Eine doppelte Belastung aus Kursverlusten im Technologiesektor und steigenden Energiepreisen hat am Donnerstag eine Flucht in den US-Rentenmarkt ausgelöst. Investoren parkten ihr Kapital in festverzinslichen Staatspapieren, deren Kurse entsprechend anzogen. Als Folge gaben die Renditen über alle Laufzeiten hinweg spürbar nach.

Die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe bewegte sich im Tagesverlauf zwischen 5,03 Prozent und knapp unter der Marke von fünf Prozent. Letzteres markierte den tiefsten Stand seit dem 23. September. Der entsprechende Terminkontrakt legte parallel um 0,79 Prozent auf 105,94 Punkte zu.

Zweifel am Tech-Sektor und geopolitischer Druck

Hauptauslöser für die Umschichtungen waren deutliche Verluste an den Aktienmärkten. Vor allem der Technologiesektor geriet unter Verkaufsdruck. Aussagen von Branchenschwergewichten wie Meta, Tesla, IBM und Lam Research zur Geschäftsentwicklung hatten die Stimmung an der Technologiebörse Nasdaq belastet.

Dazu trugen Äußerungen von Nvidia-Chef Jensen Huang bei. Dieser hatte zwar von einer außergewöhnlich hohen Nachfrage nach Cloud-Kapazitäten berichtet, jedoch gleichzeitig auf knappes Kapital hingewiesen. An den Märkten wuchsen daraufhin die Zweifel, wie rasch sich die enormen Investitionen in die Infrastruktur für künstliche Intelligenz tatsächlich bezahlt machen.

Parallel dazu trieb die geopolitische Lage im Nahen Osten die Energiekosten in die Höhe. Berichte über mögliche gemeinsame Militäraktionen der USA und Israels gegen den Iran sorgten für Verunsicherung. US-Rohöl der Sorte WTI verteuerte sich um mehr als zwei Prozent auf über 99 Dollar je Barrel, während Brent-Öl ebenfalls um mehr als zwei Prozent auf über 111 Dollar stieg.

Umschichtungen auch in Europa

Die Bewegung am Rentenmarkt erfasste sämtliche Laufzeiten. Bei den zweijährigen US-Staatspapieren fiel die Rendite um 14 Basispunkte auf 4,69 Prozent. Für dreißigjährige Schuldtitel sank die Verzinsung um zehn Basispunkte auf 5,32 Prozent.

Indes beschränkte sich die Suche nach Stabilität nicht auf US-Papiere. Anleger griffen auch bei deutschen Bundesanleihen zu, während französische Staatsanleihen gemieden wurden. Dahinter stehen anhaltende Proteste und eine Haushaltskrise in Frankreich, die Investoren seit Wochen vorsichtig agieren lassen.

Mit Blick auf den Rohölmarkt und die US-Zinsen richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf die Zwischenwahlen im November. Sollte es im Anschluss tatsächlich zu militärischen Aktionen im Nahen Osten kommen, dürften die Energiepreise hoch bleiben und die Inflationserwartungen an den Anleihemärkten weiter prägen.