Amerikanische Unternehmen halten an ihren Beschäftigten fest wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In der Woche bis zum 31. Oktober stellten lediglich 189.000 Bürger erstmals einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe. Das Niveau markiert den tiefsten Stand seit 1969. Trotz der extrem niedrigen Entlassungszahlen heizt der Arbeitsmarkt die Inflation nicht an, weil ein kräftiger Produktivitätsschub die Kosten dämpft.

Produktivität bremst die Lohnkosten

Außerhalb der Landwirtschaft kletterte die US-Produktivität im dritten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 3,6 Prozent. Volkswirte hatten lediglich mit einem Zuwachs von 2,8 Prozent gerechnet. Dieser Effizienzgewinn verändert das Zusammenspiel zwischen Beschäftigung und Preisdruck grundlegend.

Die Lohnstückkosten der Betriebe sanken im gleichen Zeitraum um 0,7 Prozent. Weil die Leistung je Arbeitsstunde stärker zulegte als die Vergütung, nahm der interne Kostendruck spürbar ab. Für die US-Notenbank Federal Reserve bringt das eine Entlastung mit sich: Ein fester Beschäftigungsstand führt derzeit nicht zwangsläufig zu neuem Lohndruck auf die Endverbraucherpreise. Die Fed hatte ihren Leitzins zuletzt in einer Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent belassen.

Einstellungsstopp statt Kündigungswelle

Das Bild am Arbeitsmarkt ist allerdings zweigeteilt. Während Entlassungen ausbleiben, verläuft die Neueinstellung von Personal schleppend. Die Folgeanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen in der Woche bis zum 24. Oktober auf 1.718.000 Personen. Wer seinen Arbeitsplatz verliert, verweilt somit länger in der Erwerbslosigkeit.

Unternehmensberichte bestätigen dieses Verhalten. Zwar kündigten Betriebe im Oktober Pläne für saisonale Aushilfen an, feste Neueinstellungen halten sich jedoch in engen Grenzen. Die Unsicherheit im wirtschaftlichen Umfeld bremst langfristige Personalentscheidungen.

An den New Yorker Terminmärkten reagierten die Indizes am Donnerstag uneinheitlich auf die Veröffentlichungen. Während die Futures auf den Dow Jones um 0,6 Prozent zulegten, verloren die Kontrakte auf den Nasdaq 100 rund 0,9 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen verharrte bei 4,91 Prozent.

Ob sich diese Konstellation verfestigt, zeigt sich am Freitag, 6. November. Dann veröffentlicht die US-Regierung den offiziellen Arbeitsmarktbericht für Oktober, für den Ökonomen einen Stellenzuwachs von 65.000 Stellen und eine unveränderte Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent prognostizieren.