Andrea Orcel ordnet das Machtgefüge der europäischen Bankenlandschaft neu. Nach dem massiven Einstieg bei der Commerzbank richtet der UniCredit-Chef seinen Blick nun wieder verstärkt auf den italienischen Heimatmarkt.

Der deutschen Übermacht begegnen

UniCredit hält mittlerweile 50 Prozent der Anteile an der Commerzbank. Der Weg zur geplanten Fusion bleibt langwierig. Regulierungsbehörden werden ihre Entscheidung voraussichtlich erst Ende 2026 treffen. Eine vollständige Integration der deutschen Bank ist nach aktueller Planung nicht vor 2028 zu erwarten.

Das Gewicht des deutschen Geschäfts könnte im neuen Gesamtkonzern massiv steigen. Prognosen für das Jahr 2030 rechnen mit einem deutschen Gewinnbeitrag von 8,5 Milliarden Euro. Bei einem erwarteten Konzerngewinn von 21 Milliarden Euro entstünde ein geografisches Ungleichgewicht. In Italien mehren sich deshalb Befürchtungen über eine mögliche Verlegung des Konzernsitzes nach Deutschland.

Expansion im Heimatmarkt

Um diese Schieflage zu korrigieren, prüft Orcel neue Zukäufe in Italien. Eine Übernahme der Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) gilt als mögliche Option. Parallel dazu spielt UniCredit eine aktive Rolle beim Versicherer Generali. Dort hält die Bank bereits einen Anteil von neun Prozent.

Der Kapitalmarkt reagiert positiv auf die Expansionspläne. Die Aktie notiert bei 82,13 Euro und damit nur knapp unter ihrem jüngsten 52-Wochen-Hoch. Auf Sicht von 30 Tagen verzeichnet das Papier ein Plus von zehn Prozent. Die Marktkapitalisierung des Bankenriesen liegt damit aktuell bei rund 124,3 Milliarden Euro.

Eine Entscheidung über konkrete Gebote in Italien dürfte fallen, bevor die deutschen Fusionsgespräche in die heiße Phase gehen. Die Haltung der italienischen Regierung zu einem möglichen MPS-Deal wird hierbei den Ausschlag geben.