Die Schweizerische Nationalbank stellt sich hinter die Pläne für deutlich höhere Eigenmittelvorgaben bei der Schweizer Großbank. Antoine Martin, Vizepräsident des Direktoriums der Notenbank, bezeichnete eine Unterlegung von Auslandstöchtern mit 90 Prozent hartem Kernkapital (CET1) heute als tragfähige Lösung. Aus Sicht der Finanzstabilität wäre eine vollständige Abdeckung von 100 Prozent allerdings noch wirksamer gewesen.

Die Unterstützung durch die Währungshüter verleiht den regulatorischen Verschärfungen zusätzliches Gewicht. Nach Berechnungen des Instituts würde eine Bestätigung dieser Vorgabe die UBS verpflichten, rund 16 Milliarden US-Dollar an zusätzlichem hartem Kernkapital bereitzustellen.

Zusammen mit weiteren Maßnahmen und den Vorgaben nach der Rettung der Credit Suisse wächst der gesamte CET1-Bedarf der Bank seit der Übernahme damit auf geschätzte 33 Milliarden US-Dollar an.

Für das Institut bedeutet dieser Kapitalaufbau eine spürbare Belastung der Bilanz.

Scharfe Töne gegen die Chefetage

Die politische Entwicklung wird begleitet von deutlicher Kritik an der Führung des Bankkonzerns. Der Berner Rechtsprofessor Peter V. Kunz bemängelte das Vorgehen von UBS-Konzernchef Sergio Ermotti in den vergangenen Wochen. Das aggressive Lobbying und die öffentlichen Warnungen der Unternehmensspitze hätten im Parlament eher Gegenreaktionen provoziert als Kompromissbereitschaft geweckt.

Ermotti und Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher hatten im Vorfeld betont, dass übermäßige Kapitalanforderungen die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Instituts gefährden. Beide stellten sogar in den Raum, dass eine solche Belastung das Institut dazu bringen könnte, seine schweizerische Basis zu überdenken.

Finanzministerin Karin Keller-Sutter hielt dem entgegen, dass hartes Kernkapital der entscheidende Hebel in Krisensituationen sei und das Land einen Kollaps der Großbank schlicht nicht verkraften könne.

Bankenverband befürchtet Wettbewerbsnachteile

Gleichzeitig formiert sich in der Branche Widerstand gegen die geplanten Richtlinien. Die Association suisse des banquiers warnte vor massiven Mehrkosten für den heimischen Bankensektor.

Nach Einschätzung des Verbands verdoppeln sich die Eigenmittelanforderungen für Auslandsbeteiligungen nahezu, was weit über die Standards in den USA, Großbritannien oder der Europäischen Union hinausgehe. Verbandschef Roman Studer erklärte, eine solche Sonderrolle schwäche die Stellung des Finanzplatzes Schweiz im weltweiten Vergleich empfindlich.

Gegenwind erfährt auch die Zusammensetzung der Kapitalpuffer. Während Branchenvertreter darauf gedrängt hatten, einen substanziellen Teil der Absicherung über AT1-Anleihen abzuwickeln, setzen die aktuellen Pläne fast ausschließlich auf hartes Kernkapital.

Entscheidungsprozess zieht sich hin

Die parlamentarische Auseinandersetzung verlagert sich als Nächstes in den Nationalrat, wo die Beratungen im Winter anstehen. Ein endgültiges Gesetz für die systemrelevanten Banken zeichnet sich frühestens Ende 2026 ab, während Beobachter einen Abschluss eher für das Jahr 2027 erwarten.

Die Dimension der Bank bleibt der zentrale Treiber der Reform: Die Bilanzsumme der UBS übertrifft mit rund 1,6 Billionen Franken die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung der Schweiz.

Am Aktienmarkt lasten die anhaltenden Debatten auf der Stimmung der Anleger. Im Handel gibt das Papier heute um 1,5 Prozent auf 41,45 Euro nach. Mit diesem Rücksetzer vergrößert sich der Abstand zum bisherigen 52-Wochen-Hoch auf ein Minus von 14 Prozent.