TSMC, Goldman Sachs & Bitcoin: Wenn Rekordgewinne die Zweifel nicht vertreiben können

Starke Quartalszahlen von TSMC und Goldman Sachs werden von Warnungen vor steigenden Kosten und rückläufigen Erträgen überschattet, während die Bitcoin-Regulierung in den USA scheitert.

TSMC, Goldman Sachs & Bitcoin: Wenn Rekordgewinne die Zweifel nicht vertreiben können
Kurz & knapp:
  • TSMC meldet Rekordgewinn, warnt aber vor Investitionskosten
  • Goldman Sachs profitiert von Sondereffekt im Apple-Geschäft
  • US-Kryptoregulierung nach Coinbase-Widerstand gescheitert
  • Deutsche Wirtschaft wächst moderat, Börse reagiert verhalten

Liebe Leserinnen und Leser,

4,4 Milliarden Dollar Quartalsgewinn – und die Aktie fällt. 16 Milliarden Dollar Rekordüberschuss bei TSMC – und Analysten warnen vor steigenden Kosten. Bitcoin klettert über 96.000 Dollar – während ein US-Krypto-Gesetz im letzten Moment scheitert. Willkommen an einem Handelstag, der einmal mehr zeigt: An den Märkten zählt längst nicht mehr, was Unternehmen verdienen, sondern was sie als Nächstes kosten. Heute blicken wir auf drei scheinbar triumphale Meldungen, die bei genauerem Hinsehen mehr Fragen aufwerfen als beantworten.

Taiwans Chipriese liefert Rekorde – und eine Kostenwarnung

Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) hat gestern nach Börsenschluss Zahlen vorgelegt, die selbst optimistische Schätzungen übertrafen: Der Nettogewinn im vierten Quartal sprang um 35 Prozent auf umgerechnet 16 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz kletterte um 25,5 Prozent auf 33,73 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge lag bei starken 62,3 Prozent. Und für das erste Quartal 2026 stellt der weltgrößte Auftragsfertiger für Chips ein Umsatzwachstum von bis zu 40 Prozent in Aussicht – getrieben von der ungebrochenen Nachfrage nach KI-Prozessoren für Nvidia, Apple und andere Tech-Giganten.

Die Reaktion? TSMC-Aktien schossen in den USA vorbörslich um über 6 Prozent nach oben und zogen die gesamte Halbleiterbranche mit. ASML gewann in Amsterdam zeitweise 7 Prozent, Infineon legte zu, und selbst kleinere deutsche Zulieferer wie Aixtron und Süss Microtec sprangen um bis zu 11 Prozent. Der Nasdaq 100 wurde vorbörslich ein Prozent höher taxiert – ein klares Zeichen dafür, dass die Märkte den taiwanischen Chipgiganten als Frühindikator für die gesamte Tech-Rallye betrachten.

Doch unter der glänzenden Oberfläche lauert Unbehagen. TSMC kündigte an, die Investitionsausgaben 2026 auf bis zu 56 Milliarden Dollar hochzufahren – deutlich mehr als die 40,9 Milliarden im Vorjahr. CEO C.C. Wei warnte vor „signifikant höheren“ Kapitalkosten in den kommenden Jahren, vor allem durch den Aufbau neuer Produktionsstätten in den USA und Europa. CFO Wendell Huang räumte ein, dass die Margen mittelfristig unter Druck geraten könnten. Mit anderen Worten: TSMC muss immer mehr Geld in die Hand nehmen, um die Nachfrage zu bedienen – und das in einem geopolitischen Umfeld, in dem Washington den Konzern zunehmend drängt, Kapazitäten aus Taiwan zu verlagern. Für deutsche Anleger bedeutet das: Die Zulieferer profitieren kurzfristig von steigenden Auftragseingängen, doch die Frage, ob sich die Margendynamik auch bei ihnen verschlechtert, bleibt offen.

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Goldman Sachs: Rekordquartal im Aktienhandel – dank Apple-Abschied

Goldman Sachs meldete für das vierte Quartal einen Nettogewinn von 4,4 Milliarden Dollar, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Der Aktienhandel boomte: Mit 4,3 Milliarden Dollar Einnahmen stellte die Wall-Street-Bank einen neuen Rekord auf – mehr als jede andere US-Bank jemals in einem Quartal verdient hat. Auch das Investmentbanking legte um ein Viertel zu, getrieben von Börsengängen und Finanzierungsberatung. Im Gesamtjahr 2025 sprang der Überschuss um mehr als ein Fünftel auf 16,3 Milliarden Dollar.

Der Haken? Ein großer Teil des Quartalsgewinns stammt aus einer Sonderentlastung: Goldman löste Rückstellungen von fast 2,1 Milliarden Dollar auf, nachdem das Geschäft mit der Apple Card an JPMorgan abgegeben wurde. Für Goldman endet damit ein teurer Ausflug ins Massengeschäft mit Privatkunden – ein Experiment, das sich nie gerechnet hat. JPMorgan musste im Gegenzug die Risikovorsorge aufstocken und meldete zuletzt einen Gewinnrückgang. Die Erträge von Goldman gingen im Quartal sogar zurück, was vor allem der Abgabe des Kreditkartengeschäfts geschuldet war.

An der Börse kam das nicht gut an: Die Aktie verlor vorbörslich zeitweise fast 2 Prozent. Anleger hatten die Entlastung bei den Rückstellungen bereits vergangene Woche eingepreist und reagierten enttäuscht auf die rückläufigen Erträge. Die Dividende wurde zwar um 50 Cent auf 4,50 Dollar je Aktie erhöht, doch das reichte nicht, um die Stimmung zu drehen. Für deutsche Beobachter zeigt sich hier ein Muster, das auch hierzulande bekannt ist: Wenn Banken ihre Bilanzen durch Sondereffekte aufhübschen, honoriert der Markt das nur, wenn das operative Geschäft überzeugt. Und genau daran hapert es.

Krypto-Gesetz gescheitert – Coinbase zieht Unterstützung zurück

Bitcoin handelt aktuell knapp unter 97.000 Dollar, nachdem die Kryptowährung in den vergangenen Tagen stetig zugelegt hatte. Ethereum kletterte ebenfalls um fast 2 Prozent auf über 3.350 Dollar. Doch hinter den freundlichen Kursen verbirgt sich politisches Chaos: Der US-Senat hat die für heute geplante Debatte über ein wegweisendes Krypto-Regulierungsgesetz kurzfristig verschoben – nachdem Coinbase-CEO Brian Armstrong öffentlich erklärt hatte, sein Unternehmen könne das Gesetz nicht unterstützen.

Das sogenannte „Clarity Act“ sollte endlich klären, wann Krypto-Token als Wertpapiere, Rohstoffe oder andere Anlageklassen gelten – und welche Behörde zuständig ist. Coinbase hatte jahrelang für genau diese Regulierung lobbyiert und Millionen in politische Kampagnen gesteckt. Doch Armstrong kritisierte nun, das Gesetz würde die Autorität der bei der Krypto-Industrie beliebten Commodity Futures Trading Commission schwächen und Stablecoin-Anbieter daran hindern, Zinsen auf Kundeneinlagen zu zahlen. Sein Fazit: „Wir hätten lieber kein Gesetz als ein schlechtes Gesetz.“

Banken sehen das anders. Sie warnen, dass die im Gesetz vorgesehenen Ausnahmen für Stablecoin-Zinsen zu einer Flucht von Einlagen aus dem Bankensystem führen könnten – mit potenziell destabilisierenden Folgen für die Finanzstabilität. Für deutsche Anleger, die auf eine klare regulatorische Grundlage für Krypto-Investments gehofft hatten, ist das ein Rückschlag. Solange die USA keine Linie finden, bleibt auch in Europa die Unsicherheit groß. Bitcoin mag kurzfristig von der Hoffnung auf weniger Regulierung profitieren, doch ohne institutionelle Klarheit bleibt der Markt anfällig für abrupte Stimmungswechsel.

Deutschland wächst wieder – aber kaum jemand jubelt

Die deutsche Wirtschaft ist 2025 nach zwei Rezessionsjahren um 0,2 Prozent gewachsen – ein Tick besser als erwartet. Das Schlussquartal fiel sogar etwas kräftiger aus, was die Ausgangsbasis für 2026 verbessert. Doch Volkswirte bleiben vorsichtig optimistisch: Die Gesamtnachfrage wurde in den vergangenen drei Jahren vor allem durch staatlichen Konsum gestützt, während die Investitionen zurückgingen. Das ist kein zukunftsträchtiger Mix, wie LBBW-Ökonom Jens Oliver Niklasch anmerkt.

Immerhin: Für 2026 erwarten Analysten wie Marc Schattenberg von der Deutschen Bank ein Wachstum von 1,5 Prozent, primär getrieben durch die nun deutlich expansive Fiskalpolitik der neuen Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz. Die Einigung über neue Gaskraftwerke mit der EU-Kommission zeigt, dass Berlin bereit ist, Milliarden in die Energieinfrastruktur zu pumpen. Bis 2030 sollen 12 Gigawatt neue steuerbare Kapazität ausgeschrieben werden – ein Signal, dass die Versorgungssicherheit ernst genommen wird.

Doch die Börse reagiert verhalten. Der DAX schloss gestern nur 0,3 Prozent höher bei 25.352 Punkten, nachdem er tagsüber kaum vom Fleck kam. Weder die Konjunkturdaten noch die starken Quartalszahlen der US-Banken hinterließen Spuren. Europas Aktienmärkte zeigten sich robuster, getrieben von den TSMC-Nachrichten. Für deutsche Anleger bleibt die Frage: Reicht moderates Wachstum, um die DAX-Bewertungen zu rechtfertigen – oder braucht es mehr als Fiskalpakete, um die Investitionsschwäche zu überwinden?

Was jetzt zählt

Die Märkte befinden sich in einer Phase, in der gute Nachrichten nicht mehr automatisch gut sind. TSMC liefert Rekorde, warnt aber vor steigenden Kosten. Goldman Sachs glänzt im Handel, doch die Erträge schrumpfen. Bitcoin steigt, während die regulatorische Unsicherheit zunimmt. Und Deutschland wächst wieder, doch niemand traut dem Aufschwung so recht über den Weg.

Morgen rücken die US-Industrieproduktion und weitere Fed-Reden in den Fokus. Am Montag beginnen die Tarifverhandlungen für Lufthansa-Bodenpersonal – ein Test dafür, wie angespannt die Lage in der deutschen Wirtschaft wirklich ist. Und spätestens Anfang Februar, wenn Alphabet und andere Tech-Riesen ihre Zahlen vorlegen, wird sich zeigen, ob die KI-Euphorie die nächste Runde überlebt.

Bis dahin gilt: Wer auf Rekordgewinne setzt, sollte die Fußnoten lesen.

Beste Grüße und ein wachsames Auge auf die Details
Andreas Sommer

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