Im Ringen um die europäische Bankenkonsolidierung zieht das Management der UniCredit klare Grenzen. Das italienische Finanzinstitut wies gestern Berichte über eine koordinierte Übernahmeofferte für den heimischen Konkurrenten Banco BPM offiziell als gegenstandslos zurück. Die Aktie beendete den Handel am Freitag mit einem Zuwachs von 2,1 Prozent bei 84,48 Euro und liegt damit nur 2,2 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch.

Absage an Gemeinschaftsangebot in Mailand

Laut Reuters hatten UniCredit und die französische Crédit Agricole zuvor die Möglichkeit eines gemeinsamen Vorgehens diskutiert. Der Entwurf sah vor, das Institut untereinander aufzuteilen: Die französische Großbank, die bereits 29,3 Prozent der Banco-BPM-Anteile hält, sollte rund ein Drittel des Geschäfts übernehmen, während die verbleibenden Unternehmensteile an UniCredit gegangen wären.

Ein Konzernsprecher der UniCredit trat diesen Darstellungen jedoch entschieden entgegen und erklärte, das Mailänder Institut sehe sich auf dem heimischen Markt lediglich in der Rolle eines Beobachters. Vollständige Übernahmen stehen demnach nicht auf der Agenda.

Stattdessen zieht das Geldhaus laut Finanzkreisen selektive Zukäufe in Betracht. Im Fokus stehen dabei einzelne Filialnetze, die infolge paralleler Fusionsprozesse anderer Marktteilnehmer aus wettbewerbsrechtlichen Gründen abgegeben werden müssen.

Weichenstellung bei der Commerzbank

Vor rund einem Monat hatte UniCredit die Weichen für die Annäherung an die Commerzbank gestellt, an der die Italiener knapp 50 Prozent der Stimmrechte halten.

Am Donnerstag skizzierte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp drei denkbare Varianten für die weitere Entwicklung: eine direkte Fusion beider Konzerne, ein weiteres Kaufangebot mit Prämie für mehr als 90 Prozent der Aktien oder den Erwerb der HypoVereinsbank gegen Ausgabe neuer Commerzbank-Papiere.

Für jede dieser Integrationslösungen ist auf der Hauptversammlung eine Beschlussmehrheit von 75 Prozent erforderlich. Die Bundesregierung hält als zweitgrößter Anteilseigner rund 13 Prozent der Commerzbank und verlangt unter anderem den Erhalt des Frankfurter Hauptsitzes sowie die Absicherung der Mittelstandskredite.

Aufsichtsrechtlich rückt für UniCredit-Chef Andrea Orcel die nächste Etappe näher: Eine Entscheidung der Europäischen Zentralbank über den weiteren Anteilserwerb wird bis Mitte Oktober erwartet.