Uniper baut seine Gasversorgung langfristig um – und schaut dabei über den Atlantik. Der größte deutsche Gashändler hat sich einen Liefervertrag über Flüssigerdgas aus dem kanadischen Ksi-Lisims-Projekt gesichert, der bis zu zwei Jahrzehnte laufen soll. Das ist mehr als nur ein weiterer Lieferant – es ist ein Baustein in einer Strategie, die aus einer existenziellen Krise geboren wurde.

Konkret bezieht Uniper künftig jährlich zwei Millionen Tonnen LNG aus dem Projekt an der kanadischen Westküste. Die ersten Lieferungen sollen ab 2032 fließen. Unterzeichnet wurde die Vereinbarung in der kanadischen Botschaft in Berlin, in Anwesenheit von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche – ein Rahmen, der dem Deal auch politisches Gewicht verleiht.

Wasserkraft statt Diesel-Generator

Besonders macht das Projekt der geplante Einsatz von Wasserkraft für den Verflüssigungsprozess. Damit soll die CO2-Intensität des Gases um bis zu 90 Prozent unter der herkömmlicher LNG-Anlagen liegen. Für Uniper verbindet das zwei Argumente, die in der europäischen Energiedebatte zunehmend zusammengehören: Versorgungssicherheit und Klimabilanz.

Der Vertrag reiht sich ein in eine bereits im Mai geschlossene Absichtserklärung des bundeseigenen Gasimporteurs Sefe, der aus demselben Projekt eine Million Tonnen LNG jährlich beziehen will. Kanada etabliert sich damit als neuer Ankerlieferant für Europa – eine Entwicklung, die direkt auf die Erfahrungen von 2022 zurückgeht, als der Ausfall russischer Pipelinegas-Lieferungen Uniper an den Rand des Zusammenbruchs brachte und den Bund zum Alleineigentümer machte.

Genau dieser Hintergrund verleiht dem aktuellen Deal seine Brisanz. Die EU-Auflagen aus der damaligen Rettung verpflichten Deutschland, seine Beteiligung an Uniper bis Ende 2028 auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie zu senken. Ein diversifiziertes, langfristig abgesichertes Portfolio dürfte das Unternehmen für private Investoren attraktiver machen – auch wenn der Lieferbeginn erst 2032 liegt und Preis- wie Marktbedingungen bis dahin noch offen sind.

An der Börse zeigte sich die Aktie am Vormittag nahezu unverändert bei rund 41 Euro. Der eigentliche Test für den Deal kommt ohnehin erst in den kommenden Jahren, wenn sich zeigt, wie sich Gaspreise und Nachfrage bis zum Lieferstart 2032 entwickeln.