Der US-Fahrdienstvermittler Uber setzt trotz juristischer Rückschläge auf eine Ausweitung seines operativen Geschäfts. Auf einer Veranstaltung in Miami stellte das Unternehmen Neuerungen für Fahrer und Kuriere vor, während parallel das Liefergeschäft in den Vereinigten Staaten deutlich vergrößert wurde.

An den Finanzmärkten sorgte der Vorstoß zuletzt für verhaltene Reaktionen: Am Freitag ging das Papier mit einem Abschlag von 0,6 Prozent bei 61,38 Euro aus dem Handel.

Großoffensive bei Fahrern und Handelspartnern

Am Donnerstag präsentierte Vorstandschef Dara Khosrowshahi auf der Konferenz „Only on Uber 2026“ in Miami ein Maßnahmenpaket für die Plattform. Nach Unternehmensangaben handelt es sich um den bisher umfangreichsten Entwicklungsplan für Fahrer und Kuriere.

Im Mittelpunkt der Neuerungen stehen Anpassungen bei den Verdienstmöglichkeiten, zusätzliche Sicherheitsfunktionen sowie flexiblere Arbeitsmodelle. Uber versucht damit, die Bindung der Arbeitskräfte an die Plattform in einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld zu stärken.

Flankiert wird dieser Schritt durch einen Ausbau der Lieferkooperationen. Am Mittwoch gab Uber eine Vereinbarung mit Costco bekannt. Die Auslieferung von Waren des Handelskonzerns über die Sparte Uber Eats wurde von bislang 17 auf nunmehr 47 US-Bundesstaaten ausgeweitet. Damit stehen Verbrauchern fast 600 Costco-Standorte für unmittelbare sowie terminierte Lieferungen über die Anwendung zur Verfügung.

Der Schritt markiert einen Meilenstein für die Ambitionen des Konzerns im Segment der Lebensmittellieferungen außerhalb des klassischen Gastronomiebereichs.

Schiedsspruch und Klagerisiken belasten

Den operativen Fortschritten stehen jedoch erhebliche rechtliche Herausforderungen gegenüber. Ein Schiedsgericht sprach der Familie eines auf einer Autobahn getöteten Fahrgastes Schadensersatz in Höhe von 40 Millionen US-Dollar zu.

Das Schiedsgericht sah die Haftung für die Fahrlässigkeit des Fahrers bei Uber verortet – ungeachtet der Argumentation des Konzerns, dass Fahrer als selbstständige Unternehmer agieren. Diese Entscheidung berührt das Fundament des Geschäftsmodells, das auf der Einstufung von Fahrern als unabhängige Auftragnehmer beruht.

Zusätzlicher juristischer Druck droht im Herbst vor US-Gerichten. Am Bundesgericht im Northern District of California sind 4.588 Klagen wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe auf Fahrgäste gebündelt. Der nächste Gerichtstermin in diesem Verfahrenskomplex ist für den 7. Oktober angesetzt.

Vor diesem Hintergrund bleibt die Kursentwicklung gedämpft: Mit einem Abstand von 30 Prozent notiert die Aktie weiterhin deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Ob die Expansion im Handelsgeschäft die Risiken aus den Gerichtsverfahren dauerhaft überlagern kann, wird sich in den anstehenden Verfahren zeigen.