bei 2.410 Taiwan-Dollar beendet hatte.
Woher der Preisdruck kommt
Konkret sollen die Basispreise um 5 bis 10 Prozent steigen, mit dem stärksten Aufschlag bei Chips für Hochleistungsrechner und KI-Beschleuniger. Betroffen sind auch etablierte Fertigungsprozesse im Bereich von 7 Nanometern und darunter — Technologien, die zuletzt 77 Prozent des gesamten Wafer-Umsatzes ausmachten. Für Bestellungen, die über die ursprünglichen Kundenprognosen hinausgehen, ist Berichten zufolge sogar ein zusätzlicher Aufschlag von 10 bis 15 Prozent im Gespräch. Eine offizielle Bestätigung von TSMC selbst steht bislang aus.
Als Vorbild dienen offenbar die Speicherchip-Hersteller Samsung, SK Hynix und Micron, die ihre Preise bereits im ersten Quartal 2026 um bis zu 90 Prozent angehoben und damit ihre Margen teils verdoppelt hatten. TSMC steht bereits jetzt glänzend da: Im zweiten Quartal 2026 lag die Bruttomarge bei 67,7 Prozent, der Nettogewinn stieg im Jahresvergleich um 77,4 Prozent auf 706,56 Milliarden Taiwan-Dollar. Für das laufende Quartal peilt das Management trotz milliardenschwerer Investitionen weiterhin eine Marge zwischen 65 und 67 Prozent an.
Diese Investitionen liefern zugleich die offizielle Begründung für höhere Preise. Erst kürzlich kündigte TSMC eine weitere Investition von 100 Milliarden Dollar in Arizona an — die Gesamtzusagen dort summieren sich damit auf 265 Milliarden Dollar. Parallel wächst die Fertigung der modernsten 2-Nanometer- und A16-Prozesse nach Unternehmensangaben bis 2028 mit einer jährlichen Rate von rund 70 Prozent.
Kunden dürften die Rechnung zahlen
Apple, Nvidia, AMD und Qualcomm zählen zu den größten Abnehmern der fortschrittlichen TSMC-Prozesse. Sie dürften höhere Wafer-Preise zumindest teilweise an ihre eigenen Kunden weiterreichen — ein Muster, das sich bereits bei der jüngsten Speicherchip-Verteuerung zeigte, als Apple-Chef Tim Cook die Preissprünge als „untragbare Situation“ bezeichnete.
An der Börse zeigen sich Analysten von der Kombination aus hohen Ausgaben und Preissetzungsmacht überzeugt. Die UBS hob ihr Kursziel für die Aktie am Taiwaner Heimatmarkt bereits Mitte Juni von 3.000 auf 3.400 Taiwan-Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung mit Verweis auf die KI-Nachfrage. Susquehanna-Analyst Mehdi Hosseini bekräftigte seine positive Einschätzung für den US-Hinterlegungsschein erst am 17. Juli und erhöhte sein Kursziel leicht auf 600 US-Dollar.
Ob sich das Preismuster aus der Speicherchip-Krise nun bei Prozessorchips wiederholt, dürfte sich in den kommenden Produktzyklen von Smartphones und KI-Beschleunigern zeigen. Die Bewertung der Aktie preist nach der langen Rally bereits hohe Erwartungen ein — und TSMC bleibt stark von wenigen Großkunden aus dem KI-Geschäft abhängig.
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