Sechster Rekordgewinn in Folge, und trotzdem greifen Anleger zum Verkaufsknopf. Bei TSMC zeigt sich, wie hoch die Messlatte inzwischen liegt: Gute Zahlen genügen nicht mehr, wenn der Markt Perfektion einpreist.
Zahlen über den Erwartungen
Der Nettogewinn des weltgrößten Chip-Auftragsfertigers stieg im dritten Quartal um knapp 69 Prozent auf 763 Milliarden Taiwan-Dollar. Der Umsatz legte gegenüber dem Vorquartal um 16,2 Prozent auf 46,7 Milliarden Dollar zu. Beim Gewinn je ADR-Anteil standen 4,60 Dollar zu Buche, erwartet worden waren 4,42 Dollar.
Das Management beschrieb die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage bei KI-Chips weiterhin als „ziemlich groß“. An der Nachfrage zweifelt also kaum jemand.
Die Aktie gab dennoch nach. Im deutschen Handel verlor sie zeitweise rund 3 Prozent. Der US-Titel fiel am Donnerstag zeitweise um etwa 2,9 Prozent auf rund 418 Dollar, in der Woche steht ein Minus von knapp 9 Prozent.
Marge und Investitionen drücken die Stimmung
Der wunde Punkt ist die Profitabilität. Die Bruttomarge sank im dritten Quartal auf 66,4 Prozent, nach 67,7 Prozent im Vorquartal. Das Management erwartet für das Schlussquartal weiteren Druck, etwa durch den Anlauf der 2-Nanometer-Fertigung und die Auslandswerke.
Hinzu kommen die Ausgaben. Im Juli hob TSMC die Investitionen für 2026 auf 60 bis 64 Milliarden Dollar an und stockte zugleich das US-Engagement auf. Die Aktie reagierte damals mit einem Minus von rund 5 Prozent. In den kommenden drei Jahren sollen die Investitionen die der vergangenen drei „deutlich übersteigen“.
Marktbeobachter lesen darin eher eine Belastung des freien Cashflows als Kapazitätsvertrauen. Beide jüngsten Zahlenvorlagen mit Übertreffen der Erwartungen endeten mit Kursverlusten.
Bewertung lässt wenig Spielraum
Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 steckt viel Zuversicht im Kurs. Das Aufwärtspotenzial zum geschätzten fairen Wert beträgt laut Datenanbieter nur 3,5 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 487,47 Dollar ist die Aktie rund 14 Prozent entfernt.
Die Gewinnschätzungen steigen weiter, aber langsamer. Als Konsens gelten für das laufende Jahr 16,99 Dollar je ADR und für 2027 etwa 22,50 Dollar.
Der nächste Test steht mit den Zahlen zum vierten Quartal an, wahrscheinlich Mitte Januar 2027, ein Termin ist noch nicht bestätigt. Erwartet werden 4,87 Dollar je ADR bei 49,93 Milliarden Dollar Umsatz. Entscheidend wird, ob die Bruttomarge den angekündigten Druck übersteht und ob konkrete Investitionszahlen für 2027 die Cashflow-Sorgen entschärfen.
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