Der Bundesanteil an Uniper ist heiß begehrt. Nach Ende der ersten Interessensbekundungsphase steht fest: Ein breites Feld internationaler Investoren will beim Energieversorger einsteigen — und der Widerstand aus dem Unternehmen selbst wächst.

Schwergewichte aus aller Welt melden sich

Die Liste der Interessenten liest sich wie ein Who’s who der globalen Energiewirtschaft. Equinor aus Norwegen, Vattenfall aus Schweden, TAQA aus Abu Dhabi und TotalEnergies aus Frankreich haben Interesse signalisiert. Hinzu kommen der kanadische Pensionsfonds CPPIB, die Investmentgesellschaft Brookfield sowie die EPH Group des tschechischen Unternehmers Daniel KÅ™etínský. Auch RWE soll laut Insidern nicht abgeneigt sein.

Vattenfall und der frühere Mehrheitseigner Fortum haben ihr Interesse besonders klar benannt: Beide wollen die schwedischen Atom- und Wasserkraftanlagen von Uniper. Equinor prüft nach Informationen des Handelsblatts ein breiteres Angebot.

Direktverkauf oder Börsengang?

Das Finanzministerium will den Bundesanteil von 99,1 Prozent auf 25 Prozent plus eine Aktie reduzieren. Diese Sperrminorität sichert dem Staat ein Vetorecht bei grundlegenden Entscheidungen. Wie der Rückzug konkret aussieht, ist noch offen: Das Ministerium prüft einen Direktverkauf an Großinvestoren, einen Börsengang oder eine Kombination aus beidem.

Verbindliche Angebote erwartet der Bund für den Spätsommer. Ein Abschluss der Transaktion ist frühestens im vierten Quartal 2026 realistisch.

Betriebsrat droht mit Widerstand

Intern regt sich deutlicher Widerstand gegen einen Direktverkauf. Gesamtbetriebsratschef Martin Geilhorn formulierte es unverblümt: „Sollten die Verantwortlichen im Ministerium die Unabhängigkeit von Uniper opfern und an einen strategischen Investor verkaufen wollen, stößt das auf unseren vehementen Widerstand.“ Die Arbeitnehmerseite drängt auf einen Börsengang — und fürchtet bei einem Direktverkauf die Zerschlagung des Konzerns. Auch die Gewerkschaften ver.di und IGBCE haben in einem gemeinsamen Brief an die Bundesregierung appelliert: Versorgungssicherheit und Zukunftsfähigkeit müssten Vorrang haben.

Als Bewertungsanker dient die operative Erholung. Im ersten Quartal 2026 erzielte Uniper ein bereinigtes EBITDA von 407 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr peilt das Management eine EBITDA-Spanne von 1,0 bis 1,3 Milliarden Euro an. Die Aktie notiert bei 46,00 Euro — ein Plus von rund 37 Prozent seit Jahresbeginn, allerdings noch gut 18 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 56,30 Euro.