Während in Peking die World Robot Conference die Roboterbranche feiert, spielt sich bei Ubtech ein Drama auf zwei Bühnen ab. Auf der einen steht der Uworld U1, der nach eigenen Angaben erste massenproduzierte humanoide Roboter der Welt. Auf der anderen steht eine Aktie, die seit Jahresbeginn rund 38 Prozent verloren hat. Für mich ist genau dieser Kontrast die eigentliche Geschichte des Tages – nicht der Roboter selbst.

Ein technisches Ausrufezeichen ohne Kursreaktion

Der U1 kommt in drei Ausführungen – Lite, Pro und Ultra – zu Preisen zwischen 119.800 und 990.000 Yuan. Die männliche Version misst 183 Zentimeter bei 42 Kilogramm, die weibliche 163 Zentimeter bei 35 Kilogramm. 88 Servogelenke, 300 Mikroexpressionen, Lippensynchronisation unter 20 Millisekunden – das liest sich nach einem Meilenstein.

Doch die Käuferschaft bleibt bislang überschaubar: vor allem Ausstellungshallen und staatliche Beschaffungsstellen. Von einem Massenmarkt im eigentlichen Sinn ist das noch weit entfernt, auch wenn der Name „U1“ das suggeriert.

Bezeichnend finde ich, dass die Präsentation auf der Weltbühne der Robotik keine spürbare Kursbewegung nach oben ausgelöst hat. Die Aktie schloss gestern bei 8,91 Euro, ein Minus von 6,4 Prozent auf Tagesbasis. Das ist kein Ausrutscher, sondern reiht sich in eine Serie ein: Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 12 Prozent zu Buche. Wer auf den U1 als Kurstreiber gesetzt hatte, wurde enttäuscht.

Der Unitree-Schatten liegt schwer über der Branche

Man muss die Ubtech-Zahlen im Licht dessen lesen, was zwei Tage zuvor am Kapitalmarkt geschah. Der Konkurrent Unitree ging am Mittwoch mit einem furiosen Kurssprung von 460 Prozent über den Ausgabepreis von 150,80 Yuan an die Börse in Shanghai – nur um am Folgetag rund 18,7 bis 19 Prozent wieder abzugeben. Ein Bewertungsfeuerwerk, das binnen 24 Stunden ein Vielfaches an Marktkapitalisierung verbrannte, wie es mehrere Quellen übereinstimmend beschreiben.

Für mich zeigt das exemplarisch, wie nervös und spekulativ das gesamte Robotik-Segment derzeit gehandelt wird. Unitree-Gründer Wang Xingxing sprach auf der Konferenz von einem bevorstehenden „ChatGPT-Moment“ der Robotik – in zwei bis zehn Jahren könnten humanoide Roboter demnach vier von fünf Aufgaben per Sprachbefehl erledigen.

Eine steile Zukunftsvision. Doch Visionen dieser Art rechtfertigen keine Bewertungssprünge von mehreren hundert Prozent an einem einzigen Handelstag, und der Rückschlag am Folgetag bestätigt das.

Ubtech steht in diesem Umfeld zwischen den Stühlen. Die Aktie notiert derzeit 4,8 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 8,50 Euro und gleichzeitig 48 Prozent unter ihrem Hoch von 17,00 Euro aus dem Januar. Das ist kein Zeichen von Stabilität, sondern eher ein Beleg dafür, dass Anleger die gesamte Bewertungslogik der Branche neu justieren.

Konkurrenz wächst aus allen Richtungen

Was die Lage für Ubtech zusätzlich erschwert: Der Wettbewerb auf der Konferenz war dicht wie nie. Estun Automation, Siasun mit seinem 270-Kilogramm-Roboterarm, Unitree mit R1 und H1, Leju Robotics mit KUAVO und Huawei-Unterstützung, dazu Galbot, X Square, Fourier und LimX Dynamics – fast alle mit konkreten Produkten und teils prominenten Investoren wie Alibaba oder JD.com im Rücken. Ubtechs Walker C1 wurde zwar erwähnt, blieb aber ohne die technischen Kennziffern, mit denen sich die Konkurrenz präsentierte.

Mein Fazit

Der U1 ist ein legitimer technischer Fortschritt, aber kein Befreiungsschlag für die Aktie. Solange die Käuferbasis auf Ausstellungen und Behörden beschränkt bleibt, fehlt der Beweis für echte Massenskalierung.

Zugleich lastet der Unitree-Schock als Warnsignal über der gesamten Branche: Wenn selbst ein gefeierter IPO binnen eines Tages ein Fünftel seines Werts verliert, ist Vorsicht bei sämtlichen Robotik-Bewertungen angebracht – auch bei Ubtech. Die Chancen für eine kurzfristige Erholung sehe ich eher gering, solange der Markt zwischen Zukunftsfantasie und Ernüchterung schwankt.