Die Federal Reserve vollzieht die geldpolitische Kehrtwende. Am Mittwochabend hob die US-Notenbank ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh demonstriert damit die Unabhängigkeit der Notenbank im Kampf gegen die hartnäckige Teuerung.
Es ist die erste Zinserhöhung der Fed seit Juli 2023. Zuvor hatten die Währungshüter den Leitzins seit Dezember 2025 unverändert gelassen. Warsh verzichtete auf konkrete Signale für künftige Zinsschritte und betonte, er fixiere sich nicht auf einzelne Datenpunkte. Seine Aussagen zur Teuerung deuteten Marktbeobachter gleichwohl als klares Signal für weitere Schritte.
Märkte stellen sich auf Folgeschritte ein
An den Terminmärkten werden inzwischen drei weitere Anhebungen eingepreist. Die eigenen Projektionen der Notenbank hatten zuvor lediglich einen weiteren Zinsschritt für dieses Jahr vorgesehen. Goldman Sachs rechnet nun bereits mit einer weiteren Erhöhung im Oktober. Dies sei ein logischer Schritt, um die Rückkehr zum Inflationsziel von 2 Prozent zu beschleunigen.
Am Anleihemarkt kletterten die Renditen kurzfristiger US-Staatspapiere auf den höchsten Stand seit Mitte 2024. Der Dollar stieg auf ein Siebenwochenhoch. Längere Laufzeiten reagierten hingegen mit Entspannung auf den entschlossenen Kurs der Notenbank. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Anleihe verharrte unter der Marke von 5 Prozent.
Erleichterung an den europäischen Aktienmärkten
Die Aktienmärkte zeigten sich unbeeindruckt vom Zinsschritt. Der DAX eröffnete am Donnerstag 0,56 Prozent fester bei 25.681,60 Punkten. Neben der Beruhigung am langen Ende der Zinskurve stützten leicht nachgebende Ölpreise das Sentiment. Zuvor hatte ein Barrel der Nordseesorte Brent zeitweise über 108 Dollar gekostet.
Der Schritt in Washington erhöht den Handlungsdruck auf andere Zentralbanken weltweit. Marktbeobachter gehen davon aus, dass Notenbanken in Europa, Großbritannien, Japan, Australien und Neuseeland ihre Zügel bis zum Jahresende weiter anziehen müssen. Die Bank of England entscheidet noch am Donnerstag über ihren Leitzins, gefolgt von der Bank of Japan am Freitag.
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