US-Industrie expandiert unerwartet bei hohem Preisdruck

Der Einkaufsmanagerindex steigt auf 55,5 Punkte; anhaltende Kostensteigerungen nähren Erwartungen einer US-Zinserhöhung im Dezember.

KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert
Kurz & knapp:
  • Einkaufsmanagerindex steigt auf 55,5 Punkte
  • Einkaufspreise bleiben trotz Rückgang hoch
  • US-Wirtschaft wächst im dritten Quartal
  • Ökonomen erwarten Zinsschritt im Dezember

Die US-Industrie meldet sich mit überraschender Dynamik zurück. Für die US-Notenbank bringt das jedoch keine Entwarnung: Weil robuste Auftragseingänge auf hartnäckig teure Vorprodukte treffen, bleibt der Preisdruck hoch. Statt über Zinssenkungen nachzudenken, stellen sich Marktteilnehmer auf eine weitere Anhebung der Leitzinsen im Dezember ein.

Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe kletterte im Oktober unerwartet auf 55,5 Punkte. Ökonomen hatten mit einer Stagnation auf dem Vormonatsniveau von 54,5 Punkten gerechnet. Getrieben wird der Aufschwung vor allem durch robuste Konsumausgaben und anhaltende Unternehmensinvestitionen in Künstliche Intelligenz.

Teure Vorprodukte und trübe Stimmung

Ein genauer Blick auf die Daten dämpft die Freude an den Fabriktoren. Trotz der höheren Auslastung beurteilen viele Betriebe ihr Geschäftsumfeld pessimistisch. Vor allem die stark schwankenden Rohstoffpreise, verlängerte Lieferzeiten und internationale Handelskonflikte belasten die Planungssicherheit der Industrie.

Der Teilindex für die bezahlten Einkaufspreise fiel zwar leicht von 77,9 auf 75,2 Punkte. Er signalisiert damit aber weiterhin eine massive Verteuerung von Vorprodukten. Engpässe bei Aluminium, Kupfer und Speicherchips treiben die Kosten der Betriebe nach oben.

Hinzu kommt die Belastung durch teurere Energie infolge des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten. Viele Kunden zögern vor langfristigen Zusagen, weil die Preise für Maschinen und Ausrüstung spürbar angezogen haben. Die Kluft zwischen volleren Auftragsbüchern und Kostendruck wird für viele Unternehmen größer.

Notenbank vor schwieriger Dezember-Sitzung

Für die Federal Reserve bedeutet diese Kombination ein geldpolitisches Dilemma. Die US-Wirtschaft wuchs im dritten Quartal mit einer annualisierten Rate von 3,4 Prozent. Die von der Notenbank genau beobachtete Teuerungsrate der persönlichen Konsumausgaben lag im September bei 3,6 Prozent – und damit deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent.

Zwar beließ die Notenbank ihren Leitzins in der vergangenen Woche in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Ökonomen rechnen angesichts des anhaltenden Preisauftriebs nun jedoch mit einem Zinsschritt nach oben im Dezember.

Der weitere Kurs hängt kurzfristig von den anstehenden US-Arbeitsmarktdaten am kommenden Freitag ab. Liegen die neu geschaffenen Stellen deutlich über der Schätzung von 63.000, dürften die Befürworter höherer Zinsen zusätzlichen Auftrieb erhalten.

Über Felix Baarz 8612 Artikel
Felix Baarz arbeitet seit 2016 als Wirtschaftsjournalist und gehört zur Redaktion der YES Investmedia GmbH.Unter seinem Namen erscheinen auf Trading-Treff seit März 2025 Beiträge zu Aktien, Trading und Indizes sowie zu wirtschaftlichen Rahmenthemen. Schwerpunkte sind Rohstoffwerte sowie KI- und Technologiewerte.Quellen dieses Ressorts: Unternehmensmitteilungen und Pflichtveröffentlichungen, Geschäftsberichte und Quartalszahlen, Kurs- und Handelsdaten der Börsenplätze sowie Meldungen der Nachrichtenagenturen. Bei Index- und Trading-Themen zusätzlich die Zusammensetzung und Anpassungen der Indexanbieter sowie Terminmarktdaten; bei Technologie- und KI-Werten Produktankündigungen und Geschäftszahlen der Unternehmen.Einordnung: Analystenurteile und Kursziele erscheinen als Aussage der jeweiligen Häuser, nicht als Bewertung der Redaktion. Kurs- und Unternehmensangaben geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.