Der Ausstieg der Bundesrepublik Deutschland beim Energiekonzern Uniper tritt in eine entscheidende Phase. Medienberichten zufolge haben die beauftragten Investmentbanken JPMorgan Chase & Co. und UBS Group im Namen des Bundesfinanzministeriums damit begonnen, potenzielle Käufer direkt anzusprechen.

Ein entsprechender Prozessbrief wurde an mehr als ein Dutzend Interessenten verschickt, um das Verfahren zur Privatisierung des Unternehmens zu formalisieren.

Konkrete Bedingungen für Kaufinteressenten

Die Bundesregierung hat klare Leitplanken für den Verkauf ihrer Anteile gesetzt. Laut Bloomberg werden nicht-bindende Angebote bis zum 21. September erbeten. Dabei verfolgt das Ministerium das Ziel, Uniper als integriertes Unternehmen aus Gashandel und Stromerzeugung zu erhalten.

Der Bund hält derzeit rund 99 Prozent der Anteile und ist durch EU-Auflagen verpflichtet, diese Beteiligung bis spätestens 2028 auf eine Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie zu reduzieren.

Wie die Börsen-Zeitung berichtet, sind an einen möglichen Verkauf strikte Bedingungen geknüpft. Dazu zählen weitreichende Standortgarantien sowie ein Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen für die rund 7.000 Beschäftigten des Konzerns.

Während Finanzkreise den Unternehmenswert derzeit auf etwa 13,5 Milliarden Euro taxieren, liegt die Bewertung an der Börse deutlich höher. Die Marktkapitalisierung beläuft sich aktuell auf 19,26 Milliarden Euro. Der volatile Gashandel wird in Branchenkreisen jedoch als Herausforderung für den Verkaufsprozess gewertet.

Operative Sanierung zeigt Wirkung

Flankiert wird der Privatisierungsprozess durch eine deutliche Verbesserung der Geschäftszahlen. Am vergangenen Dienstag legte Uniper die Bilanz für das erste Halbjahr 2026 vor. Das bereinigte EBITDA stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 88 Prozent auf 711 Millionen Euro. Der bereinigte Konzernüberschuss konnte mit 388 Millionen Euro gegenüber den 135 Millionen Euro aus dem ersten Halbjahr 2025 mehr als verdoppelt werden.

Diese positive Entwicklung ermöglichte es dem Management, die Prognose für das Gesamtjahr anzuheben. Für das Jahr 2026 erwartet Uniper nun ein bereinigtes EBITDA zwischen 1,1 und 1,3 Milliarden Euro. Beim bereinigten Konzernüberschuss wird eine Spanne von 500 bis 600 Millionen Euro angestrebt.

Ein wesentlicher Treiber war der Turnaround im Segment Greener Commodities, das im Gashandel wieder Gewinne ausweist. Zudem profitierte die Stromerzeugung von der Wiederinbetriebnahme des schwedischen Kernkraftwerks Oskarshamn 3, das nach einer unvorhergesehenen Nichtverfügbarkeit seit dem 10. Juli wieder am Netz ist.

Strategische Alternativen und finanzielle Stabilität

Trotz des Fokus auf einen Direktverkauf hält sich Berlin Optionen offen. Medienberichten zufolge bereiten Citigroup und die Deutsche Bank parallel einen möglichen Re-IPO vor. Dieser erneute Börsengang könnte als Ergänzung oder als Alternative dienen, sollte der Verkaufsprozess nicht die gewünschten Ergebnisse liefern.

Die finanzielle Basis für solche Schritte scheint gefestigt: Die ökonomische Netto-Cash-Position verbesserte sich bis Ende Juni auf rund 4,55 Milliarden Euro, verglichen mit 2,82 Milliarden Euro zum Jahresende 2025.

Die gestärkte Bilanz spiegelt sich auch in der Einschätzung der Ratingagenturen wider. Fitch vergab erstmals ein Emittentenrating von BBB- mit stabilem Ausblick, während S&P und Scope ihre Investment-Grade-Ratings bestätigten. An der Börse wird die Entwicklung insgesamt positiv quittiert, auch wenn der Titel heute mit einem Minus von 1,6 Prozent bei 45,70 Euro notiert.

Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie jedoch eine Wertsteigerung von 40 Prozent. Neben dem Verkaufsprozess stehen im September weitere Termine an: Am 8. September nimmt Uniper an Auktionen für wasserstoffbereite Gaskraftwerke teil, für die bereits Kapazitäten von 1,7 Gigawatt an den Standorten Scholven und Staudinger geplant sind.