Liebe Leserinnen und Leser,
drei Schlagzeilen, drei Kontinente – und doch zeigen sie dieselbe Nervosität: Die Märkte stehen unter Druck, und niemand weiß so recht, wohin die Reise geht. In Zürich klammert sich eine Großbank an ihren CEO, weil ein Regulierungsstreit droht, jahrelang zu dauern. In Sindelfingen herrscht Verunsicherung unter Zehntausenden Beschäftigten, weil Gewinneinbrüche und Handelskonflikte die Zukunft vernebeln. Und im Nahen Osten eskaliert ein Konflikt so dramatisch, dass der DAX zum Wochenstart vermutlich unter 25.000 Punkte rutschen wird – das Rekordhoch von vergangener Woche ist erst mal Geschichte. Willkommen in einer Woche, in der Führungspersonal zur strategischen Waffe wird und Ölpreise zum Angstbarometer.
UBS hält Ermotti fest: Wenn Regulierung den Chefwechsel blockiert
Eigentlich sollte Sergio Ermotti im April 2027 abtreten. Doch daraus wird wohl nichts. Laut einem Bericht der „Neuen Zürcher Zeitung“ will die UBS ihren Konzernchef über diesen Termin hinaus im Amt halten – und zwar aus einem simplen Grund: Der Streit mit dem Schweizer Bund über verschärfte Kapitalregeln könnte sich bis mindestens 2028 hinziehen. Solange diese Frage nicht geklärt ist, sieht der Verwaltungsrat unter Colm Kelleher keinen geeigneten Nachfolger. Ermotti, der die Bank bereits von 2011 bis 2020 führte und nach der Credit-Suisse-Übernahme 2023 zurückkehrte, gilt als unverzichtbar für diesen Regulierungskampf.
Worum geht es konkret? Finanzministerin Karin Keller-Sutter will, dass UBS ihre Auslandstöchter künftig mit 100 Prozent ihres Werts absichert – statt wie bisher mit 60 Prozent. Das könnte die Bank zwingen, bis zu 26 Milliarden Dollar zusätzliches Eigenkapital aufzubauen. UBS lehnt das vehement ab und warnt vor Wettbewerbsnachteilen im globalen Vermögensverwaltungsgeschäft. Die Bank prüft laut Bericht verschiedene Szenarien: vom Verbleib in der Schweiz über einen möglichen Wegzug bis hin zu einer Übernahme durch ein ausländisches Institut. Der Bundesrat will im ersten Halbjahr 2026 einen Gesetzesentwurf ans Parlament überweisen – dann beginnt das politische Ringen erst richtig.
Für Anleger bedeutet das: Unsicherheit bleibt das dominierende Thema bei UBS. Die Integration der Credit Suisse soll Ende 2026 weitgehend abgeschlossen sein, doch die strategische Ausrichtung danach hängt am Ausgang dieses Kapitalstreits. Wer in die UBS-Aktie investiert, spekuliert nicht nur auf Synergieeffekte, sondern auch darauf, dass die Schweizer Politik die Bank nicht erdrückt.
Mercedes unter Druck: Wenn Gewinneinbruch auf Handelskonflikte trifft
Die Stimmung bei Mercedes ist angespannt – das ist noch vorsichtig ausgedrückt. Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali sprach mit mehreren Zeitungen über die Gemütslage der Belegschaft und fand deutliche Worte: „Rückgänge bei Absatz, Umsatz und Gewinn verunsichern viele, weil solche Entwicklungen meist mit Kostensenkungen einhergehen.“ Zusätzlich beunruhigten die wirtschaftlichen Angriffe aus China und den USA. „Als stark exportabhängiger Standort spüren wir Handelsbarrieren unmittelbar“, so Lümali.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der Gewinn bei Mercedes brach im vergangenen Jahr um knapp die Hälfte ein – bereits 2024 hatte es einen deutlichen Rückgang gegeben. Der DAX-Konzern reagierte mit einem Sparprogramm, um wieder profitabler zu werden. Im Werk Sindelfingen, wo über 30.000 Menschen arbeiten und unter anderem die S-Klasse produziert wird, steht man unter dem Druck von Effizienz, Tempo und Kosteneinsparungen. Lümali warnte vor „Entscheidungen mit der Brechstange über die Köpfe der Beschäftigten hinweg, die Neuanläufe und die Zukunftsfähigkeit des Standorts gefährden könnten.“
Für deutsche Anleger ist das ein Warnsignal: Mercedes kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Die Nachfrage in China schwächelt, die USA drohen mit Zöllen, und in Europa läuft der Umstieg auf Elektromobilität schleppender als erhofft. Wer auf eine schnelle Erholung der Mercedes-Aktie setzt, sollte sich auf weitere volatile Monate einstellen – zumal die Betriebsratswahlen anstehen und die Belegschaft nervös ist.
Nahost-Eskalation: Wenn Geopolitik die Märkte durchschüttelt
Das Wochenende brachte eine dramatische Wendung im Nahen Osten: Bei amerikanisch-israelischen Luftangriffen wurde Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Die iranischen Revolutionsgarden schworen umgehend Rache und kündigten „die größten militärischen Einsätze in der Geschichte der iranischen Streitkräfte“ an. Der Iran feuerte Raketen Richtung Israel ab und griff US-Stützpunkte in der Region an. In Tel Aviv starb eine Frau beim Einschlag einer Rakete, Flughäfen in Bahrain, Abu Dhabi und Dubai meldeten Einschläge. Die iranische Regierung kündigte 40 Tage öffentliche Trauer an.
Für die Märkte bedeutet das vor allem eines: steigende Ölpreise. Durch die Straße von Hormus, die Meeresenge zwischen Iran und Oman, wird täglich rund ein Fünftel der globalen Öltransporte verschifft. Nach Angaben einer iranischen Nachrichtenagentur haben die Revolutionsgarden den Schiffsverkehr dort bereits eingeschränkt. Acht Ölförderländer der Opec+ reagierten am Wochenende und kündigten an, ihre Tagesproduktion ab April um 206.000 Barrel zu steigern – deutlich mehr als die von Analysten erwarteten 137.000 Barrel. Offiziell wurde die Erhöhung mit dem stabilen Ausblick der globalen Wirtschaftslage und niedrigen Ölvorräten begründet. Der jüngste Krieg im Nahen Osten wurde mit keinem Wort erwähnt.
Doch Analysten der Commerzbank warnen: Die Opec+-Staaten könnten zwar Ausfälle aus dem Iran ausgleichen, doch sie haben nicht genug freie Produktionskapazitäten, um eine Hormus-Blockade wettzumachen. Für den DAX bedeutet das konkret: Der Broker IG taxierte den deutschen Leitindex am Sonntagnachmittag auf rund 24.900 Punkte – eineinhalb Prozent unter dem Freitagsschluss. Das Rekordhoch von 25.507 Punkten, das vergangene Woche noch in Reichweite war, dürfte damit erst mal aus dem Blick geraten. Baader-Bank-Experte Robert Halver hatte Ende vergangener Woche noch weitere Kursschwankungen wegen Zinsfantasie, Geopolitik und Zöllen für möglich gehalten, glaubte aber, dass kurze ruckartige Kursrücksetzer längerfristig günstige Einstiegsgelegenheiten schaffen.
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DAX zwischen Rekord und Realität: Die Marke von 25.000 Punkten wird zum Test
Die Stimmung war eigentlich gut: Der DAX hatte in den ersten beiden Monaten des Jahres ein leichtes Plus verbucht, und einige Analysten wie die Experten von Index-Radar rechneten Anfang März mit neuen Bestmarken. Sie hielten sogar einen Vorstoß in Richtung 26.000 Punkte für möglich – der März gilt traditionell als guter Börsenmonat. Doch die Nahost-Eskalation macht diese Hoffnungen zunichte. Nach unten dürfte die Marke von 25.000 Punkten von besonderer Bedeutung bleiben, die in der zweiten Februar-Hälfte Unterstützung gab.
Baader-Bank-Fachmann Halver beobachtete zuletzt, dass europäische Aktien im globalen Umfeld durch einen Sinneswandel wiederentdeckt werden. „Die langanhaltende KI-Euphorie ist zwischenzeitlich Ernüchterung gewichen“, schrieb er. KI-Fantasie hatte in den vergangenen Jahren vor allem die US-Börsen beflügelt, doch nun wirke Europas „Tech-Abstinenz wie eine willkommene Sorgenpause“. Der EuroStoxx 50 stellte im Februar immer wieder Rekorde auf, während die Bestmarke des NASDAQ 100 schon vier Monate alt ist.
Chefstratege Robert Greil von der Privatbank Merck Finck blieb zuletzt auf globaler Ebene für Aktien positiv gestimmt, nicht zuletzt weil der Konjunkturtrend aufwärts gerichtet bleibe. In der kommenden Woche könnten vor allem der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag sowie Einkaufsmanagerindizes am Montag und Mittwoch relevant werden. Für die US-Notenbank Fed wird wichtig sein, ob sich der gute Trend vom Januar im Februar bestätigt. Andreas Hürkamp von der Commerzbank rechnet im Februar mit nur 60.000 neuen Stellen nach 130.000 im Januar. Der anhaltend schwache Stellenzuwachs spreche im Jahresverlauf für drei Zinsschritte der Fed – am Markt als eingepreist gelten aber nur zwei.
Berichtssaison und Krypto-Werbung: Was sonst noch wichtig wird
In Deutschland könnten im Wochenverlauf noch weitere Impulse von der Berichtssaison ausgehen. Am Dienstag legt Beiersdorf Zahlen vor, am Mittwoch folgen Adidas, Bayer, Continental und Symrise. Am Donnerstag werden Zahlen von Merck und DHL erwartet, am Freitag rundet die Lufthansa die Woche ab – ein potenzieller DAX-Rückkehrer. In den USA könnte am Mittwoch Nvidia-Konkurrent Broadcom in den Fokus rücken.
Abseits der Märkte gibt es noch eine Meldung in eigener Sache: Der Broker finanzen.net ZERO hat sein Krypto-Angebot auf 59 Währungen ausgeweitet – von Bitcoin über Ethereum bis zu diversen Altcoins. Die Plattform wirbt mit kostenloser Wallet, rund um die Uhr Handel und Verwahrung bei einem von der BaFin beaufsichtigten deutschen Anbieter. Für Anleger, die Aktien und Kryptos an einem Ort verwalten wollen, könnte das interessant sein – zumal Stiftung Warentest finanzen.net ZERO in der Ausgabe 12/2025 als „Kostensieger“ bezeichnete.
Ausblick: Öl, Zinsen und die Frage nach dem Wendepunkt
Die kommende Woche wird zeigen, ob die Märkte die Nahost-Eskalation als kurzfristigen Schock oder als Beginn einer längeren Krise einordnen. Die Ölpreise dürften volatil bleiben, solange die Lage an der Straße von Hormus unklar ist. Der DAX wird vermutlich erst mal unter 25.000 Punkten konsolidieren, bevor er einen neuen Anlauf auf das Rekordhoch wagt. Und bei UBS und Mercedes zeigt sich exemplarisch, was viele Unternehmen gerade umtreibt: Regulatorische Unsicherheit, geopolitische Risiken und die Frage, wie man in diesem Umfeld überhaupt noch langfristig planen soll.
Bleiben Sie wachsam – und lassen Sie sich von kurzfristigen Schwankungen nicht aus der Ruhe bringen. Die besten Einstiegsgelegenheiten entstehen oft genau dann, wenn alle anderen nervös werden.
Bis morgen,
Andreas Sommer


