Höhere Inflationserwartungen, steigende Energiepreise, ein schwieriges Chartbild — TUI trifft gerade alles auf einmal. Die Aktie fiel am Dienstag auf ein neues Sechs-Monats-Tief und notiert mit 6,31 Euro inzwischen fast 30 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau.

Inflationsschock trifft zyklischen Wert hart

Hauptauslöser des heutigen Rücksetzers waren neue Daten zu den europäischen Inflationserwartungen. Die einjährigen Preiserwartungen der Verbraucher in der Eurozone kletterten überraschend auf 4,0 Prozent — Experten hatten lediglich 2,8 Prozent erwartet.

Für einen Reiseveranstalter wie TUI ist das ein direkter Treffer. Steigen die Preiserwartungen, schränken Haushalte erfahrungsgemäß zuerst bei nicht-essenziellen Ausgaben ein — Urlaubsreisen gehören klassischerweise dazu. Als zyklischer Wert reagiert TUI auf solche Makrodaten besonders empfindlich.

Geopolitik treibt Treibstoffkosten

Hinzu kommt der Druck von der Kostenseite. Die anhaltenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben die Energiepreise zuletzt angetrieben. Da Treibstoff einen der größten Ausgabenposten im Flug- und Kreuzfahrtbetrieb darstellt, wächst die Sorge vor schrumpfenden Margen.

Marktbeobachter verweisen darauf, dass eine mögliche Blockade der Straße von Hormus die Treibstoffpreise strukturell hochhalten könnte. Während andere Marktsegmente sich zuletzt teilweise erholten, blieb TUI deutlich zurück.

Charttechnik signalisiert weiteres Abwärtspotenzial

Das technische Bild hat sich in den vergangenen Tagen erheblich eingetrübt. TUI notiert rund 21 Prozent unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts von 7,97 Euro, der RSI liegt bei 22 — ein Niveau, das auf stark überverkaufte Bedingungen hindeutet, ohne dass daraus automatisch eine Trendwende folgt.

Analysten sehen die nächste nennenswerte Unterstützung bei 6,10 Euro. Fällt auch diese Zone, rückt die psychologisch wichtige Marke von 5,80 Euro ins Blickfeld — nur knapp unterhalb des 52-Wochen-Tiefs bei 6,15 Euro.

Am 13. Mai 2026 legt TUI den Halbjahresbericht vor. Dann wird sich zeigen, ob das Management trotz gestiegener Kosten an seinen operativen Zielen festhält — und ob die Buchungslage für den Sommer die Sorgen des Marktes entkräften kann.