TSMC-Rekord, Eli Lilly und der DAX im Wartemodus

TSMC verzeichnet einen KI-getriebenen Gewinnsprung, während Eli Lilly mit Diabetes-Studiendaten überzeugt. Lufthansa schließt Cityline, und die EU genehmigt einen deutschen Industriestrompreis.

TSMC-Rekord, Eli Lilly und der DAX im Wartemodus
Kurz & knapp:
  • TSMC mit 58 Prozent Gewinnplus durch KI-Chipnachfrage
  • Eli Lillys Diabetes-Medikament senkt Sterberisiko deutlich
  • Lufthansa stellt Regionaltochter Cityline komplett ein
  • EU-Kommission erlaubt subventionierten Industriestrompreis

Liebe Leserinnen und Leser,

57 Prozent niedrigeres Sterberisiko gegenüber Insulin – eine einzige Zahl aus einer Pharmaklinischen Studie hat heute die Fantasie der Anleger beflügelt und zeigt, wie sehr die Märkte auf handfeste Nachrichten warten. Während der DAX geduldig auf seine alten Rekordstände schielt und noch fast 1.500 Punkte hinter dem Januar-Hoch zurückliegt, schreiben andere Märkte bereits neue Geschichte: Tokio, New York, Taiwan. Heute dreht sich vieles um die Frage, was Wachstum gerade antreibt – und wer davon profitiert. Dazu: Lufthansa im Krisenmodus, ein Industriestrompreis, der endlich Konturen annimmt, und ein Bitcoin, der sich an der 74.000-Dollar-Marke festbeißt.

TSMC liefert – und erklärt den KI-Boom in Zahlen

Wer verstehen will, warum die Tech-Rallye an den US-Märkten so hartnäckig ist, findet in Taiwans Chipschmiede TSMC heute eine eindrucksvolle Erklärung. Der weltgrößte Auftragschiphersteller meldete für das erste Quartal einen Gewinnsprung von 58 Prozent auf umgerechnet rund 15,4 Milliarden Euro. Analysten hatten weniger erwartet. Der Umsatz kletterte um 35 Prozent.

Hinter diesen Zahlen steckt ein einziger Treiber: Künstliche Intelligenz. TSMC fertigt Chips für Nvidia, Apple und – seit Kurzem auch – für Teslas neuen AI5-Chip, der gestern das sogenannte Tape-out erreichte und damit in die Produktionsphase eintritt. Die Botschaft ist klar: Wer an der KI-Infrastruktur hängt, wächst gerade schneller als der Rest der Welt.

Für deutsche Anleger ist das relevant, weil die TSMC-Zahlen auch Aixtron betreffen – der Herzogenrather Chipausrüster hatte gestern mit einer Prognoseanhebung für Euphorie gesorgt, heute folgte nach einer Wandelanleihe über 450 Millionen Euro die Ernüchterung: minus 3,4 Prozent. Das ist kein Kurswechsel, sondern klassische Konsolidierung nach einem 20-Prozent-Sprung.

Eli Lilly: Die Pille, die Insulin ablösen könnte

Eigentlich ist Foundayo bereits als Abnehmmittel zugelassen. Doch die heute veröffentlichten Phase-3-Daten aus der ACHIEVE-4-Studie zeigen, dass das Potenzial des oralen GLP-1-Agonisten weit darüber hinausgeht. In der Studie mit über 2.700 Teilnehmern war das Sterberisiko durch alle Ursachen um 57 Prozent niedriger als bei Patienten, die Insulin Glargin erhielten. Gleichzeitig verloren die Foundayo-Patienten im Schnitt 8,1 Kilogramm, während die Vergleichsgruppe 1,4 Kilogramm zunahm.

Lilly will die FDA-Zulassung für Typ-2-Diabetes noch vor Ende des zweiten Quartals beantragen – ein Jahr früher als bislang erwartet. Analysten von Leerink Partners und BMO Capital bestätigen ihre Kaufempfehlungen. Die Aktie notiert trotz dieser Nachrichten noch rund 16 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau – ein Paradox, das zeigt, wie sehr der Iran-Krieg und die allgemeine Marktverunsicherung selbst starke Pharmatitel belasten.

Lufthansa: Wenn Streik und Ölpreis gemeinsam zuschlagen

Wer in dieser Woche einen Flug mit Lufthansa gebucht hatte, kennt das Bild: Hunderte Ausfälle, Chaos in München, die vierte Streikwelle in Folge. Heute eskalierte der Konzern die Lage auf eine neue Ebene. Die Regionaltochter Cityline wird ab Samstag vollständig eingestellt – 27 ältere Canadair-Jets bleiben am Boden, dauerhaft. Dazu kommen sechs Langstreckenjets, die Ende Oktober ausgemustert werden.

Der Hintergrund ist doppelt schmerzhaft: Kerosinpreise, die seit Kriegsbeginn um mehr als 35 Prozent gestiegen sind, und Streikkosten, die die ohnehin defizitäre Cityline endgültig unwirtschaftlich machen. Finanzvorstand Till Streichert nennt die Maßnahmen „unumgänglich“ – es seien ohnehin geplante Einschnitte, die nun früher umgesetzt würden. Die Gewerkschaft Ufo sieht darin eine Bestrafungsaktion. Die Aktie verlor heute rund 3,4 Prozent.

Bemerkenswert: Während Lufthansa kämpft, meldete der Billigflieger EasyJet ebenfalls Probleme – schwächere Buchungen, höhere Kerosinkosten, ein erwarteter Vorsteuerverlust im ersten Halbjahr, der 40 Prozent über dem Vorjahr liegen soll. Der Iran-Krieg trifft die Luftfahrt strukturell, nicht nur einzelne Unternehmen.

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Industriestrompreis: Grünes Licht aus Brüssel

Eine Nachricht, die für die deutsche Industrie mehr Gewicht hat als mancher Quartalsbericht: Die EU-Kommission erlaubt der Bundesregierung, energieintensive Unternehmen mit einem subventionierten Strompreis von fünf Cent pro Kilowattstunde zu fördern – Gesamtvolumen bis zu 3,8 Milliarden Euro. Rund 9.500 Unternehmen aus Chemie, Glas, Zement und Halbleiterfertigung könnten profitieren.

Das klingt nach Durchbruch. Die Reaktionen sind jedoch gemischt. Der Verband der Chemischen Industrie rechnet vor, dass die Entlastung bei den meisten Unternehmen unter zehn Prozent der Strombezugskosten liegen wird – zu viele Auflagen, zu viele Einschränkungen. Für Anleger in Industriewerten bedeutet das: Die Maßnahme stützt die Stimmung, löst aber keine strukturellen Wettbewerbsprobleme auf einen Schlag. Unternehmen können die Beihilfen erstmals Anfang 2027 rückwirkend für 2026 beantragen.

SAP und die Macht der Zertifizierung

Während Technologietitel in New York feiern, hat SAP heute einen weniger spektakulären, aber strategisch wichtigen Schritt kommuniziert: Die eigenen Rechenzentren in Walldorf und St. Leon-Rot haben die IT-Grundschutz-Zertifizierung des BSI erhalten. Das klingt nach Bürokratie – ist aber für öffentliche Auftraggeber und regulierte Branchen ein echter Türöffner.

In einem Markt, in dem digitale Souveränität zunehmend zum Kaufargument wird, verschafft SAP sich damit einen Vorteil gegenüber internationalen Hyperscalern. Barclays bestätigt „Overweight“ mit Kursziel 220 Euro, Jefferies bleibt bei „Buy“. Die SAP-Aktie legte heute um 3,5 Prozent zu und gehörte damit zu den stärksten DAX-Titeln – auch getragen von der allgemeinen Erholung im Software-Sektor in New York.

Bitcoin: Ruhig, aber nicht schläfrig

Krypto-Anleger erleben dieser Tage eine ungewöhnliche Ruhe. Bitcoin notiert aktuell bei rund 74.400 Dollar – kaum bewegt, aber stabil über der psychologisch wichtigen 70.000-Dollar-Marke. Zum Vergleich: Noch vor wenigen Wochen galt diese Zone als hart umkämpft.

Was auffällt: Während Aktienmärkte von Friedenshoffnungen im Nahen Osten angetrieben werden und Öl leicht anzieht, zeigt Bitcoin keine ausgeprägte Korrelation in eine Richtung. Das könnte ein Zeichen sein, dass der Markt gerade in einem Gleichgewicht wartet – auf den nächsten klaren Impuls. Bybit meldet unterdessen, dass seine Krypto-Debitkarte inzwischen drei Millionen Nutzer erreicht hat. Das ist kein Kurskatalysator, aber ein Indikator dafür, dass Krypto im Alltag langsam ankommt.

Was morgen zählt

Die Berichtssaison nimmt Fahrt auf. Airbus legt morgen seine Q1-Zahlen vor – der Markt erwartet schwache Margen und niedrigen freien Cashflow, RBC sieht das als bereits eingepreist. Spannender wird, ob Lufthansa weitere Ankündigungen macht und wie die Gewerkschaften auf die Cityline-Schließung reagieren. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat für morgen weitere Streiks angekündigt.

Geopolitisch bleibt der Iran-Konflikt das Gravitationszentrum. Pakistan bestätigte heute, die Gesprächskanäle offenzuhalten – ein neuer Verhandlungstermin soll erst nach Rückkehr des pakistanischen Premierministers am Samstag festgelegt werden. Solange hier keine konkreten Fortschritte kommen, bleibt der Optimismus an den Märkten das, was Sentiment-Analyst Joachim Goldberg heute treffend nannte: Zweckoptimismus.

Bis morgen,
Andreas Sommer

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