Der Konsumgüterkonzern Unilever rückt am heutigen Dienstag verstärkt in das Blickfeld der Investoren. Während das Unternehmen seinen tiefgreifenden Portfolio-Umbau vorantreibt, setzen Analysten auf eine Beschleunigung des Wachstums in der zweiten Jahreshälfte. Die Aktie reagiert im heutigen Handel positiv auf die jüngsten Einschätzungen und notiert mit einem Stand von 56,08 € rund 2,9 % über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.

Analysten erwarten positive Impulse für das dritte Quartal

Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für Unilever auf „Overweight“ belassen und das Papier zusätzlich auf eine interne Beobachtungsliste für positive kurzfristige Ereignisse gesetzt. Analystin Celine Pannuti begründet diesen Schritt mit der Erwartung, dass der Konzern im dritten Quartal die Markterwartungen beim Umsatz übertreffen könnte. Zudem deutet die Expertin das Potenzial für positive Überraschungen bei der operativen Marge an.

Als wesentlicher Termin für Anleger gilt der im November geplante Kapitalmarkttag. Von diesem Ereignis verspricht sich der Markt weitere Details zur langfristigen Strategie und zur Effizienzsteigerung des Unternehmens. Das Kursziel für die Aktie belässt JPMorgan unverändert bei 5.700 Pence. Im heutigen Handel legte der Wert bereits um 0,8 % zu.

Transformation des Geschäftsmodells durch Partnerschaften

Hinter der Zuversicht der Analysten steht eine weitreichende Neuausrichtung des Markenportfolios. Nachdem die Ausgliederung des Speiseeis-Geschäfts bereits eingeleitet wurde, steht nun die engere Verknüpfung der Lebensmittelsparte mit dem US-Gewürzspezialisten McCormick im Fokus.

Ziel dieser Maßnahmen ist es, Unilever als spezialisierteres Unternehmen zu positionieren, das sich künftig primär auf die Kernsegmente Home Care, Personal Care sowie Beauty & Wellbeing konzentriert.

Dieser Fokuswechsel soll die Agilität des Konzerns erhöhen und die Profitabilität nachhaltig stützen. Ein starker Free Cash Flow dient dabei als finanzielle Basis, um die mit der Trennung verbundenen Kosten zu tragen und gleichzeitig den inneren Wert des Unternehmens zu stabilisieren.

Medienberichten zufolge liegt der geschätzte innere Wert der Aktie derzeit über der aktuellen Marktbewertung, was Unilever für wertorientierte Anleger interessant macht.

Operative Herausforderungen im internationalen Geschäft

Trotz der strategischen Fortschritte sieht sich Unilever auch mit operativen Hürden konfrontiert. In Indien deckten Behörden am heutigen Dienstag in Mumbai ein illegales Netzwerk auf, das Verfallsdaten und Nährwertangaben auf Exportprodukten gefälscht haben soll.

Betroffen sind neben Unilever auch andere internationale Lebensmittelkonzerne wie PepsiCo und Nestlé. Im Zuge des Zugriffs wurden Waren im Wert von etwa 80.000 US-Dollar beschlagnahmt. 19 Exporteure sollen an den Manipulationen beteiligt gewesen sein.

Für das Gesamtjahr bleibt die Entwicklung der Margen das zentrale Thema für die Börse. Während der Portfolio-Umbau, einschließlich der Transaktionen rund um Marken wie Colman’s, die künftigen Erlöse beeinflusst, müssen die verbleibenden Geschäftsbereiche beweisen, dass sie ohne die Volatilität der Lebensmittelsparte ein höheres organisches Wachstum erzielen können.

Anleger achten hierbei besonders auf die Umsetzung der Kosteneinsparungen, die den Übergang zu einer schlankeren Unternehmensstruktur begleiten sollen.