US-Anleiherenditen klettern auf höchsten Stand seit 2002

Inflationssorgen, erwartete Zinsschritte und ein großes Angebot neuer Schuldtitel treiben die Renditen weltweit nach oben.

KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert
Kurz & knapp:
  • Zehnjährige US-Papiere rentieren mit 5,34 Prozent
  • 30-jährige Rendite zeitweise bei 5,70 Prozent
  • Brent-Öl kostet wieder über 100 Dollar
  • Frankreichs Renditeabstand zu Deutschland wächst

Die Renditen von Staatsanleihen steigen weltweit auf Niveaus, die Anleger seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben. Verantwortlich dafür ist das Zusammenspiel aus hartnäckigem Inflationsdruck durch hohe Energiepreise, weiteren Zinsschritten der Notenbanken und einer gewaltigen Flut an neuen Schuldtiteln. Die Hoffnung vieler Marktbeobachter auf eine baldige Entspannung am Rentenmarkt erweist sich vorerst als verfrüht.

An den US-Märkten erreichte die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen zuletzt 5,34 Prozent. Das markiert den höchsten Stand seit dem Jahr 2002. Bei den Papieren mit 30-jähriger Laufzeit kletterte der Satz zeitweise auf 5,70 Prozent.

Falsche Zinserwartungen und teures Rohöl

Viele Rentenstrategen hatten über Monate hinweg sinkende Sätze prognostiziert. Diese Annahme basierte auf der Erwartung, dass die Federal Reserve ihren Zinserhöhungskurs bald beenden oder abmildern würde. Die wirtschaftliche Realität verlief anders. Die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um robuste 2,2 Prozent und zeigte sich damit widerstandsfähiger als gedacht.

Gleichzeitig heizt der Krieg mit dem Iran die Energiekosten an. Die Nordseesorte Brent notiert wieder über der Marke von 100 Dollar je Barrel. Das schürt Sorgen vor einer neuen Inflationswelle. Händler preisen an den Terminmärkten zwar eine Zinspause der US-Notenbank für die laufende Sitzung ein, rechnen für den Dezember jedoch fest mit einem weiteren Zinsschritt.

Der Verkaufsdruck an den Anleihemärkten zieht auch andere Anlageklassen in Mitleidenschaft. An der Wall Street gaben die Index-Futures am Mittwoch nach, nachdem steigende Finanzierungskosten die jüngste Rekordjagd bei Technologiewerten bremsten.

Hohe Schuldenaufnahme verstärkt den Druck

Zusätzliche Belastung entsteht durch das enorme Angebot an neuen Papieren. Staaten müssen wachsende Haushaltsdefizite finanzieren, während gleichzeitig große Technologieunternehmen Milliardensummen am Kapitalmarkt aufnehmen, um den Ausbau von künstlicher Intelligenz zu stemmen.

In Europa zeigt sich ein ähnliches Bild der Nervosität. Während deutsches Kapital als sicherer Hafen gesucht bleibt, gerieten französische Staatspapiere wegen Zweifeln an der Haushaltsdisziplin unter Verkaufsdruck. Der Renditeabstand zwischen zehnjährigen französischen und deutschen Anleihen weitete sich zeitweise auf rund 160 Basispunkte aus.

Am Mittwochabend richtet sich der Blick der Marktteilnehmer auf das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung. Die Veröffentlichung dürfte offenlegen, wie entschlossen die US-Währungshüter angesichts des anhaltenden Preisdrucks an weiteren Zinsanhebungen festhalten wollen.

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Felix Baarz arbeitet seit 2016 als Wirtschaftsjournalist und gehört zur Redaktion der YES Investmedia GmbH.Unter seinem Namen erscheinen auf Trading-Treff seit März 2025 Beiträge zu Aktien, Trading und Indizes sowie zu wirtschaftlichen Rahmenthemen. Schwerpunkte sind Rohstoffwerte sowie KI- und Technologiewerte.Quellen dieses Ressorts: Unternehmensmitteilungen und Pflichtveröffentlichungen, Geschäftsberichte und Quartalszahlen, Kurs- und Handelsdaten der Börsenplätze sowie Meldungen der Nachrichtenagenturen. Bei Index- und Trading-Themen zusätzlich die Zusammensetzung und Anpassungen der Indexanbieter sowie Terminmarktdaten; bei Technologie- und KI-Werten Produktankündigungen und Geschäftszahlen der Unternehmen.Einordnung: Analystenurteile und Kursziele erscheinen als Aussage der jeweiligen Häuser, nicht als Bewertung der Redaktion. Kurs- und Unternehmensangaben geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.