Die US-Notenbank plant für das laufende Jahr noch eine Zinserhöhung, lässt sich damit aber voraussichtlich bis zum Jahresende Zeit. Aus den Aufzeichnungen der Federal Reserve zur Septembersitzung geht hervor, dass eine Straffung bereits beim Treffen Ende Oktober unwahrscheinlich ist. Für die Finanzmärkte bringt dieser Aufschub allerdings nur bedingt Entlastung, weil das hohe Renditeniveau bei Staatsanleihen die Aktienkurse weiter unter Druck setzt.
Notenbanker sehen Zinsschritt als Absicherung
In den Reihen der Fed herrscht weitgehend Einigkeit über den geldpolitischen Kurs. Von 18 Mitgliedern mit eigener Prognose rechnen 16 mit einem weiteren Zinsschritt vor dem Jahreswechsel. Der Leitzins verharrt seit der einstimmigen Anhebung im September in einer Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Für das Jahr 2027 stellt das Gremium keine weiteren Maßnahmen mehr in Aussicht.
Viele Währungshüter betrachten ein höheres Zinsniveau vor allem als Versicherung gegen eine hartnäckige Inflation. Nach der September-Sitzung fiel die Kernrate des PCE-Preisindex für den Monat August mit 3,0 Prozent jedoch niedriger aus als im Vorfeld befürchtet. An den Zinsterminmärkten schwand die Erwartung einer baldigen Anhebung daraufhin deutlich: Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt am 28. Oktober beziffern Händler auf 17,7 Prozent, während der Markt eine Erhöhung bis zur Sitzung am 9. Dezember mit 86,2 Prozent einpreist.
Renditedruck belastet die Aktienmärkte
An den Anleihemärkten bleibt die Lage angespannt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Mittwoch zeitweise auf bis zu 5,36 Prozent. Die Fed begründete diesen Anstieg mit robustem Wirtschaftswachstum, Investitionen in Künstliche Intelligenz und den Zinserwartungen der Anleger. In Europa kletterte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen parallel auf 3,49 Prozent, während entsprechende französische Papiere einen Wert von 4,91 Prozent erreichten.
Das gestiegene Zinsniveau wirkt als direkte Konkurrenz zum Aktienmarkt. Der DAX gab am Mittwoch um 1,4 Prozent auf 25.104 Punkte nach, während der US-Leitindex S&P 500 mit einem Minus von 0,2 Prozent bei rund 7.802 Zählern schloss. Steigende Finanzierungskosten bremsen die Kreditnachfrage und zwingen Unternehmen zu höheren Erträgen, um gegenüber festverzinslichen Wertpapieren attraktiv zu bleiben.
Die Aufmerksamkeit der Märkte richtet sich nun auf die nächste Zinssitzung der Federal Reserve am 28. Oktober. Bestätigen die Währungshüter dort den Verzicht auf einen unmittelbaren Zinsschritt, entscheidet das Treffen am 9. Dezember über das endgültige Zinsniveau für das Gesamtjahr.
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