Der weltgrößte Halbleiter-Auftragsfertiger TSMC fasst einen weiteren massiven Ausbau seiner Fertigungskapazitäten in den Vereinigten Staaten ins Auge.

Wie die taiwanesische Wirtschaftszeitung Economic Daily News heute berichtet, prüft der Konzern Dallas im Bundesstaat Texas als Standort für einen zweiten US-Campus. Sollte das Vorhaben umgesetzt werden, könnte das finanzielle Volumen die für den Standort Arizona eingeplanten 265 Milliarden US-Dollar übertreffen.

Halbleiterkorridor im Süden der USA

Die Pläne sehen Medienberichten zufolge den möglichen Bau von bis zu sechs fortschrittlichen Waferfabriken in Texas vor. Zusammen mit den bestehenden Projekten in Phoenix könnte so ein südlicher Halbleiter-Korridor entstehen. Ein Werk in Texas soll potenziell noch modernere Fertigungsprozesse nutzen als die Anlagen in Arizona, um die technologische Spitzenposition auszubauen.

Für diesen Schritt sprechen gewichtige geschäftliche Gründe. US-amerikanische Kunden zeichneten im ersten Halbjahr 2026 für rund 75,64 Prozent des gesamten TSMC-Umsatzes verantwortlich. Neben der rasant steigenden Nachfrage nach Hochleistungs- und KI-Halbleitern wächst auch der politische Druck zur Lokalisierung der Lieferketten. Zudem stehen Warnungen vor US-Zöllen von bis zu 200 Prozent auf Chipimporte im Raum.

Strategische Diversifizierung und Ressourcenfragen

Der Aufbau eines zweiten Standorts würde TSMC helfen, geopolitische Risiken wirksam abzufedern. Auf der taiwanesischen Heimatinsel stößt die Halbleiterindustrie zunehmend an physikalische Grenzen bei Grundstücken, Netzkapazitäten und der Wasserversorgung. Eine Erweiterung in Texas, wo bereits Branchengrößen wie Texas Instruments, Samsung und Tesla aktiv sind, bietet zudem Anschluss an ein bestehendes industrielles Netzwerk.

Bislang handelt es sich bei den Überlegungen allerdings um ein ungelegtes Ei, da die Pläne offiziell nicht bestätigt sind. Eine Genehmigung durch das TSMC-Board steht noch aus, und die Zulieferer wurden bisher nicht zur Vorbereitung aufgefordert. Marktbeobachter richten ihre Aufmerksamkeit daher auf die anstehende Investorenkonferenz am 15. Oktober 2026, auf der TSMC voraussichtlich neue Details zu seinen Investitionsplänen darlegen wird.

Aktie behauptet sich nahe Rekordniveau

Am Markt zeigen sich die Anleger von der anhaltenden Wachstumsdynamik überzeugt. Die TSMC-Aktie notiert bei 398,50 Euro. Damit trennt das Papier lediglich ein Abstand von 5,2 Prozent von seinem 52-Wochen-Hoch bei 420,50 Euro.