Die Federal Reserve widersetzt sich dem politischen Druck aus dem Weißen Haus und schlägt einen spürbar strafferen Kurs ein. Am Mittwoch hob die US-Notenbank ihren Leitzins einstimmig auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an. Es ist der erste Zinsschritt nach oben seit Juli 2023. Notenbankchef Kevin Warsh sendet damit ein klares Signal: Die Bekämpfung der Inflation hat Vorrang vor Rufen aus der Politik.
Trumps Zinsforderung verfehlt die Realität
Donald Trump reagierte prompt. Stunden nach dem Zinsentscheid forderte der US-Präsident einen Leitzins von höchstens einem Prozent, da die USA die beste Bonität der Welt besäßen.
Ein derart niedriges Zinsniveau würde jedoch bei einer Teuerungsrate von 3,40 Prozent einen negativen Realzins bedeuten. Die Notenbank begründet ihr Handeln mit der hartnäckigen Inflation, die seit mehr als fünfeinhalb Jahren über dem Zielwert liegt. Neben bestehenden Zöllen treibt vor allem der Krieg gegen den Iran die Energiekosten in die Höhe.
Druck am Anleihemarkt
Die Finanzmärkte reagierten unmittelbar auf den Beschluss. An der Wall Street gab der breite US-Aktienmarkt um 0,45 Prozent nach. Zeitgleich kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 5,02 Prozent und überwand damit eine viel beachtete Marke.
Der Zinsanstieg am Anleihemarkt verteuert die Finanzierung für Staat und Unternehmen. Besonders zinssensible Segmente wie kleinere Aktiengesellschaften geraten dadurch in ein schwierigeres Umfeld. Marktbeobachter werten die Geschlossenheit der Währungshüter als Beleg dafür, dass ökonomische Fakten die politische Einflussnahme vorerst überwiegen.
Ein weiterer Zinsschritt im Visier
Die neuen Prognosen der Notenbank untermauern die harte Linie. Eine deutliche Mehrheit der Währungshüter stellt eine weitere Erhöhung vor dem Jahresende in Aussicht. Zugleich hob die Fed ihre Projektion für das US-Wirtschaftswachstum auf 2,30 Prozent an.
Für die nächste Sitzung im Oktober signalisieren die Terminmärkte bereits eine ausgeglichene Wahrscheinlichkeit für einen Folgeschritt. Die Fed steuert damit auf eine weitere Straffung zu, unmittelbar vor den richtungsweisenden US-Kongresswahlen.


