Die italienische Großbank UniCredit forciert ihre Übernahmepläne für die Commerzbank und steuert auf eine Mehrheitsbeteiligung zu. Nachdem die Europäische Zentralbank grünes Licht gegeben hat, peilt das Institut um den Jahreswechsel die Kontrolle über das Frankfurter Geldhaus an. Ziel ist es, rund 50 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank zu halten, sobald die noch ausstehenden regulatorischen Schritte und Bedingungen erfüllt sind.
EZB hebt Begrenzung für Aktienkauf auf
Am Donnerstag erhielt UniCredit die formelle Autorisierung der Europäischen Zentralbank, die Beteiligungsschwelle von 30 Prozent an der Commerzbank zu überschreiten. Die Genehmigung der Aufsichtsbehörde sieht dabei keine Obergrenze für den weiteren Zuerwerb von Anteilen vor. Damit ist eine zentrale regulatorische Voraussetzung geschaffen, um den Einfluss auf das deutsche Kreditinstitut maßgeblich auszubauen.
Bis zum avisierten Kontrollgewinn stehen jedoch weitere Genehmigungsschritte an. Das Management geht davon aus, diese verbleibenden Prozesse bis zum Jahresende abzuschließen. Parallel dazu läuft die kartellrechtliche Prüfung des Vorhabens auf europäischer Ebene weiter. Für die wettbewerbsrechtliche Entscheidung über die Commerzbank-Übernahme hat die Europäische Kommission den 16. November als Frist festgesetzt.
Interne Umstrukturierung der Bankengruppe
Neben den Zukaufsplänen in Deutschland treibt das Institut auch die Vereinfachung der eigenen Konzernstruktur voran. Am Dienstag veröffentlichte die Bank den entsprechenden Vorstandsbeschluss zur grenzüberschreitenden Verschmelzung der Tochtergesellschaft UniCredit SA/NV in die Muttergesellschaft UniCredit S.p.A.
Das Leitungsgremium hatte diese Transaktion am 17. September gebilligt, ehe die gesellschaftsrechtliche Registrierung am 22. September erfolgte. Mit dieser Maßnahme bereinigt der Konzern seine rechtlichen Einheiten auf europäischer Ebene, während sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer vor allem auf das Vorgehen in Frankfurt richtet.
Aktie notiert nahe der 200-Tage-Linie
Am Aktienmarkt reagierten die Anleger zuletzt zurückhaltend auf die fortschreitenden Integrationspläne. Die UniCredit-Aktie ging am Freitag mit einem leichten Minus von 0,05 Prozent bei einem Schlusskurs von 75,44 Euro aus dem Handel. Auf diesem Niveau notiert das Papier fast exakt auf Höhe seines 200-Tage-Durchschnitts von 75,20 Euro.
Die Marktkapitalisierung des italienischen Branchenschwergewichts beläuft sich damit auf 113,59 Milliarden Euro. Für Anleger bleibt der weitere Zeitplan bis zum Jahresende maßgeblich, an dem sich entscheiden wird, ob der Konzern die geplante Stimmrechtsmehrheit tatsächlich realisieren kann.
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