Rekordkurse an der Börse, eisiges Klima in Bern. Die UBS und die Schweizerische Nationalbank (SNB) liefern sich einen offenen Schlagabtausch. Im Zentrum steht ein Streit über künftige Kapitalanforderungen. Die Notenbank hält die Großbank für bestens gerüstet. Die Bank feuert scharf zurück.
Milliarden-Lücke angeblich geschlossen
Die Regierung plant schärfere Regeln, wonach die UBS ihre Auslandsbeteiligungen künftig vollständig mit Eigenkapital absichern soll. Aktuell liegt die Quote bei 60 Prozent. Diese Verschärfung erfordert theoretisch rund 20 Milliarden Dollar an zusätzlichem Kernkapital.
Die SNB gibt jedoch Entwarnung. Die tatsächliche Kapitallücke beträgt laut dem neuen Finanzstabilitätsbericht nur neun Milliarden Dollar. Exakt diese Summe lag Ende 2025 bei der Schweizer Einheit bereits als Reserve bereit. Die Vorgaben lassen sich laut der Notenbank also schon heute erfüllen.
SNB-Vizedirektor Antoine Martin beruhigt zusätzlich. Er verweist auf eine großzügige Übergangsfrist. Die Bank könne die Reformvorgaben umsetzen und parallel weiterhin Gewinne an Aktionäre ausschütten.
UBS wirft SNB Irreführung vor
Auf diese vermeintliche Rückendeckung reagiert die UBS ungewöhnlich aggressiv. Ein Konzernsprecher bezeichnete den Regulierungsbericht offiziell als „irreführend“. Die Bank fürchtet einen massiven Wettbewerbsnachteil auf nationaler und internationaler Ebene.
Konkret greift die UBS die Methodik der Nationalbank an. Der Bericht ignoriere die wahren Ursachen für den Zusammenbruch der Credit Suisse. Er liefere keine faktenbasierte Analyse für eine sachliche Debatte. Stattdessen verzerre das Papier die Auswirkungen der neuen Eigenkapitalrichtlinien. Kurz gesagt: ein Frontalangriff auf die Notenbank.
Robuster Kurs und politischer Fahrplan
Das Gesetzgebungsverfahren läuft währenddessen weiter. Das Parlament debattiert aktuell über das Kernpaket der Reform. Der Prozess zieht sich voraussichtlich bis ins nächste Jahr. Hier zeichnen sich laut Beobachtern bereits erste Lockerungen ab.
Den Aktienkurs lässt der politische Lärm völlig kalt. Die UBS-Aktie notiert am Freitag bei 44,87 Euro. Das Papier verbucht damit auf Jahressicht ein sattes Plus von gut 51 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch rückt in greifbare Nähe.
Im operativen Geschäft läuft es derweil rund. Die SNB lobt ausdrücklich die hohe Profitabilität im Investment Banking und in der Vermögensverwaltung. Diese fundamentale Stärke stützt den Kurs, auch wenn ein RSI-Wert von 66 eine leicht überkaufte Marktlage signalisiert. Die politische Debatte geht im August in die nächste Runde. Dann berät der zuständige Ausschuss erneut über die umstrittenen Kapitalregeln.
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