Die Schweizer Politik sitzt bei den neuen Kapitalregeln für UBS zwischen zwei Stühlen. Fallen die Vorgaben zu streng aus, könnte die Großbank ins Ausland abwandern. Werden sie zu lasch, droht ein Referendum, das die Unsicherheit weiter verlängert.

Streit um die Eigenkapitalquote

Ab dem 26. Oktober berät eine Kommission des Nationalrats über die Regeln, die der Ständerat im vergangenen Monat verabschiedet hat. Der Ständerat verlangt, dass UBS ihre ausländischen Einheiten zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital (CET1) unterlegt. Aktuell gilt eine Quote von 60 Prozent, die teilweise mit günstigerem Kapital erfüllt werden darf. Der Bundesrat wollte sogar 100 Prozent.

UBS hält 90 Prozent für überzogen und sieht die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Die Bank betont zugleich, in der Schweiz bleiben zu wollen. Der Rückhalt für die strenge Linie fiel im Ständerat stärker aus als erwartet.

Im Nationalrat sind linke Parteien besser vertreten, Mitte und Mitte-Rechts sind gespalten oder tendieren zu einem härteren Kurs. FDP-Nationalrat Olivier Feller hält eine Einigung bei 90 Prozent für möglich. Sein Parteikollege Hans-Peter Portmann brachte 75 Prozent ins Spiel, kombiniert mit einem Mechanismus, der die Verlustabsorption bei sinkenden Kapitalquoten stärkt.

Referendum und Abwanderungsdruck

Jede Abschwächung dürfte schwierig werden. Mitte-Politiker Leo Mueller warnt: Wird die Regel zu stark verwässert, droht ein Referendum und im schlimmsten Fall ein Scheitern ohne jede Neuregelung. Die Sozialdemokraten, die 100 Prozent fordern, wollen erst nach dem Parlamentsentscheid über ein Referendum befinden. Der ist frühestens im Dezember zu erwarten.

Gleichzeitig wächst der Druck von Investorenseite. Artisan Partners fordert öffentlich den Wegzug aus der Schweiz. Die Bank arbeitet Insidern zufolge an Notfallplänen, darunter eine Verlegung des Hauptsitzes oder eine Fusion. Rechtsprofessor Urs Saxer hält einen Abgang dennoch für unwahrscheinlich: UBS handle nicht irrational, und Rechtssicherheit wie Stabilität seien anderswo schwer zu finden.

Zahlen und Prognosen

Unabhängig davon veröffentlichte die Bank eine Einschätzung zur europäischen Berichtssaison. Die Gewinnschätzungen für das dritte Quartal sind seit Juli um vier Prozent gestiegen. Damit liegt die Messlatte höher, bloße Erfüllung der Erwartungen reicht laut UBS-Analysten womöglich nicht. Im zweiten Quartal legten Aktien nach einem Gewinnplus im Median nur etwa 0,5 Prozent zu, nach einer Enttäuschung fielen sie um 1,7 Prozent.

Zudem meldete Azelis, dass UBS die Schwelle von drei Prozent an dem Chemiedistributor zunächst überschritt und tags darauf wieder unterschritt. Das ist Routine und ohne Aussagekraft für die Strategie.

Der nächste Termin steht fest: Am 26. Oktober beginnt die Kommissionsdebatte, die Plenardebatte im Nationalrat wird für Dezember erwartet. Am 28. Oktober legt UBS ihre Zahlen zum dritten Quartal vor.