Die UBS steht diese Woche gleich doppelt im Blickpunkt: Das Schweizer Parlament verhandelt über schärfere Kapitalanforderungen für die Grossbank, während am Mittwoch die Zahlen zum zweiten Quartal anstehen. Die Aktie schloss am Freitag bei 45,44 Euro und liegt damit 5,71 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 48,19 Euro – Anleger blicken derzeit auf zwei Fronten gleichzeitig.
Kapitalstreit im Parlament
Im Zentrum steht die Forderung der Schweizer Regierung nach einer vollständigen, hundertprozentigen Unterlegung der Auslandseinheiten der UBS mit hartem Kernkapital. Das würde die Bank Schätzungen zufolge rund 20 Milliarden US-Dollar an zusätzlichem CET1-Kapital kosten. Die zuständige Wirtschafts- und Abgabekommission des Parlaments prüft an Sitzungen am 10., 11. und 31. August eine Abschwächung dieser Vorgabe auf 70, 80 oder 50 Prozent. Je nach Ausgang würde sich der geforderte Kapitalpuffer auf 12 Milliarden US-Dollar bis hinunter auf null reduzieren.
Die Schweizerische Nationalbank warnt vor den Risiken einer Lockerung und plädiert für die volle Unterlegung. UBS selbst warnt umgekehrt vor Wettbewerbsnachteilen gegenüber ausländischen Konkurrenten sowie vor Einschränkungen bei Aktienrückkäufen und Bonuszahlungen, sollte die strengere Variante kommen. Als möglicher Kompromiss werden sogenannte AT1-Anleihen diskutiert, die einen Teil der geforderten Kapitaldecke abdecken könnten. Eine endgültige Entscheidung wird nicht vor Ende 2026 erwartet, konkret bis August soll die Kommission ihre Position festlegen.
Kompromiss um Steueransprüche und Software
Parallel zu dieser grundsätzlichen Debatte kursiert ein weiterer, kleinerer Baustein: Laut einem Reuters-Bericht erwägt die Schweizer Regierung, die Bewertung latenter Steueransprüche und von Software in der Kapitalrechnung anzupassen. Diese Änderung allein würde UBS rund 3 Milliarden US-Dollar der insgesamt geforderten 26 Milliarden US-Dollar an zusätzlichem Kapitalbedarf ersparen. Die Aktie reagierte auf die Berichterstattung mit Kursgewinnen. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich das Plus auf 5,45 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von 14,26 Prozent zu Buche.
Die Debatte bleibt damit ein Abwägen zwischen Finanzstabilität und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Instituts, das nach der Übernahme der Credit Suisse zur mit Abstand grössten Bank der Schweiz aufgestiegen ist. Eine Lockerung bei Steueransprüchen und Software könnte dabei als Präzedenzfall für weitere Zugeständnisse an anderer Stelle des Regelwerks dienen.
Ausblick: Quartalszahlen und Expansion in den USA
Am Mittwoch legt UBS ihre Zahlen zum zweiten Quartal vor. Analysten rechnen mit einem Umsatz von 13,41 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn je Aktie von 0,90 US-Dollar. Im ersten Quartal hatte die Bank bei gleichem EPS-Wert die Erwartungen um gut fünf Prozent übertroffen, während der Umsatz mit 13,66 Milliarden US-Dollar unter der Konsensschätzung blieb. Der faire Wert der Aktie wird von Analysten bei 48 Franken verortet.
Operativ treibt UBS zugleich ihre Expansion in den USA voran: Die Bank testet dort Bankprodukte für vermögende Kunden mit einem investierbaren Vermögen zwischen 2 und 10 Millionen US-Dollar und will darüber Einlagen von bis zu 150 Milliarden US-Dollar von Konkurrenten wie Morgan Stanley und Bank of America abwerben. In der Schweiz prüft das Institut zudem den Kryptohandel für Privatkunden. Die Integration der Credit Suisse läuft weiter, die Migration der Schweizer Kunden ist inzwischen abgeschlossen, der vollständige Abschluss des Zusammenschlusses wird bis Ende 2026 angestrebt.
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