Die italienische Großbank UniCredit strebt die vollständige Kontrolle über die Commerzbank deutlich früher an als von vielen Marktteilnehmern erwartet. CEO Andrea Orcel stellte eine Konsolidierung bereits für das vierte Quartal 2026 in Aussicht, sofern die noch ausstehenden behördlichen Genehmigungen vorliegen.
Medienberichten zufolge hat sich die UniCredit durch ein Übernahmeangebot inzwischen einen Anteil von rund 48 Prozent an dem Frankfurter Geldhaus gesichert.
Rückenwind von der Aufsicht und strategische Anpassungen
Ein entscheidendes Hindernis für die grenzüberschreitende Fusion scheint kleiner zu werden. Laut Reuters kam eine interne vorläufige Bewertung der Europäischen Zentralbank (EZB) am vergangenen Mittwoch zu dem Schluss, dass es keine triftigen Gründe gebe, Einwände gegen den Erwerb der Commerzbank durch die UniCredit zu erheben. Zuvor hatten Bedenken hinsichtlich der Governance und möglicher Integrationsrisiken die Debatte geprägt.
Um das für die vollständige Übernahme notwendige Kapital vorzuhalten, deutete Orcel am vergangenen Dienstag eine Kursänderung in der Kapitalallokation an. Das geplante Aktienrückkaufprogramm der Bank könnte zugunsten der Commerzbank-Konsolidierung gestrichen werden.
Die Commerzbank selbst versucht unterdessen, ihre Eigenständigkeit zu betonen, und kündigte am 6. August ein eigenes Rückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro an, nachdem sie Rekordergebnisse für das erste Halbjahr vorgelegt hatte.
Erhöhte Gewinnziele und technologische Transformation
Unabhängig von der Expansionsstrategie in Deutschland zeigt sich die UniCredit operativ äußerst robust. Am 5. August hob das Institut seine Prognose für den Nettogewinn im Geschäftsjahr 2026 auf deutlich über 11 Milliarden Euro an.
Langfristig peilt das Management für das Jahr 2028 einen Gewinn von mehr als 13 Milliarden Euro an, der bis 2030 auf 15 Milliarden Euro steigen soll. Diese Zuversicht spiegelt sich auch in der Marktbewertung wider: Die UniCredit kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von 119,52 Milliarden Euro.
Die Profitabilität wird zudem durch eine strikte Effizienzstrategie gestützt. Seit 2021 hat die Bank die Führungsebenen von neun auf vier reduziert und die Belegschaft um etwa ein Fünftel verkleinert. Ziel ist eine Kosten-Ertrags-Quote von 34 Prozent. Parallel dazu treibt die Bank ihre digitale Erneuerung voran. In einer langfristigen Allianz mit Accenture und IBM wird derzeit die Kernbankentechnologie in 13 europäischen Märkten modernisiert.
Marktpositionierung und Analysteneinschätzungen
An der Börse wurde die operative Stärke der Italiener zuletzt honoriert. Seit Jahresbeginn verzeichnet die Aktie ein Plus von 20 Prozent. Damit notiert das Papier am heutigen Sonntag nur noch 0,8 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, das am vergangenen Donnerstag erreicht wurde.
Analysten passten ihre Erwartungen bereits an die neue Gewinnprognose an. Am 5. August wurde das Konsens-Kursziel für den Wert um rund 4,00 Euro auf nun 84,30 Euro angehoben.
Zwar belasteten Einmalkosten für Absicherungsgeschäfte im Zusammenhang mit dem Aufbau der Commerzbank-Beteiligung das Ergebnis im zweiten Quartal, doch die verbesserten Margenaussichten und das Umsatzwachstum gaben den Ausschlag für die positivere Einschätzung. Die Gespräche zwischen den beiden Instituten über einen möglichen Kontrollwechsel haben Berichten zufolge bereits formell begonnen.
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