Die Finanzmärkte starten am heutigen Wahltag mit spürbarer Zurückhaltung. Bei den US-Midterms entscheidet sich, ob Präsident Donald Trump seine Mehrheit im Kongress behauptet oder ob eine geteilte Legislative die wirtschaftspolitische Agenda bremst. Umfragen signalisieren einen möglichen Sieg der Demokraten im Repräsentantenhaus, was vor allem die hoch bewertete Technologiebranche belasten könnte.

Seit Beginn der zweiten Amtszeit Trumps legte der S&P 500 um rund 27 Prozent zu. Zuletzt gab der Leitindex leicht nach und schloss bei 7.541,83 Punkten. Hohe Anleiherenditen von rund 4,91 Prozent für zehnjährige US-Staatspapiere dämpfen derweil die Risikobereitschaft.

Sorge vor strengerer Regulierung der Tech-Branche

Sollte die Opposition mindestens eine Kammer erobern, droht dem KI-Sektor politischer Gegenwind. Demokratische Abgeordnete bereiten strengere Sicherheitsstandards für Entwickler und eine schärfere Prüfung von Rechenzentren vor. Einer aktuellen Erhebung zufolge befürwortet lediglich ein Drittel der US-Bürger das aktuelle Tempo beim Bau dieser Rechenzentren.

Ein geteilter Kongress muss für die Börsen jedoch kein Rückschlag sein. Historische Daten zeigen, dass der US-Aktienmarkt nach einem Verlust des Repräsentantenhauses durch die Regierungspartei in der Mehrheit der Fälle bis zum Jahresende stieg. Der mittlere Kursgewinn lag in diesen Zyklen bei 1,4 Prozent. Marktteilnehmer schätzen an einer parlamentarischen Pattsituation traditionell die geringere Wahrscheinlichkeit überraschender Gesetzesänderungen.

Schuldenpolitik rückt in den Fokus

Verteidigen die Republikaner hingegen beide Kammern, erwarten Volkswirte weitere Steuersenkungen und steigende Rüstungsausgaben. Dies würde zwar die Deregulierung fortsetzen, zugleich aber das ohnehin hohe US-Haushaltsdefizit vergrößern. Eine solche Entwicklung könnte den Druck auf die Zinsen am langen Ende der Zinskurve weiter erhöhen.

Konkrete Signale zur Schuldenlage folgen am morgigen Mittwoch. Das US-Finanzministerium stellt dann seine Pläne für künftige Anleiheauktionen vor, nachdem der Kreditbedarf für das vierte Quartal auf 618 Milliarden Dollar veranschlagt wurde. Abhängig vom Wahlergebnis dürften sich die Erwartungen an künftige Auktionsvolumina und die Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen spürbar verschieben.