Die Federal Reserve strafft ihre Geldpolitik überraschend früh und treibt den Leitzins wieder nach oben. Anleger an den internationalen Finanzmärkten reagieren dennoch erleichtert: Da der Zinsschritt um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent fest erwartet worden war, beseitigt der Beschluss vor allem die vorangegangene Ungewissheit. Entlastung brachten parallel dazu fallende Ölpreise und nachgebende Renditen bei US-Staatsanleihen.
Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank entschied das Votum am Mittwoch einstimmig mit 12 zu 0 Stimmen. Nach fünf Zinspausen in Folge war es die erste Straffung unter Fed-Chef Kevin Warsh. Dieser betonte im Anschluss, dass die Inflation in den USA erhöht bleibe, der jüngste Beschluss jedoch eine zeitnahe Rückkehr zum Zwei-Prozent-Ziel stützen solle.
Höhere Zins- und Wachstumsprognosen für 2026
Gepaart war die Zinsentscheidung mit einer spürbaren Anpassung des wirtschaftlichen Ausblicks. Für 2026 rechnet die Fed nun mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent statt der zuvor geschätzten 2,2 Prozent. Die erwartete Arbeitslosenquote senkten die Währungshüter derweil auf 4,1 Prozent ab.
Beim Preisdruck zeichnet die Notenbank allerdings ein hartnäckigeres Bild. Die Kerninflation wird für das laufende Jahr inzwischen bei 3,4 Prozent gesehen. Passend dazu signalisieren die Zinspfad-Projektionen einen weiteren Anstieg des Leitzinses auf 4,1 Prozent im Jahr 2026, was mindestens einen weiteren Zinsschritt nach sich ziehen dürfte.
Erholung an den Aktien- und Kryptomärkten
Die Furcht vor einer geldpolitischen Abkühlung schlug an den Börsen nicht durch. Am europäischen Aktienmarkt schloss der DAX am Donnerstag mit einem Plus von 0,7 Prozent. Der marktbreite Stoxx 600 kletterte um 0,86 Prozent, während der Londoner FTSE 100 um 1,19 Prozent zulegte.
Unterstützung kam dabei von den Rohstoffmärkten. Die Notierung für Brent-Rohöl gab zeitweise bis auf 101,50 Dollar nach, weil zusätzliche Lieferungen über Oman die Sorgen vor Versorgungsengpässen dämpften. Das verringert den unmittelbaren Inflationsdruck und stabilisiert die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, die unter die Marke von 5,0 Prozent sank.
Auch risikoreichere Anlageklassen zeigten sich widerstandsfähig. Der Kryptomarkt verzeichnete binnen 24 Stunden einen Zuwachs der weltweiten Marktkapitalisierung um 1,4 Prozent auf 2,61 Billionen Dollar. Bitcoin verteuerte sich um 1,7 Prozent auf 76.692,28 Dollar, nachdem er zuvor durch das Scheitern des US-Regulierungsgesetzes CLARITY Act im Senat unter Druck gestanden hatte.
Die Weichen für den nächsten Zinsschritt der Fed stellen die anstehenden US-Inflationsdaten im Herbst. Bestätigt sich die von den Notenbankern erwartete Teuerung von 3,7 Prozent in der Gesamtrate, dürfte die Fed ihren angekündigten Zinsschritt vor dem Jahresende vollziehen.
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