Die US-Regierung bricht mit der bisherigen Klimapolitik im Verkehrssektor. Neue Vorgaben für den Flottenverbrauch sollen Neuwagen spürbar verbilligen und traditionellen Verbrennungsmotoren neuen Spielraum verschaffen. Für US-Autobauer bedeutet die Kehrtwende geringere Produktionskosten, während Verbraucher langfristig mit höheren Ausgaben an der Zapfsäule rechnen müssen.
Deutlich geringere Effizienzvorgaben
Das US-Verkehrsministerium legt am Montag die endgültigen Standards für den Treibstoffverbrauch bis zum Modelljahr 2031 vor. Der vorgeschriebene Flottendurchschnitt sinkt dabei auf 34,5 Meilen pro Gallone. Bislang galt für diesen Zeitraum eine Zielmarke von 50,4 Meilen pro Gallone.
Die Neuregelung bremst den schrittweisen Übergang zur Elektromobilität spürbar aus. Zuvor verlangten die Richtlinien sprunghafte Effizienzgewinne bei Neuwagen, um den Marktanteil von Elektrofahrzeugen auszuweiten. Künftig wachsen die Anforderungen nur noch mit minimalen Raten.
Günstigere Autos, teurere Tankrechnungen
Die Behörden beziffern die unmittelbare Ersparnis auf durchschnittlich 930 Dollar je Neufahrzeug. Allerdings verlagern sich die finanziellen Belastungen auf die Betriebsphase: Nach amtlichen Schätzungen führt der geringere Sparzwang bis 2050 zu einem Mehrverbrauch von rund 100 Milliarden Gallonen Kraftstoff. Die zusätzlichen Ausgaben der Autofahrer für Benzin und Diesel summieren sich demnach auf 185 Milliarden Dollar.
Autokonzerne und Ölproduzenten hatten die früheren Vorgaben als technisch kaum erfüllbar kritisiert. Ohne erhebliche Zugeständnisse an die Hersteller drohten Belastungen im traditionellen Fahrzeuggeschäft. Umweltverbände kritisieren hingegen, dass die Lockerung den Ausstoß von Treibhausgasen wieder steigen lässt und die Wettbewerbsfähigkeit bei sauberen Technologien gefährdet.
Die Neuausrichtung fällt in eine Phase hoher Treibstoffpreise. Infolge der Kämpfe im Nahen Osten und des Kriegs in der Ukraine erreichten die Benzinpreise zuletzt historische Höchststände für einen September, während Diesel auf Rekordniveaus notiert. Wegen dieses Preisdrucks wurden regierungsintern bereits Gegenmaßnahmen bis hin zu temporären Exportverboten für Diesel diskutiert.
Mit der Präsentation der finalen Verordnung am Montag erhalten die Hersteller unmittelbare Klarheit über den regulatorischen Rahmen. Der Schritt verschafft den Autobauern kurzfristige Entlastung bei den Entwicklungskosten, bindet den Heimatmarkt jedoch auf Jahre hinaus an einen höheren Kraftstoffverbrauch.


