US-Jobmarkt: Stärke täuscht

Der US-Arbeitsmarktbericht zeigt einen Rekordzuwachs an Jobs, doch sinkende Arbeitszeiten und Löhne offenbaren strukturelle Probleme. Der Iran-Konflikt und politische Spannungen belasten die Wirtschaftsaussichten.

US-Jobmarkt: Stärke täuscht
Kurz & knapp:
  • Rekord-Jobzuwachs bei gleichzeitig sinkender Wochenarbeitszeit
  • Lohnwachstum auf niedrigstem Stand seit Jahren
  • Iran-Krieg treibt Ölpreise und verzögert Fed-Zinssenkungen
  • Gesundheitswesen als Jobmotor, IT-Branche verliert Stellen

Der März-Arbeitsmarktbericht der USA überraschte fast alle Volkswirte — und löste dennoch kaum Erleichterung aus. Denn hinter den starken Schlagzeilen verbergen sich tiefe Risse, während der Krieg gegen den Iran die Wirtschaft in eine neue, unkalkulierbare Phase treibt.

Starke Zahlen, schwaches Fundament

178.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft — das ist der größte Zuwachs seit 15 Monaten und weit über den Erwartungen von 60.000. Auf den ersten Blick ein Triumph. Doch die Details zeichnen ein nüchterneres Bild.

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit sank auf 34,2 Stunden. Das Lohnwachstum verlangsamte sich auf 3,5 Prozent im Jahresvergleich — den schwächsten Wert seit Mai 2021. Und obwohl die Arbeitslosenquote von 4,4 auf 4,3 Prozent fiel, hat dieser Rückgang einen unschönen Grund: Rund 396.000 Menschen verschwanden aus dem Erwerbsleben, ohne einen Job gefunden zu haben. Die Erwerbsquote rutschte unter 62 Prozent — erstmals seit der Covid-Pandemie.

„Das ist ein Jobmarkt der zwei Gesichter“, bringt es Bill Adams, Chefökonom der Fifth Third Commercial Bank, auf den Punkt. Im Gesamtquartal wuchs die Beschäftigung nur um durchschnittlich 68.000 Stellen pro Monat — ein realistischeres Bild der Lage.

Gesundheitssektor dominiert, KI kostet Jobs

Der Blick auf die Branchenverteilung zeigt, wie ungleich der Aufschwung verteilt ist. Das Gesundheitswesen steuerte allein 76.000 der neuen Stellen bei — darunter 35.000 Rückkehrer nach einem Streik. Restaurants, Bars und Bauwirtschaft legten ebenfalls zu. Das verarbeitende Gewerbe verzeichnete mit 15.000 neuen Stellen den stärksten Zuwachs seit November 2023.

Gleichzeitig verlor die Bundesregierung weitere 18.000 Stellen — seit Oktober 2024 sind es bereits 355.000 weniger Bundesbedienstete, ein Minus von fast zwölf Prozent. Und im Bereich Computer und IT-Dienstleistungen fielen 13.200 Arbeitsplätze weg, ein klares Signal, dass die Automatisierung durch Künstliche Intelligenz erste Spuren im Stellenmarkt hinterlässt.

Die Fed bleibt auf der Seitenbank

Für die US-Notenbank ändert der Bericht wenig. Angesichts des laufenden Konflikts mit dem Iran — der die globalen Ölpreise um mehr als 50 Prozent in die Höhe getrieben hat — bleibt eine Zinssenkung in weiter Ferne. Die Futures-Märkte preisen für dieses Jahr nahezu keine Leitzinssenkung ein. Der Leitzins verbleibt im Band von 3,50 bis 3,75 Prozent.

„Ein großes Überraschungsmoment bräuchte es, um die Fed jetzt zu einem Schnitt zu drängen“, schrieb Adams. Stratege Steve Sosnick von Interactive Brokers kommentierte trocken: „Wer auf Zinssenkungen hofft, dem hilft dieser Bericht nicht weiter.“

Zumal die Fed gerade auch institutionell unter Druck steht. Ein US-Bundesrichter bestätigte diese Woche seine Entscheidung, Vorladungen gegen Notenbankchef Jerome Powell zu blockieren. Die Ermittlungen, initiiert von Staatsanwältin Jeanine Pirro — eine enge Vertraute von Präsident Donald Trump — gelten weithin als politisch motiviert. Richter Boasberg stellte fest, die Staatsanwaltschaft habe „keinerlei Belege für Betrug“ vorgelegt. Das Verfahren dürfte in die nächste Instanz gehen, was auch die Bestätigung von Trumps Wunschnachfolger Kevin Warsh als Fed-Chef weiter verzögert.

Iran-Krieg: Zwischen Waffenstillstand und Eskalation

Was den wirtschaftlichen Ausblick am stärksten prägt, ist der Krieg im Nahen Osten. Der Konflikt mit dem Iran — nun im zweiten Monat — hat bereits rund 3,2 Billionen Dollar an Börsenwert vernichtet. Der nationale Durchschnittspreis für Benzin überstieg erstmals seit mehr als drei Jahren die Vier-Dollar-Marke.

Geopolitikstratege Matt Gertken von BCA Research skizziert zwei konkurrierende Szenarien für die Märkte. Im optimistischen Fall: Trump einigt sich auf eine temporäre Deeskalation, der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus normalisiert sich, Ölpreise fallen — und risikobehaftete Anlagen erholen sich. Bereits das kurze Aufatmen Ende März zeigte, wie schnell die Märkte auf solche Signale reagieren können.

Das düstere Szenario: Sollte die Republikanische Partei bei den Zwischenwahlen keine Chancen mehr sehen, könnte Trump den militärischen Druck erhöhen, statt die wirtschaftlichen Schäden zu begrenzen. „Sobald die Zwischenwahl als verloren gilt, hat der Präsident einen Anreiz, seinen militärischen Sieg zu maximieren, anstatt seine wirtschaftliche Niederlage zu minimieren“, schreibt Gertken. BCA warnt: Bleibt der Druck auf die Energieversorgung bestehen, könnte der wirtschaftliche Schaden bis Mitte April „irreparabel“ werden.

Weltwirtschaft spürt den Druck

Die Folgen strahlen weit über die USA hinaus. Die italienische Notenbank senkte ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,6 Prozent — unter das Regierungsziel von 0,7 Prozent. Gleichzeitig stieg die Inflationsprognose auf 2,6 Prozent, deutlich über dem EZB-Ziel. Im Negativszenario drohe Italien 2027 sogar eine Rezession, warnt die Banca d’Italia.

Und bereits am Montag steht der nächste Stresstest für die Märkte an: Der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor — ein entscheidender Frühindikator für Konjunktur und Inflation — wird um 16:00 Uhr MEZ veröffentlicht. Erwartet wird ein Wert von 55,0 nach zuvor 56,1.

Die Botschaft aus all diesen Signalen ist klar: Die US-Wirtschaft zeigt noch Lebenszeichen, aber die Risiken wachsen schneller als die Zahlen.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.