Die italienische Großbank UniCredit bereitet ihre Bilanz mit gezielten Entlastungen auf den geplanten Ausbau der deutschen Präsenz vor. Um regulatorisches Eigenkapital freizusetzen, prüft das Institut die Absicherung deutscher Immobilienkredite im Umfang von rund einer Milliarde Euro.
Kreditrisiken werden ausgelagert
Nach Berichten von Bloomberg plant UniCredit einen unbepreisten, synthetischen Risikotransfer für deutsche Wohnungsbaukredite mit einem Gesamtvolumen von rund einer Milliarde Euro.
Bei dieser sogenannten SRT-Transaktion werden Ausfallrisiken an Investoren übertragen, ohne die zugrunde liegenden Darlehen tatsächlich zu verkaufen. Parallel dazu steht ein ähnliches Geschäft für tschechische Unternehmenskredite im Raum, das ebenfalls ein Volumen von rund einer Milliarde Euro umfasst.
Solche Absicherungen verschaffen Banken spürbare Spielräume bei der Eigenkapitalausstattung. Nach Berechnungen von CreditSights brachten frühere SRT-Geschäfte von UniCredit der Bank bereits einen Vorteil von 82 Basispunkten bei der harten Kernkapitalquote. Die nun geprüften Vorhaben sind in dieser Kennzahl noch nicht enthalten.
An den Märkten reagierte das Papier verhalten auf die strategischen Vorbereitungen. Die UniCredit-Aktie gab heute um 1,7 Prozent auf 74,13 Euro nach.
Der Zeitplan für Frankfurt steht
Die Portfoliomaßnahmen fallen in eine entscheidende Phase der Expansion in Deutschland. In der vergangenen Woche erteilte die Europäische Zentralbank die aufsichtsrechtliche Genehmigung, die Beteiligung an der Commerzbank über die Schwelle von 30 Prozent hinaus aufzustocken. UniCredit sicherte sich bei einem im Juli beendeten Angebot 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien und steigerte den eigenen Anteil damit auf knapp 48 Prozent des Kapitals.
Nach dem Abschluss verbleibender behördlicher Schritte rechnet das Management um Vorstandschef Andrea Orcel bis zum Jahresende mit dem Erreichen der Kontrollmehrheit von rund 50 Prozent der Stimmrechte. Ab Januar 2027 will Orcel das Frankfurter Institut nach den Vorgaben seines eigenen Strategieplans führen.
Ein möglicher Wechsel im Aufsichtsrat der Commerzbank könnte bereits vor der regulären Hauptversammlung im Mai erfolgen. Eine vollständige gesellschaftsrechtliche Verschmelzung mit der Münchener Konzerntochter HypoVereinsbank ist dagegen erst für die Jahre 2029 bis 2030 vorgesehen.
Reaktionen von Konkurrenz und Politik
Der Vormarsch der Mailänder stößt auf geteilte Reaktionen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil forderte Garantien für die Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft. Deutsche Mittelständler befürchten, dass künftige Kreditentscheidungen nicht mehr primär in Frankfurt getroffen werden könnten.
Gleichzeitig wittert der Wettbewerb Marktchancen. Alexander von zur Mühlen, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, erklärte im Handelsblatt, eine Übernahme eröffne Wachstumspotenzial bei Firmenkunden. Sollte sich das Profil der Commerzbank unter italienischer Führung verändern, wolle die Deutsche Bank in den betroffenen Segmenten zusätzliche Marktanteile gewinnen.
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