Liebe Börsenfreundinnen und Börsenfreunde,
der Montag gehört den Sondersituationen, nicht den Notenbanken. Zwar entscheidet die Fed am Mittwoch, doch heute bewegen Übernahmefantasien und Kapitalpläne die Kurse.
Der gemeinsame Nenner lohnt einen Blick. Bei Tesla handeln Anleger ein Angebot, das noch niemand abgegeben hat. Bei Evonik ist das Gebot bekannt, aber nicht offiziell. In Portugal platzt eine Fusion, und Anthropic zieht mit seinem Börsenprospekt die KI-Zulieferer nach oben. Viel Bewegung hängt heute also an Plänen, die erst noch Wirklichkeit werden müssen oder gerade gescheitert sind.
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Tesla: Ein Aufschlag für ein Angebot, das fehlt
Tesla bekommt Rückenwind von einer Hochstufung mit ungewöhnlicher Begründung. Barclays stuft die Aktie von neutral auf Übergewichten hoch und hebt das Kursziel auf 450 Dollar, deutlich über den aktuellen Kurs. Analyst Dan Levy rechnet damit, dass SpaceX ein Übernahmeangebot in Aktien vorlegt, mit rund 20 Prozent Aufschlag.
Die Tesla-Aktie liegt gut 6 Prozent über dem Freitagsschluss, und auch andere Analysehäuser zeigen sich zuversichtlich. Was kauft man da eigentlich? Einen Aufschlag für ein Angebot, das noch nicht existiert. Ohne Übernahme sieht Barclays im selben Papier die Aktie weit unter dem heutigen Kurs.
Die Hürde ist hoch, denn mehr als 50 Prozent aller ausstehenden Tesla-Aktien müssen zustimmen. SpaceX selbst betont, dass es keine Gewissheit über einen Abschluss gibt. Auf der SpaceX-Seite wächst zudem Widerstand: Joel Shulman, Investmentchef von ERShares, warnt vor Verwässerung und nennt Tesla historisch teuer. Verwässerung heißt, dass neue Aktien den Anteil der bisherigen Eigentümer schmälern.
BASF und Evonik: Ein Preis ohne Bestätigung
Bei Evonik liegt der Fall anders: Der Preis ist bekannt, nur fehlt die offizielle Bestätigung. Laut Bloomberg bietet BASF rund 24 Euro je Evonik-Aktie, insgesamt über 11 Milliarden Euro.
Evonik notiert dennoch bei rund 21,40 Euro und damit gut zweieinhalb Euro unter dem kolportierten Preis. Warum schließt sich die Lücke nicht? Zum einen fehlt jede Bestätigung. Zum anderen prüft Evonik selbst eine Übernahme des US-Konzerns Ashland, was die Rechnung verschiebt.
BASF kauft parallel weiter eigene Aktien zurück. Wer das tut und zugleich Milliarden für Evonik bietet, muss die Finanzierung erklären, und die Gelegenheit kommt diese Woche mit den BASF-Quartalszahlen. Das Analysehaus Mwb bleibt bei Halten, nennt die strategischen Argumente für den Deal aber „zunehmend überzeugend“. BASF-Aktionäre sollten am Berichtstag weniger auf die Chemiemargen als auf jeden Satz zur Bilanz hören.
Anthropic: Milliardenzusagen als Nachfragebeleg
Anthropic hat seinen Börsenprospekt eingereicht, bei einer Bewertung von über 1,5 Billionen Dollar. Thomas Hayes von Great Hill Capital nennt das schlicht teuer. Das Wachstum ist dennoch steil: Im ersten Halbjahr 2026 setzte Anthropic 16,3 Milliarden Dollar um, mehr als im gesamten Jahr 2025.
Woher kommt die Begeisterung bei den Zulieferern? Aus den festen Zusagen für Rechenleistung, vor allem bei Amazon, Google und Microsoft, insgesamt über 500 Milliarden Dollar. Der Markt liest sie als Nachfragebeweis. Nvidia legt rund 3 Prozent zu, in Frankfurt ziehen Siemens Energy und Infineon nach einem schwachen Monat kräftig an.
Die Gegenseite verdient einen Blick. Meta will in großem Stil Geld über Aktienverkäufe einsammeln. Microsoft bietet Zehntausenden Mitarbeitern freiwillige Abfindungen an, ausdrücklich um den KI-Ausbau mit sparsamerem Kapitaleinsatz zu versöhnen. Die Zulieferer erholen sich also auf einer Nachfrage, die zunehmend mit Aktienverkäufen und Stellenabbau der Großkunden finanziert wird, und das ist eine fragilere Basis als ein Auftragsbuch.
Galp: Zu gute Zahlen für eine Fusion
Szenenwechsel nach Portugal. Galp Energia und Moeve sagen ihre geplante Raffinerie-Fusion ab, weil der US-Iran-Krieg keine verlässliche Bewertung mehr zulässt. Bei Margen, die sich binnen eines Jahres vervielfachen, kann niemand eine Raffinerie fair bewerten.
Dabei verdiente Galp im dritten Quartal operativ und ohne Sondereffekte 67 Prozent mehr als im Vorjahr. Trotzdem fiel die Galp-Aktie am Nachmittag um 9,5 Prozent. Warum stürzt eine Aktie bei solchen Gewinnen ab? Der Kurssturz zeigt, dass der Markt die Fusion als Absicherung gegen das Ende dieses Booms gesehen hatte.
Auch BP, Shell und Eni geben heute nach, obwohl sich der Ölpreis der Sorte Brent auf hohem Niveau hält.
Was jetzt zählt
Am Mittwoch entscheidet die Fed, eine Zinspause gilt als sicher. Eine Erhöhung im Dezember ist weitgehend eingepreist, steckt also schon in den Kursen. Die EZB folgt am Donnerstag. Steigende Zinsen verteuern genau die Fremdfinanzierung, die BASF für Evonik und SpaceX für seinen Chip-Ausbau braucht.
Dazu kommen die Zahlen von BASF, Volkswagen und Deutscher Bank sowie am Mittwoch nach US-Börsenschluss von Microsoft und Alphabet. Bitcoin pendelt um die 80.000-Dollar-Marke, am Freitag steht ein großer Optionsverfall an, also ein Termin, an dem viele Optionen auslaufen. Und noch setzen 80 Prozent der Privatanleger-Positionen auf fallende DAX-Kurse: Die Stimmung ist schlechter, als die Erholung heute aussah.
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Viele Grüße vom Treff, Ihr Andreas Sommer
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