Der Preisdruck in den Vereinigten Staaten greift wieder um sich. Im September kletterten die US-Einfuhrpreise um 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat, während Ökonomen lediglich mit einem Plus von 0,8 bis 0,9 Prozent gerechnet hatten. Auf Jahressicht verteuerten sich die Importe um 8,1 Prozent – der stärkste Zuwachs seit mehr als vier Jahren. Für die US-Notenbank Federal Reserve bedeutet dieser Schub, dass der Kampf gegen die Inflation keineswegs ausgestanden ist.
Energie und Zölle verteuern Einfuhren
Haupttreiber der Entwicklung waren importierte Brennstoffe, die binnen Monatsfrist um 4,8 Prozent anzogen. Auf Jahressicht liegen die Treibstoffkosten für Einfuhren damit mehr als ein Drittel höher. Der anhaltende militärische Konflikt im Nahen Osten hält die internationalen Ölpreise auf hohem Niveau und belastet globale Lieferketten.
Allerdings beschränkt sich die Teuerung nicht mehr allein auf den Energiesektor. Auch ohne Brennstoffe stiegen die Importpreise im September um 0,7 Prozent. Im Zwölfmonatsvergleich beträgt das Plus in dieser Kernrate rund sechs Prozent. Ökonomen führen diesen breiten Anstieg neben den Transportengpässen auch auf die US-Zollpolitik zurück.
Parallel dazu verteuerten sich Warenlieferungen aus dem Ausland auf breiter Front. Importe aus China stiegen um 0,7 Prozent, während sich Produkte aus der Europäischen Union um 0,3 Prozent verteuerten. Selbst bei Investitionsgütern wie Computern und Halbleitern zogen die Einfuhrkosten um 0,9 Prozent an, getrieben vom weltweiten Investitionsschub in künstliche Intelligenz.
Dämpfer für Zinssenkungshoffnungen
Für die US-Wirtschaft sind steigende Importpreise ein verlässlicher Frühindikator. Wenn Unternehmen im Ausland teurer einkaufen müssen, reichen sie diese Aufschläge früher oder später an Endkunden weiter. Die bereits gemeldeten Verbraucherpreise für September legten um 0,6 Prozent zu, während die Erzeugerpreise sogar um 1,3 Prozent nach oben schossen.
Gleichzeitig verliert die US-Industrie an Schwung. Die Fabrikproduktion stieg im September zwar um 0,3 Prozent, blieb damit aber hinter den Erwartungen zurück. Im dritten Quartal wuchs die Industrieproduktion annualisiert nur noch um 0,7 Prozent, nach 5,6 Prozent im Frühjahr. Steigende Kreditkosten, hohe Dieselpreise und Handelsstreitigkeiten belasten die Betriebe spürbar.
Die Federal Reserve steht vor einer heiklen Gratwanderung zwischen schwächelnder Industrieproduktion und hartnäckiger Teuerung. An den Finanzmärkten wird überwiegend erwartet, dass die Notenbank bei ihrer Sitzung am 28. Oktober den Leitzins in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent belässt, bevor im Dezember eine weitere Straffung folgen könnte. Bereits am 29. Oktober folgen mit den neuen Daten zum Bruttoinlandsprodukt und dem PCE-Preisindex für das dritte Quartal die nächsten Richtungsweiser für diesen Pfad.


