Selten klaffen Fakten und Stimmung so weit auseinander wie in dieser Woche bei TSMC. Der Chip-Auftragsfertiger liefert das fünfte Rekordquartal in Folge – und trotzdem rutschten Halbleiterwerte an asiatischen Börsen kräftig ab. Ein Widerspruch, der zeigt, wie nervös der Markt inzwischen auf die KI-Rally reagiert.
Die Zahlen selbst lassen wenig Raum für Kritik. Der Gewinn kletterte im zweiten Quartal um 77,4 Prozent auf 706,6 Milliarden Taiwan-Dollar, deutlich über den von Analysten erwarteten 632,6 Milliarden. Auch bei der Bruttomarge lag TSMC mit 67,7 Prozent über der Prognose von 67,1 Prozent.
Im Vergleich zum Vorquartal legte der Überschuss noch einmal um 23,4 Prozent zu – das fünfte Gewinnrekord-Quartal in Serie. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 36 Prozent auf 1,27 Billionen Taiwan-Dollar, nach 933,79 Milliarden Taiwan-Dollar im Vorjahreszeitraum.
Der Treiber bleibt unverändert: Chips auf Basis von 7-Nanometer-Strukturen und darunter machten 77 Prozent des gesamten Wafer-Umsatzes aus. TSMC fertigt für Nvidia, Apple und Broadcom – allesamt Profiteure der anhaltenden KI-Nachfrage.
Bewertung trotz Zahlen unter Druck
An der Börse hat sich das in den vergangenen zwölf Monaten längst niedergeschlagen. Nach einer Kursrally von fast 120 Prozent ist TSMC mit einem Marktwert von knapp zwei Billionen Dollar der erste nicht-amerikanische Konzern unter den sechs wertvollsten Unternehmen weltweit – hinter Nvidia, Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon.
Ausgerechnet an dem Tag, an dem diese Rekordzahlen die Runde machten, gerieten Chipwerte in Asien massiv unter Verkaufsdruck. Der Grund liegt weniger bei TSMC selbst als bei der grundsätzlichen Frage, ob die KI-getriebene Bewertungsrally noch tragfähig ist. US-Hyperscaler sollen ihre KI-Ausgaben bis 2027 auf rund eine Billion Dollar hochfahren – eine Zahl, die Anleger einerseits begeistert, andererseits an Blasenbildung erinnert.
Für TSMC bedeutet das: Operativ läuft es so gut wie nie zuvor, die Bewertung am Markt bleibt trotzdem Verhandlungssache. Die Nachfrage nach modernster Fertigungstechnologie treibt die Geschäftszahlen – ob sie auch den Aktienkurs weiter trägt, hängt zunehmend davon ab, wie lange Anleger dem KI-Boom insgesamt vertrauen.
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