Bis zu 124 Millionen Yuan — das entspricht rund 18 Millionen US-Dollar — bietet Ubtech Robotics für einen einzigen Chief Scientist. Das ist selbst nach chinesischen Maßstäben ungewöhnlich, wie Bloomberg berichtet. Hinter dem Gehaltsangebot steckt mehr als ein Recruiting-Gag: Es ist ein Bekenntnis zur technologischen Führerschaft im Bereich humanoider Robotik.

Was der neue Chef-Wissenschaftler leisten soll

Die ausgeschriebene Stelle ist strategisch zentral. Der künftige Chief Scientist of Embodied Intelligence soll die gesamte Technologie-Roadmap für humanoide Roboter verantworten und Forschung in Bereichen wie Vision-Language-Action-Modellen, Robotik-Basismodellen sowie Greif- und Geschicklichkeitsfähigkeiten leiten. Das Vergütungspaket kombiniert Gehalt, Zusatzleistungen und Eigenkapitalbeteiligung. Einschränkungen bezüglich Nationalität, Geschlecht oder Aufenthaltsort gibt es keine.

Parallel rekrutiert Ubtech dutzende weitere Spezialisten — von Reinforcement-Learning-Ingenieuren über Hardwareentwickler bis hin zu Rust-Programmierern.

Zahlen, die den Anspruch untermauern

Die Ambitionen sind finanziell gedeckt. Im Geschäftsjahr 2025 steigerte Ubtech den Umsatz um 53 Prozent auf 2,01 Milliarden Yuan. Besonders bemerkenswert: Das Segment humanoide Produkte und Dienstleistungen wuchs von 35,6 Millionen auf 820,6 Millionen Yuan — ein Zwanzigfaches des Vorjahreswerts. Gleichzeitig sank der Nettoverlust um 32 Prozent auf 789,8 Millionen Yuan, die Bruttomarge kletterte von 29 auf 38 Prozent.

Konkret verkaufte das Unternehmen 2025 insgesamt 1.079 humanoide Roboter in voller Größe — nach lediglich drei Einheiten im Vorjahr.

Industrieaufbau im Eilschritt

Ubtech baut nicht nur Talente auf, sondern auch Produktionskapazitäten. Für 2026 plant das Unternehmen die Auslieferung von rund 5.000 humanoiden Robotern, 2027 sollen es 10.000 Einheiten sein. Eine Kooperationsvereinbarung mit Siemens Digital Industries Software, unterzeichnet am 16. März in Shenzhen, soll die Großserienproduktion beschleunigen. In Shanghai wurde zudem eine neue kommerzielle Produktionsbasis angekündigt.

Auch die Kundenbasis wächst international: Airbus hat den industriellen Humanoiden Walker S2 für den Einsatz in eigenen Fertigungsanlagen geordert. Damit ist Ubtech in fünf globalen Industriesegmenten präsent — von der Luftfahrt über die Halbleiterproduktion bis zur Smart Logistics.

Rückenwind aus Peking, Druck aus Palo Alto

Die Rahmenbedingungen begünstigen Ubtech. Premierminister Li Qiang hat Robotik bereits zwei Jahre in Folge im Regierungsarbeitsbericht verankert. Chinesische Unternehmen stehen laut dem Marktforschungsunternehmen Omdia für knapp 90 Prozent der weltweiten Auslieferungen humanoider Roboter im Jahr 2025.

Tesla suchte Ende März seinerseits mehr als 80 Spezialisten für sein Optimus-Programm. Der Wettbewerb um KI-Talente hat sich in China zum zentralen Schauplatz entwickelt: Der Anteil KI-bezogener Stellenanzeigen stieg laut der Plattform Maimai von 2,3 auf 26 Prozent aller Ausschreibungen. Mit rund 4,92 Milliarden Yuan in der Kasse ist Ubtech für diesen Wettbewerb gut gerüstet.