Der politische Schlagabtausch um die künftigen Kapitalanforderungen für die UBS steuert auf eine Vorentscheidung zu. Vor den anstehenden parlamentarischen Beratungen über die sogenannte „Lex UBS“ stehen erhebliche Summen im Raum.

Hintergrund ist die regulatorische Neuordnung infolge der Notübernahme der Credit Suisse im März 2023. Während die Politik über schärfere Vorgaben verhandelt, werten Ökonomen und Branchenbeobachter die jüngsten Spekulationen über Auslandsoptionen vor allem als gezieltes Manöver im Vorfeld der Gesetzgebung.

Hohe Belastungen durch regulatorische Pläne

Nach Berechnungen der Großbank würden die diskutierten Vorschriften erhebliche Mittel binden. Allein für die UBS AG beziffert das Institut den zusätzlichen Kapitalbedarf auf rund 16 Milliarden US-Dollar. Unter Berücksichtigung weiterer Vorgaben könnte die Belastung auf bis zu 33 Milliarden US-Dollar ansteigen. Zudem schätzt die Bank die wiederkehrenden Kosten der geplanten Neuregelung auf jährlich rund 2,5 Milliarden US-Dollar.

Im Kern der Debatte steht die regulatorische Absicherung ausländischer Einheiten. Der Schweizer Ständerat hatte im September dafür votiert, für ausländische Tochtergesellschaften eine Unterlegung von 90 Prozent mit hartem Kernkapital (CET1) festzusetzen, nachdem zuvor eine vollständige Deckung im Gespräch gewesen war.

Die Bankführung um Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher und Konzernchef Sergio Ermotti bekräftigte zwar wiederholt die Absicht, in der Schweiz zu bleiben, verwies zugleich jedoch auf die Bedeutung internationaler Wettbewerbsfähigkeit.

Skepsis gegenüber tatsächlichen Standortplänen

In der Schweizer Fachwelt wird das Szenario eines realen Abzugs der Bank mit Zurückhaltung beurteilt. Der Ökonom Aymo Brunetti stufte entsprechende Berichte als erwartbare Begleitmusik vor wegweisenden parlamentarischen Debatten ein und hält einen Wegzug für wenig wahrscheinlich.

Die geplante Erhöhung der Eigenkapitalanforderung bezifferte Brunetti auf fünf bis knapp sechs Prozent. Schweizer Medienberichten zufolge prüfen Politiker in Bern für die weiteren Beratungen bereits Anpassungen der Vorlage.

Die Diskussion berührt grundlegende Standortfragen der Schweizer Wirtschaft. Zwar würde selbst eine Veränderung gesellschaftsrechtlicher Strukturen kein vollständiges Ende des Schweizer operativen Geschäfts bedeuten, dennoch warnen Beobachter vor potenziellen Folgen für Steuereinnahmen und Arbeitsplätze.

Quartalszahlen als nächster Prüfstein

An den Aktienmärkten spiegelte sich das regulatorische Tauziehen in einer abwartenden Haltung wider. Am Freitag beendete die UBS-Aktie den Handel bei 42,43 Euro. Damit verharrt der Titel mit einem Abschlag von rund 12 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 48,19 Euro aus dem Juli.

Für Anleger rückt nun zeitnah die fundamentale Geschäftsentwicklung wieder in den Fokus. Am 28. Oktober legt der Bankkonzern seinen Bericht für das dritte Quartal vor. Nach einem Reingewinn von 2,8 Milliarden US-Dollar im zweiten Jahresviertel werden die kommenden Zahlen zeigen, wie robust sich das operative Geschäft inmitten der Integrationsarbeiten und der anhaltenden Kapitaldebatte behauptet.