Monatelang saßen zwei Kreuzfahrtschiffe von TUI im Persischen Golf fest. Mitte April nutzten die „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ ein kurzes Zeitfenster zur Ausfahrt durch die Straße von Hormuz. Den Weg ins Mittelmeer nehmen sie nun um das südliche Afrika herum. Die Evakuierung und Umleitung hinterlassen tiefe Spuren in der Bilanz des Reisekonzerns.
Teure Umwege belasten das Ergebnis
Rund 5.000 Passagiere musste das Unternehmen kurzfristig ausfliegen. Die logistische Notbremse kostete TUI etwa 40 Millionen Euro. Infolgedessen passte der Vorstand seine Jahresziele nach unten an. Das bereinigte operative Ergebnis für 2026 taxiert das Management nun auf 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro.
Ursprünglich war ein spürbares Wachstum gegenüber dem Vorjahr geplant. Jetzt droht der Gewinn erstmals unter den alten Vergleichswert zu rutschen. Die Umsatzprognose setzte der Konzern vorläufig komplett aus. Laut Analysten der Investmentbank Bernstein resultiert die Warnung rein aus der Nachfrageseite. Energiekosten spielen dank hoher Absicherungsquoten für das laufende Jahr kaum eine Rolle.
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Orient-Saison gestrichen
Für den Winter zieht TUI Cruises einen harten Schlussstrich. Das Unternehmen sagt die komplette Orient-Saison 2026/2027 ab. Die Schiffe weichen auf Routen in Europa, den Kanaren und dem Nordland aus. Davon ist auch der Neuzugang „Mein Schiff Flow“ betroffen, dessen Fahrplan ab Oktober umgeschrieben wird.
Trotz des geopolitischen Gegenwinds signalisieren Ratingagenturen Zuversicht. S&P Global Ratings hob den Ausblick für TUI Cruises kürzlich auf „positiv“ an. Die Bonitätswächter kalkulieren im laufenden Jahr mit einem operativen Ergebnis von rund einer Milliarde Euro. Hauptgrund für den Optimismus ist die für Juni erwartete Auslieferung der „Mein Schiff Flow“, die das Kapazitätswachstum anschieben soll.
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Aktie im überverkauften Bereich
An der Börse spiegelt sich die operative Zuversicht noch nicht wider. Die TUI-Aktie notiert aktuell bei 6,73 Euro und hat seit Jahresanfang fast ein Viertel ihres Wertes verloren. Mit einem RSI-Wert von 29 gilt das Papier technisch als überverkauft. Kunden agieren derweil zögerlich und meiden Ziele im östlichen Mittelmeer wie die Türkei oder Ägypten.
Analysten werten das aktuelle Kursniveau offenbar als Einstiegschance. JPMorgan und die Deutsche Bank raten weiterhin zum Kauf, auch wenn sie ihre Kursziele auf 12,50 Euro beziehungsweise 10,50 Euro senkten. Operativ erwartet TUI für das zweite Quartal eine leichte Verbesserung. Das bereinigte EBIT soll den Vorjahreswert um 5 bis 25 Millionen Euro übertreffen — die Millionenbelastung aus dem März ist darin bereits verarbeitet.
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