Kaum ist der Ausverkauf nach den Quartalszahlen verdaut, meldet Uber schon den nächsten Coup: Der Fahrdienst-Vermittler und sein Softwarepartner Wayve haben von den Londoner Verkehrsbehörden die erste Lizenz für Roboter-Taxifahrten in der britischen Hauptstadt erhalten. Zwischen einem enttäuschenden Ausblick und einem handfesten regulatorischen Erfolg liegt bei Uber derzeit nur wenig Zeit.

Solide Zahlen, schwacher Ausblick

Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 12 Prozent, der Nettogewinn stieg auf 2,39 Milliarden Dollar beziehungsweise 1,17 Dollar je Aktie – nach 1,35 Milliarden Dollar und 63 Cent im Vorjahresquartal. Die Mobility-Sparte brachte 7,36 Milliarden Dollar ein, das Liefergeschäft 5,25 Milliarden Dollar.

Bei den Bruttobuchungen lief es sogar noch besser als erwartet: Mobility-Buchungen legten um 22 Prozent auf 28,99 Milliarden Dollar zu, die Lieferbuchungen um 26 Prozent auf 27,46 Milliarden Dollar. In Summe übertrafen die 58 Milliarden Dollar Gesamtbuchungen die Analystenschätzung von 57,23 Milliarden Dollar deutlich.

Der Haken liegt im Ausblick. Für das dritte Quartal rechnet Uber im Mittel mit 59,25 Milliarden Dollar Buchungen – knapp unter der Konsensschätzung von 59,33 Milliarden Dollar. Die Gewinnprognose von 84 bis 88 Cent je Aktie verfehlt die erwarteten 89 Cent ebenfalls. Die Aktie reagierte am Mittwoch mit einem Kursrutsch von 5,3 Prozent, seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 12 Prozent zu Buche – während der Nasdaq im selben Zeitraum um 14 Prozent zulegte.

CEO Dara Khosrowshahi verwies auf die Fußball-Weltmeisterschaft als Sondereffekt: Mehr als 8 Millionen Touristen nutzten in den Gastgeberstädten in den USA, Kanada und Mexiko Uber-Fahrten. Zusätzlich baut das Unternehmen mit der für 14,8 Milliarden Dollar angekündigten Übernahme von Delivery Hero sein Liefergeschäft international aus.

Robotaxis als nächstes Schlachtfeld

Die Londoner Lizenz für Uber und Wayve markiert einen weiteren Schritt in der Strategie, sich als Plattform für Robotaxis verschiedener Anbieter zu positionieren – statt selbst Fahrzeugtechnik zu entwickeln. Zunächst sollen umgebaute Mustang-Elektroautos von Ford mit Sicherheitsfahrern unterwegs sein, bevor im Laufe des Sommers die ersten ausgewählten Fahrgäste einsteigen dürfen. Mehr als 100.000 Londoner haben bereits Interesse angemeldet.

Parallel dazu wächst der Wettbewerb: Auch Google-Schwester Waymo kündigte für dieses Jahr den Markteintritt in London an, ohne konkretes Datum zu nennen. Waymo ist mit fast 4.000 fahrerlosen Autos in 15 US-Städten bereits deutlich weiter und wickelt mehr als 500.000 bezahlte Fahrten pro Woche ab. Die Partnerschaft zwischen Uber und Waymo bekommt derweil Risse – in Atlanta und Austin soll die Exklusivvereinbarung bis Anfang 2028 auslaufen.

Uber selbst will laut eigenen Angaben in den kommenden Jahren mehr als 10 Milliarden Dollar in den Ausbau von autonomen Fahrten investieren und plant zusammen mit Nuro und Lucid rund 20.000 eigene Robotaxis auf die Straße zu bringen. Bislang bleibt der Anteil autonomer Fahrten mit unter 0,5 Prozent der wöchentlich 300 Millionen Fahrten auf der Plattform verschwindend gering.

Die entscheidende Bewährungsprobe folgt in den kommenden Wochen: Sobald die ersten Londoner Fahrgäste tatsächlich in die selbstfahrenden Mustangs steigen, zeigt sich, ob aus regulatorischem Erfolg auch operatives Wachstum wird.