Der US-Dollar profitiert von den weltweiten Verwerfungen an den Rentenmärkten und steuert auf den dritten Wochengewinn in Folge zu. Nicht etwa neue Zinserhöhungssignale aus den USA treiben die Leitwährung, sondern vor allem die wachsende Skepsis gegenüber europäischen Staatsfinanzen. Anleger suchen Schutz im Greenback, während der Euro spürbar nachgibt.
Der Dollar-Index, der die US-Währung im Vergleich zu sechs wichtigen Partnern misst, behauptete sich am Freitag bei 102,08 Punkten. Das ist der höchste Stand seit April 2025. Auf Wochensicht zeichnet sich ein Anstieg von rund einem Prozent ab.
Fiskalsorgen in Europa belasten die Gemeinschaftswährung
Der Auftrieb des Dollar geht zu einem großen Teil zulasten des Euro. Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,1215 Dollar und erreichte damit den tiefsten Stand seit Mai 2025. Auch gegenüber dem Schweizer Franken und dem japanischen Yen gab die europäische Leitwährung am Freitag spürbar nach.
Hintergrund der Schwäche sind wachsende Haushaltsrisiken in Paris. Der Zinsaufschlag für französische Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen kletterte über 140 Basispunkte. Das markiert den höchsten Stand seit dem Jahr 2012. Die Renditen französischer Staatspapiere kletterten auf ein 14-Jahres-Hoch, was das Vertrauen in europäische Schuldtitel dämpfte.
Die Spannungen im Nahen Osten und die dadurch gestiegenen Energiekosten verstärken die Zurückhaltung an den Märkten. Rohöl der Sorte Brent notierte zuletzt wieder über 102 Dollar je Barrel. Höhere Ölpreise schüren Ängste vor anhaltendem Inflationsdruck, was Staaten mit angespannter Haushaltslage besonders empfindlich trifft.
US-Anleiherenditen pendeln auf hohem Niveau
Parallel dazu beruhigte sich der US-Rentenmarkt nach den jüngsten Ausschlägen leicht. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe hatte am Vortag mit 5,34 Prozent den höchsten Stand seit 2002 erreicht. Im asiatischen Handel am Freitag pendelte sie sich bei rund 5,25 Prozent ein.
Am Markt wächst die Erkenntnis, dass die gestiegenen langfristigen Zinsen vor allem auf höhere Risikoprämien für Staatsanleihen zurückgehen. Bei der US-Notenbank Federal Reserve preisen die Terminmärkte für Oktober nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent für eine weitere Zinserhöhung ein. Vor einer Woche lag dieser Wert noch bei 69 Prozent.
Die nächsten Signale liefert der anstehende US-Arbeitsmarktbericht für September. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Zuwachs von 90.000 neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft und einer unveränderten Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent. Fallen die Zahlen oder der begleitende Lohndruck höher aus als erwartet, könnte dies die Zinsdiskussion rasch wieder neu entfachen.


