Unilever-CEO Fernando Fernández mag es offenbar nicht, wenn man ihm Trägheit vorwirft. Auf gleich zwei Investorenkonferenzen in dieser Woche stellte er sich den Sorgen von Aktionären, die im Konzern eine „Veränderungsmüdigkeit“ befürchten. Sein Gegenschlag: klare Worte und Bekenntnis zum Tempo.
Rund 66 Milliarden US-Dollar schwer ist der im März angekündigte Deal, der Unilevers Lebensmittelsparte mit dem US-Konzern McCormick verschmelzen soll. Manche Anleger fürchten die Schuldenlast des neuen Gemeinschaftsunternehmens – und weitere organisatorische Umwälzungen, die den Kurs belasten könnten. Fernández weist das zurück. „Große Unternehmen können gleichzeitig Leistung erbringen und sich transformieren“, sagte er auf der Deutsche Bank Global Consumer Conference und der BNP Paribas CEO Conference. Die Wahrnehmung von Unilever als langsam und komplex solle der Vergangenheit angehören.
Der Plan dahinter
Die Lebensmittel-Verschmelzung ist der Kern einer breiteren Neuausrichtung. Unilever erhält 15,7 Milliarden US-Dollar in bar und hält künftig 65 Prozent an der neuen Gruppe. Rund 6 Milliarden Euro der Barmittel sollen über die nächsten drei Jahre in Aktienrückkäufe fließen. Parallel dazu treibt der Konzern die Ausgliederung des Eiscremegeschäfts voran, das inzwischen als Magnum Ice Cream Company in den Niederlanden notiert ist.
Hinzu kommen hohe Investitionen in die Zukunft: Ein neues globales Innovationszentrum in New Haven, Connecticut, soll bis Frühjahr 2029 die Forschung für Beauty, Wellbeing und Personal Care bündeln – mit KI und Quantentechnologien als Beschleuniger. Langfristig sind 270 Millionen US-Dollar veranschlagt, davon 50 Millionen für Investitionsausgaben. Zeitgleich entsteht ein Duft-Hub in Mumbai, Indien, um Premiumprodukte schneller auf den Markt zu bringen.
Kurs in der Nähe des Jahrestiefs
Die Börse zeigt sich bislang unbeeindruckt von Fernández‘ Offensive. Die Aktie notiert bei 47,16 Euro, ein Minus von 1,48 Prozent am Donnerstag. Auf Jahressicht beträgt der Verlust rund 15 Prozent. Der 14-Tage-RSI liegt bei 33,1 – technisch betrachtet ein überverkauftes Niveau. Nur 0,37 Prozent trennen den Kurs vom 52-Wochen-Tief bei 46,98 Euro. Der Markt scheint noch nicht überzeugt, dass der Umbau schneller Früchte trägt als er Kräfte bindet.
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