Die italienische Großbank Unicredit hat ihre Beteiligung an der Commerzbank massiv ausgebaut und steuert nun auf eine faktische Kontrolle des Frankfurter Instituts zu. Wie Reuters und weitere Medienberichte am 8. und 10. Juli 2026 bestätigten, hat sich die Bank unter der Führung von CEO Andrea Orcel einen Kapitalanteil von 47,59 Prozent gesichert. Unter Berücksichtigung der Stimmrechte liegt der Einfluss der Italiener sogar bei bis zu 49,7 Prozent, wenn man die Treasury-Aktien der Commerzbank herausrechnet.
Strategische Beteiligung erreicht fast 50 Prozent
Die Erhöhung des Anteils erfolgte im Rahmen eines Aktientauschangebots im Gesamtwert von rund 44 Milliarden Euro. Während Unicredit angibt, dass Investoren mit einem Anteil von 17,6 Prozent das Angebot angenommen haben, widerspricht das Management der Commerzbank dieser Darstellung teilweise. Laut der Commerzbank-Vorstandsvorsitzenden Orlopp sei die Akzeptanz bei institutionellen und privaten Anlegern im Streubesitz mit weniger als 2 Prozent tatsächlich sehr gering geblieben. Die von Unicredit gemeldeten Anteile stammten demnach primär von Gegenparteien aus Derivategeschäften und Swap-Verträgen.
Unabhängig von der Herkunft der Anteile hat die Unicredit ihre Position rechtlich abgesichert. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wies laut Berichten vom 11. Juli 2026 eine Anzeige von Commerzbank-Mitarbeitern wegen mutmaßlicher Marktmanipulation zurück. Damit ist eine juristische Hürde auf dem Weg zur Übernahme vorerst genommen. Die Unicredit-Aktie reagierte positiv auf die jüngsten Entwicklungen und notierte am Freitag zum Handelsschluss bei 83,22 €, was einem Plus von 1,66 % entspricht. Das Papier bewegt sich damit nahe seinem 52-Wochen-Hoch von 83,73 €, das erst am 10. Juli 2026 markiert wurde.
Gegenwind aus Berlin und Frankfurt
Trotz der hohen Beteiligung ist der Zusammenschluss noch nicht vollständig vollzogen. Die Bundesregierung, die weiterhin rund 12 Prozent der Commerzbank-Anteile hält, kritisierte das Vorgehen der Italiener als zu aggressiv. Auch der Betriebsrat und die Gewerkschaft Ver.di leisten Widerstand und warnen vor dem Verlust von über 10,000 Arbeitsplätzen; einige Schätzungen gehen im Falle einer vollständigen Integration sogar von bis zu 23,000 betroffenen Stellen aus.
Die kartellrechtliche und aufsichtsrechtliche Prüfung durch die Europäische Zentralbank (EZB) steht zudem noch aus. Analysten rechnen damit, dass eine endgültige Entscheidung über die Kontrollübernahme erst im ersten Halbjahr 2027 fallen könnte. In der Zwischenzeit bleibt der Kurs der Unicredit mit einem Plus von 16,08 % seit Jahresbeginn und einer Performance von 40,50 % auf Sicht von 12 Monaten stabil. Die Marktkapitalisierung des Instituts beläuft sich aktuell auf 122,74 Milliarden €.
Vision einer europäischen Großbank bis 2030
Hinter der Übernahme steht das Ziel von CEO Andrea Orcel, einen neuen „europäischen Champion“ im Bankensektor zu formen. MilanoFinanza berichtet über ambitionierte Projektionen für das Jahr 2030: Das fusionierte Institut könnte dann über 600 Filialen in Deutschland verfügen und rund 104,000 Mitarbeiter beschäftigen. Finanziell wird ein jährlicher Umsatz von 45 Milliarden Euro bei einem Nettogewinn von 21 Milliarden Euro angestrebt. Die Marktkapitalisierung des kombinierten Konzerns wird auf etwa 170 Milliarden Euro geschätzt.
Parallel zur Integration der Commerzbank, die nach 2029 auch eine Verschmelzung mit der Unicredit-Tochter HVB vorsehen könnte, gibt es bereits Spekulationen über weitere Expansionsschritte. Marktberichten zufolge könnte die italienische Banco BPM ein künftiges Ziel für Andrea Orcel darstellen. Derzeit notiert die Unicredit-Aktie mit einem deutlichen Abstand von 20,09 % über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 69,30 €, was den positiven Trend der vergangenen Monate unterstreicht.
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