Die US-Inflation hat im August weniger stark zugelegt als an den Märkten befürchtet. Damit schwindet für die Federal Reserve die Dringlichkeit, ihren Leitzins bereits bei der nächsten Sitzung im Oktober erneut anzuheben. Nach der ersten Zinserhöhung seit drei Jahren auf die Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent verschafft die jüngste Preisentwicklung den Währungshütern vorerst mehr Spielraum.
Der Preisindex der persönlichen Konsumausgaben stieg im August um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat. Volkswirte hatten im Vorfeld mit einem Zuwachs von 0,4 Prozent gerechnet. Im Jahresvergleich verharrte die Inflationsrate bei 3,4 Prozent.
Verantwortlich für den jüngsten Anstieg waren vor allem anziehende Benzinpreise, während Nahrungsmittel im Monatsvergleich stabil blieben. Ohne die schwankungsanfälligen Bereiche Energie und Ernährung lag die Teuerungsrate im Zwölfmonatsvergleich bei 3,0 Prozent. Methodische Anpassungen bei der Berechnung von Finanz- und Rechtsdienstleistungen dämpften den Wert zusätzlich.
Zinsmärkte preisen Pause ein
An den Finanzmärkten sanken die Wetten auf einen weiteren Zinsschritt am 28. Oktober spürbar. Die Wahrscheinlichkeit für eine Straffung fiel an den Terminmärkten auf rund 41,5 Prozent, nachdem sie Anfang der Woche noch bei 70 Prozent gelegen hatte.
Unterstützt wurde dieser Stimmungsumschwung durch Äußerungen aus den Reihen der US-Notenbank: New-York-Fed-Präsident John Williams betonte, er sehe keine Eile für unmittelbare Maßnahmen. Marktbeobachter verschieben ihre Erwartungen für eine Anhebung vermehrt auf die Dezembersitzung oder erwägen ein vorzeitiges Ende des Straffungszyklus.
Robuster Konsum stützt die Konjunktur
Allerdings bleibt der weitere Zinspfad anspruchsvoll. Die privaten Konsumausgaben legten im August um kräftige 0,9 Prozent zu, gestützt von Unternehmensinvestitionen in die Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Die Sparquote der privaten Haushalte sank parallel dazu auf 4,1 Prozent.
Die US-Wirtschaft zeigt sich damit vorerst widerstandsfähig, was die Gefahr einer anhaltend hartnäckigen Teuerung nicht vollends bannt. Ob die Notenbank Ende Oktober tatsächlich die Zinsen unverändert lässt, dürfte maßgeblich vom anstehenden monatlichen Arbeitsmarktbericht und den kommenden Verbraucherpreisdaten für September abhängen.


